Was der neue Stromzähler bringt
Kann die elektronische Verbrauchsmessung namens "smart metering" den Stromverbrauch drosseln? Die Kleine Zeitung startet den Selbstversuch und berichtet über praktische Erfahrungen.

Foto © ENERGIE STEIERMARK
Dem Strom der Zeit haben sie sich bisher erfolgreich widersetzt: die dicken schwarzen Drehstromzähler, die noch immer - wie in unserer Kindheit - im Sicherungskasten behäbig ihre Runden abspulen. Doch nun sind ihre Tage gezählt. Bis 2018 sollen alle Haushalte elektronische Zähler erhalten (siehe rechts oben). Als Testkunde der Energie Steiermark nehme ich am Versuchsbetrieb teil und habe seit wenigen Tagen so einen Zähler im Kasten hängen.
Meine Kleinfamilie umfasst im Regelfall zwei Personen, im "Patchwork-Modus" sind es manchmal deutlich mehr. Wir wollen testen, welche Faktoren den Verbrauch wirklich beeinflussen und wo die versteckten Verschwender schlummern. Das Experiment beginnt mit einer Enttäuschung: Sparen können wir nur durch exakte Beobachtung, aber nicht z. B. dadurch, dass wir die Waschmaschine zur Billigtarif-Uhrzeit einschalten. Denn der Tarif bleibt vorerst einheitlich, das (womöglich elektronisch gesteuerte) Nützen von Schwachlastzeiten ist noch Zukunftsmusik.
Zusätzlich zum Zähler gibt's ein unbarmherziges mobiles Ablesegerät. Es leuchtet grün bei niedrigem Verbrauch, gelb bei mäßigem und rot bei hohem Verbrauch. Am Anfang steht es unübersehbar auf dem Küchentisch, bald wandert es auf ein diskretes Seitentischchen. Man will sich ja nicht immer schlecht fühlen, nur weil die Ampel auf Rot springt, sobald man die Suppe mit dem Mixstab püriert.
Außerdem sind alle Daten laufend übers Handy und Internet abrufbar. Ich sitze also im Büro, wache über das Geschehen zu Hause und rufe sofort an, wenn die Säule steigt. Zusammenleben war auch schon einmal leichter!
Die ersten Tage lassen noch kaum Rückschlüsse zu. Wir verbrauchen zwischen fünf und zehn Kilowattstunden pro Tag, werktags weniger, am Wochenende mehr. Und warten darauf, anhand detaillierter Auswertungen mehr über die Ursachen der Schwankungen zu erfahren.
Features
Energiestatistik 16.05.2012

Grafik vergrößernDie Verbrauchsgrafik der Energie Steiermark zeigt wahlweise Tages-, Wochen- oder Monatsverbrauch an Grafik © KLZ
Die Verbrauchsgrafik der Energie Steiermark zeigt wahlweise Tages-, Wochen- oder Monatsverbrauch an Grafik © KLZ
FAKTEN
Rund fünf Millionen Stromzähler für Privatkunden gibt es in Österreich. Laut Verordnung des Wirtschaftsministers sollen 95 Prozent davon bis 2018 durch elektronische Zähler ("smart meter") ersetzt werden.
Die Wirtschaftskammer erwartet eine wesentliche Verbrauchs- und Kostenersparnis, während die Arbeiterkammer Zusatz-kosten befürchtet.
Der Zählertausch selbst kostet laut E-Wirtschaft zwei Milliarden Euro, die aber laut Regulierungsbehörde E-Control nicht auf Verbraucher übergewälzt werden dürfen. Mit den neuen Zählern kann der Verbrauch exakt beobachtet werden, maßgeschneiderte Tarife werden möglich. Für Kritik sorgen Datenschutz-Bedenken.








