Stiftungen rentieren sich nur bei großen Vermögen
Seit der Causa Graf sind Privatstiftungen in aller Munde. Zwischen Steuern sparen auf Kosten der Allgemeinheit und edle Spender spannt sich der Meinungsbogen. Lesen Sie hier wichtige Fragen und Antworten.
1. Wie viel Geld braucht man, um eine Stiftung zu gründen?
ANTWORT: Die minimale Summe beträgt 70.000 Euro. Privatstiftungen rentieren sich erst bei sehr großen Vermögen; es müssen auch Kosten für Stiftungsvorstand, Rechtsanwalt, Steuerberater bezahlt werden. Erst ab "zweistelligen Millionenbeträgen" zahlt es sich laut Christoph Kraus vom Verband Österreichischer Privatstiftungen aus.
2. Ist es richtig, dass Stiftungen gegründet werden, um Geld am Finanzminister vorbeizuschleusen?
ANTWORT: Ganz so stimmt das heute nicht mehr. 14 Mal sind die entsprechenden Finanzbestimmungen seit der Einführung 1993 (übrigens unter einem sozialdemokratischen Finanzminister) bereits geändert worden. "Wir raten niemanden, eine Stiftung zu gründen, um sich Steuern zu sparen", sagt auch Kraus. Die bisherige Zwischensteuer von 12,5 Prozent auf Zinseinnahmen und Veräußerung von Firmenbeteiligungen ist durch das Budgetbegleitgesetz 2011 auf 25 Prozent angehoben worden - also auf die "normale" Höhe der Kapitalertragssteuer. Die ebenfalls seit Oktober 2011 geltende Besteuerung von realisierten Wertsteigerungen von Kapitalanlagen sowie von Derivaten mit 25 Prozent betrifft auch Privatstiftungen. Stiftungen werden de facto also gleich wie GmbHs behandelt.
3. Gibt es keine steuerlichen Vorteile mehr für Stiftungen?
ANTWORT: Im Wesentlichen ist ein nicht unerhebliches Steuerprivileg geblieben: Der Gewinn aus der Veräußerung einer Firmenbeteiligung kann nämlich weiterhin innerhalb von zwölf Monaten steuerfrei auf eine neue Beteiligung übertragen werden. Die Experten der Arbeiterkammer kritisieren deshalb: Wer eine eigennützige Privatstiftung zwischen Vermögen und Begünstigten einbaut, kann den Zeitpunkt der Steuerzahlung beliebig in die Zukunft verschieben. Die Regelungen für Privatstiftungen widersprechen dem Grundprinzip von Steuern: Dass diese dann zu zahlen sind, wenn Einkommen entsteht beziehungsweise zufließt. Die AK kritisiert, dass der Bund aufgrund der Steuervorteile von Stiftungen jährlich auf eine halbe Milliarde Euro verzichtet.
4. Wie viele Stiftungen gibt es eigentlich in Österreich und was machen diese?
ANTWORT: Heute gibt es in Österreich rund 3400 Privatstiftungen, zwei Drittel von ihnen sind an Unternehmen beteiligt, hinter 80 der 100 größten österreichischen Unternehmen stehen Privatstiftungen, direkt und indirekt hängen 400.000 Arbeitsplätze an Privatstiftungen. Auch der größte europäische Industriebetrieb (Volkswagen) wird durch eine Privatstiftung kontrolliert.
5. Kann man jederzeit, auf sein Geld, das man in einer Stiftung geparkt hat, wieder zugreifen.
ANTWORT: Nein. Bei den Vermögenswerten in Stiftungen handelt es sich meist um Firmenbeteiligungen oder Immobilien, die der Stiftung gewidmet wurden. Löst man die Stiftung auf, müssten für diese Vermögenswerte der aktuelle Verkehrswert ermittelt und mit 25 Prozent Kapitalertragssteuerversteuert werden.
6. Welche Gründe gibt es noch für Privatstiftungen?
ANTWORT: Mit ihnen kann Vermögen zusammengehalten und vor Erbstreitigkeiten geschützt werden. Erben können "versorgt" werden, ohne dass diese direkt auf das Vermögen zugreifen können. Privatstiftungen können gemeinnützig sein (etwa 650), die meisten sind es nicht.








