In "Second Life" wird vor allem gestorben
Berichte über "untote" Avatare, die in der virtuellen Welt stehen gelassen wurden, mehren sich. Nun soll eine Petition für die Würde der toten Bewohner in Second Life eintreten. Auch in anderen Communities zahllose "Accountleichen".

Foto © accountleichenbewegung.de"Away from Keyboard" lässt Avatare mit baumelndem Kopf zurück
"Second Life" verheißt eine neue Form von virtuellem Leben. Tatsächlich aber wird dort vor allem gestorben: 82,4 Prozent der 9,1 Millionen Avatare, die dort bisher angelegt wurden, haben in den vergangenen 60 Tagen keinen Gebrauch von ihrer Existenz gemacht. Viele haben kurz mal hinein geschnuppert in die virtuelle Welt, sind dann aber nicht wiedergekommen. Dieser toten Avatare hat sich jetzt die Berliner Internet-Künstlerin Susanne Berkenheger und ihre "Accountleichenbewegung" angenommen.
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Untote. "seit tagen schon höre ich das leise heulen der unsichtbaren, untoten avatare", schreibt Avatar Muji Zapedzki alias Berkenheger in ihrem Blog. "heute bin ich sogar einem auf den fuß getreten (newberlin 218,207,31). bis die sonne aufging, blies mir sein eisiger hauch in den nacken." In der SL-Zentrale der Accountleichenbewegung findet sich allerdings kein Friedhof von Avataren, sondern nur ein Müllplatz mit den von ihnen hinterlassenen Relikten: Reklametafeln, umgekippte Bäume, zum Verkauf stehende Häuser und weggeworfene Prims, wie die kleinste Baueinheit von Objekten im SL-Sprech genannt wird.
Unterdrückung von Leichen. Linden Lab, die kalifornische Betreiberfirma von "Second Life" (SL) mache Werbung mit gigantischen Nutzerzahlen, sagt die Gründerin der "Accountleichenbewegung". Daher sollten auch die nicht mehr genutzten Avatare in irgendeiner Form sichtbar gemacht werden. Für den "Kampf gegen die visuelle Unterdrückung von Accountleichen" hat die 44-Jährige eine Petition gestartet: "Die Unterzeichner fordern, dass Linden Lab die Würde aller Avatare respektiert. Dazu gehört unserer Ansicht nach, dass Linden Lab keine einmal von liebender Hand erstellten Avatare in der Datenbank vergammeln lässt."
Streit um verlassene Grundstücke. Auf die Initiative Berkenhegers hat Linden Lab zwar noch nicht reagiert. Im offiziellen SL-Blog wird aber bereits heftig diskutiert, was mit Land von Avataren geschehen soll, die sich nicht mehr blicken lassen. Hier will Linden Lab die Besitzer der verschwundenen Avatare mit einer Mail anschreiben und eine Versteigerung des Besitzes vorschlagen.
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Li Guyot hat sein Leben als Avatar stilvoll beendet. Auf dem Friedhof "Memorial Park" hat er einen Grabstein hinterlassen mit Foto und Abschiedsbotschaft: "Ich verlasse SL, um in mein wirkliches Leben zurückzukehren - und leider werde ich nicht zurückkommen."










