Mikrofinanz: Kleine Kredite, große Wirkung
Die Idee der Mikrokredite zieht immer weitere Kreise. Nach privaten Investoren entdecken auch Banken das Modell für Wege aus der Armut.
Wenn Muhammad Yunus Anfang Mai im Rahmen der "Social Business Tour" auf Einladung der Erste Stiftung nach Wien kommt, ist ihm breite Publicity sicher. Spätestens seit Yunus als Erfinder der Mikrokredite und Gründer der Grameen Bank in Bangladesch 2006 den Nobelpreis bekam, erlebt dieser "andere" Finanzsektor einen Boom. Längst werden nicht mehr nur Menschen im fernen Bangladesch oder Indien auf ihrem Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit unterstützt, das Modell greift auch vor der Haustür Österreichs, etwa in Rumänien, dem Kosovo oder Moldawien. Sogar die EU hat das Instrument für sich entdeckt und will über die Europäische Investitionsbank bis Kredite an Arbeitslose und Kleinunternehmer vergeben, die keinen klassischen Kredit bekommen würden.
Schon länger beschäftigt sich die Erste Group und die Erste Stiftung mit dem Thema. Seit fünf Monaten ist die gemeinsame Tochtergesellschaft good.bee operativ in Rumänien tätig und hat dort bereits rund eine Million Euro Kredite vergeben. Die typischen Kreditnehmer sind Bauern oder kleine Gewerbebetriebe, die üblicherweise nicht die klassischen Kriterien wie regelmäßiges Einkommen, eine Bilanz oder Sicherheiten für einen Bankkredit bieten können. Oft fehlt ihnen überhaupt ein Bankkonto. "Parallel geht es uns auch um den mobilen Vertrieb einfacher Bankkonten," erklärt good.bee-Chef Sava Dalbokov. Die ersten Erfahrungen seien sehr gut, so Dalbokov. Weitere Projekte seien in Ausarbeitung. Grundsätzlich wolle man in allen Ländern, in der die Erste Group vertreten ist, sukzessive Ähnliches aufbauen. Noch weiter geht die Social-Business-Idee: Sie fokussiert auf Geschäftsmodelle, die soziale Probleme mit unternehmerischen Mitteln lösen wollen. Yunus wird dieses Konzept nicht nur in Wien, sondern später auch in Prag, Belgrad, Budapest und Bukarest vorstellen.
Wo und was tatsächlich mit Investorengeldern bewegt wird, zeigt Vermögensberater und Mikrofinanzexperte Leopold Seiler seit heuer interessierten Kunden an Ort und Stelle. "Jeder Teilnehmer zahlt sich die Reise selber, aber man kann seinem Investment die Hand schütteln, nach dem Motto: hier Kredit, da Kartoffel." Die nächste Reise im Juni führt in den Kosovo. "Das ist kein Armutstourismus," betont Seiler, "ich will einfach, dass die Leute wissen, dass direkt vor unserer Tür immens viel zu tun ist."
Die strukturellen Probleme armer Staaten könnten allerdings nicht mit Mikrokrediten gelöst werden. Hier sei nach wie vor Entwicklungshilfe gefragt.








