App zum Profit!
Der seit Jahren nach Profit suchende Online-Journalismus steht vor der Lösung seiner Probleme: Bezahl-Apps für iPhone und Co sind der Verkaufsschlager schlechthin. Mit Apples neuem Tablet könnte die Zukunft für Online-Medien sogar richtig bunt werden.

Foto © kentoh - Fotolia.comWohin mit dem Journalismus: Im Internet ein Verlustgeschäft - in der mobilen Zukunft eine Goldgrube?
Im Internet ist mit Bezahl-Inhalten kein Geld mehr zu verdienen. Ein ungeschriebenes Gesetz könnte wie folgt lauten: Sobald etwas einmal gratis war, bleibt es gratis. Medien-Profis rund um den Globus verbrachten die vergangenen Jahre damit, nach Lösungen für dieses geschäftliche Problem zu suchen - ohne Ergebnis. Seit Jahren setzen Internet-Medien notgedrungen auf werbe-finanzierte Angebote und halten so den Kopf gerade noch über Wasser. Die Lösung wurde jedoch nie gefunden. Zumindest nicht in der Medienbranche. Die Lösung erdachte sich ein Mann mittleren Alters und schütteren Haares, der in der IT-Welt schon so oft als Revolutionär gefeiert wurde. Die Lösung erdachte sich Steve Jobs und "sein" Apple-Konzern.
Der App-Store, digitale Heimat zigtausender Anwendungen für iPhone und iPod Touch, treibt den Medienmachern erstmals die sprichwörtlichen Dollar-Zeichen in die Augen. Wenn jetzt auch noch Apples angekündigtes Tablet, ein iPhone in XL-Ausgabe, die Erwartungen erfüllt, steht die Online-Branche vor einem historischen Moment: Dem Ende der roten Zahlen.
Kritik
Studien belegen, dass nur neun Prozent der Internet-User für Informationen bezahlen wollen. Jedoch beziehen sich diese Studien stets nur auf den PC-Sektor.
Doch alles der Reihe nach. Bezahl-Inhalt, neudeutsch auch "Paid-Content" geschimpft, ist zum Scheitern verurteilt. Wann immer ein Medienhaus einen wagemutigen Versuch startete, den Lesern ihrer Online-Angebote Geld aus der Tasche zu ziehen, sprangen die User ab. Unattraktiv und schlichtweg zu teuer waren die Argumente der verärgerten Leserschaft. Argumente, die man in Zusammenhang mit Apples iPhone selten hört. Ganz im Gegenteil: Die neue Goldgräberstimmung in der Medienbranche resultiert aus kauffreudigen Usern. Ein Blick in die Top-Ten der meistverkauften Medien-Apps offenbart Eindeutiges: Die Leser bezahlen erstmals. Egal ob "Bild", "Guardian", oder "Welt": Der Trend geht zu kostenpflichtigen, hochwertigen Anwendungen.
Trendwende
Besonders in Deutschland macht sich der Trend bereits deutlich bemerkbar. Der Springer-Verlag etwa setzt bei dem iPhone-Anwendungen der "Bild" und der "Welt" auf ein Bezahl-Modell: Nach einer Einführungsphase muss der Bild-Leser etwa 1,59 Euro für die Anwendung bezahlen, eine Premium-Version mit PDF der aktuellen Ausgabe kostet 3,99 Euro. Noch einen Schritt weiter geht die beliebte iPhone-App der "Süddeutschen": Bei der aktuellen Nummer drei der meistgekauften Nachrichten-Apps verlangt man immerhin 1,59 Euro – für 30 Tage. Ein Handy-Abo, welches sich großer Beliebtheit erfreut. Auch der "Spiegel" will mitverdienen und plant derzeit eine neue Abo-App, mit der das aktuelle Heft und das Archiv auf dem Handy lesbar werden – als Ergänzung zur Gratis-App, die aktuelle Nachrichten liefert. Ein Einsteigermodell, ähnlich einer Gratiszeitung für Studenten. Was im Kleinen funktioniert, könnte durch das kommende Apple-Tablet zu ungeahntem Profit führen.
Praktisch
iPhone-User geben als Gründe für die Bezahlung einzelner Dienste den Komfort an erster Stelle an.
So gut wie sicher ist, dass Apple mit dem Touchscreen-PC den Medien-Markt in seinen iTunes-Store integrieren wird. Neben Büchern gibt es dann auch die Möglichkeit, bisherige Print-Medien oder speziell angepasste Tablet-Ausgaben zu abonnieren. Die Medienwelt wartet sehnsüchtig auf das Erscheinen des neuen Geräts und bereitet sich in der Zwischenzeit auf die neuen Vertriebswege vor. In den USA etwa, so Gerüchte, hätten bereits die meisten großen Medienhäuser die Arbeit an ihren "Tablet-Versionen" abgeschlossen. Angefeuert wurde die neue Euphorie durch eine aktuelle Studie, wonach in den nächsten fünf Jahren das Handy und andere mobile Endgeräte den PC in punkto Internet-Nutzung ablösen werden. Nun gilt es schnell zu sein: Man wolle einen historischen Moment nur nicht verschlafen, so ein Sprecher der New York Times in einem Blog-Interview. Denn wer jetzt gleich mitmache, habe später mehr davon. Mehr Profit.
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Das Geschäft boomt
"Apps" nennen sich kleine Programme, die aus dem "AppStore" direkt auf das iPhone geladen werden. Über 100.000 solcher Anwendungen gibt es bereits, Apple zählte bereits mehr als zwei Milliarden Downloads.
Auch andere Handy-Hersteller wie Nokia oder Google setzen mittlerweile auf eigene Versionen des App-Store.
Verkaufsschalger
In der Hitliste der meistverkauften Anwendungen aller Zeiten liegt "Bild" auf Rang sieben. Die Anwendunge der "Süddeutschen" schafft es immerhin auf Platz 20.
Foto

iPhone und Tablet: Heilsbringer für die Medienbranche?Foto © Montage, gizmodo.de
Österreich hinkt hinterher
In Österreich setzen die meisten Medienhäuser noch auf Gratis-Apps. Die Hitliste der meistgeladenen Nachrichten-Anwendungen wird von der "Krone" angeführt. Jedoch: Unter den meistgekauften Apps steht bei uns "Bild" vor der "Süddeutschen" an erster Stelle. Auch "The Guardian" findet sich in den Top Ten.
Gratis-Angebote
In Deutschland sorgt derzeit ein Streit um die App der "Tagesschau" für Aufsehen: Sie sollte gratis angeboten werden und vergleichbare Inhalte wie die kostenpflichten Anwendungen bieten. Kulturstaatsminister Bernd Neumann schaltete sich ein und erklärte, der Markt werde durch das öffentlich-rechtliche Angebot ungerecht "verzerrt".









