Neuer Streit um "tödliche Strahlen"
EU-Umweltagentur-Warnung: Handys sollen Hirtumore auslösen - Experten widersprechen. Und während sich die Experten weiterhin streiten, blüht das Geschäft mit der Angst.

Foto © ReutersDer SAR-Wert ist für die Strahlenbelastung entscheidend
"Handystrahlen gefährden die Gesundheit." Diese Warnung, die nun erstmals auch von der Europäischen Umweltagentur (EEA) ausgesprochen wurde, lässt die Wogen in dem schwelenden Expertenstreit wieder einmal hochgehen. "Es gibt klare Beweise, dass Handy-Nutzer, die ihr Mobiltelefon mehr als 15 Jahre lang etwa 460 Stunden im Jahr im Einsatz haben, Ausprägungen von Hirntumoren gezeigt hätten", sagt die EEA-Direktorin Jaqueline McGalde.
Keine Beweise. Mit der Wirkung von Handystrahlen auf den menschlichen Körper beschäftigt sich seit vielen Jahren Norbert Leitgeb, Professor für Krankenhaustechnik an der TU Graz und Vorsitzender der Strahlenschutzkommission in Bonn. "Die EEA bezieht sich hier nicht auf eine eigene Studie, sondern auf Interpretationen bereits existierender Studien. Neue Erkenntnisse gibt es damit aber keine", meint Leitgeb dazu. "Es existieren bis heute keine überzeugenden Beweise, dass Handystrahlen tatsächlich gesundheitsschädlich sind. Die Grenzwerte in diesem Strahlungsbereich sind so niedrig angesetzt, dass die bekannten gesundheitsschädigenden Wirkungen ausgeschlossen werden können," betont Leitgeb.
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Strahlenschutz. Während sich die Experten also weiterhin streiten, blüht das Geschäft mit der Angst. Amulette, spezielle Handyhüllen, Aufkleber und sogar Gesichtscremen, die vor der angeblich schädlichen Strahlung schützen sollen, finden immer mehr Abnehmer. "Aus physikalischer Sicht ist das absoluter Humbug", so der Experte. Wer sich dennoch vor intensiver Handystrahlung schützen möchte, sollte beim Handykauf auf den SAR-Wert achten. "Dieser Wert gibt Auskunft über die Kopferwärmung und sollte möglichst weit unter dem Grenzwert von zwei Watt pro Kilogramm liegen."
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Kurz halten
Gespräche kurz halten, ein Head-Set verwenden und nur in Gebieten telefonieren, in denen gute Empfangs-
verhältnisse herrschen. "Besonders intensiv ist die Strahlung zum Beispiel im geschlossenen Auto, weil das Handy die schlechteren Empfangsbedingungen durch stärkere Sendeleistung ausgleicht", erklärt Norbert Leitgeb.
Kinder schützen
"Kinder im Vorschulalter absorbieren mehr Strahlung als Erwachsene", betont Leitgeb, der bei Kindern unter dem 6. Lebensjahr für einen "vernünftigen Umgang" mit dem Handy plädiert. Für ein generelles Handyverbot bis zum 16. Lebensalter, wie das von der Wiener Ärztekammer gefordert wird, tritt er allerdings nicht ein.










