Tablet trifft Ultrabook: Die Zukunft liegt im Mittelweg
Mehr als zwei Jahre nach dem iPad-Start ist der Tablet-Computer im Massenmarkt angekommen. Mehrere Hersteller zeigen auf der IFA in Berlin Tablet-Computer, die sich deutlich vom Vorbild iPad unterscheiden - aber auch immer teurer werden.

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Zahlreiche IFA-Aussteller unterm Berliner Funkturm zeigen neue Geräte, die das Weihnachtsgeschäft ankurbeln und den Marktführer Apple herausfordern sollen. Besonders interessant sind die ersten Tablet-Computer mit dem neuen Microsoft-System Windows 8, kleine Tablets in Notizbuchgröße und sogenannte Hybrid-Geräte, die sich einfach mit einer Tastatur verbinden lassen und sich so nicht nur für die Internet-Nutzung oder auf der Couch, sondern auch zum produktiven Arbeiten anbieten.
IFA-Trend
Smart TV: Zuletzt haben die Livestreams bei den Olympischen Sommerspielen demonstriert, wie wichtig die Bilder aus dem Internet geworden sind. Die TV-Geräte mit Internet-Anschluss bringen klassisches Fernsehen und Online-Dienste zusammen. Das können auch Angebote von Online-Videotheken oder Facebook sein. Auf der diesjährigen IFA werden mehr Fernseher denn je auch ins Internet gehen können.
"Das ist die nächste Phase der Tablet-Revolution", sagt Sony-Manager Kunimasa Suzuki über das auf der IFA präsentierte Xperia Tablet S. Dieser flache Computer, mit 570 Gramm leichter als sein Vorgänger, läuft allerdings noch mit dem Google-System Android. Der eingebaute Vierkern-Prozessor, hier ein Tegra 3 von Nvidia, ist inzwischen schon zum Standard geworden - die Apps sollen möglichst schnell starten und ihre Inhalte flott aufs Display bringen.
Spannender aber sind gerade die ersten Tablet-Computer mit Windows 8 - das Microsoft-System erscheint am 27. Oktober. Und in einem schroffen Bruch mit seiner bisherigen Linie bringt der Software-Marktführer auch selbst ein Tablet heraus, mit der Modellbezeichnung Surface. Mit einer flachen Tastatur, die gleichzeitig als Schutzhülle dient, schlägt das Microsoft-Gerät die Brücke zum Laptop und liegt damit im Trend: Die neuen Windows-Tablets verschmelzen mit Ultrabooks, den besonders flachen und leichten Notebooks mit bestimmten Leistungsanforderungen, die von Intel aufgestellt wurden.
Zwei in einem
Die Hersteller von Ultrabooks ziehen so auch die Konsequenz aus der relativ schleppenden Nachfrage nach diesen Geräten - was nicht zuletzt an der Attraktivität der Tablet-Computer liegt. "Wer sich ein Tablet kauft, legt sich wahrscheinlich nicht noch ein Ultrabook zu", sagt Annette Zimmermann, Analystin bei Gartner. Das Marktforschungsunternehmen prognostiziert, dass die Ultrabooks in diesem Jahr gerade einmal 5 Prozent des Notebook-Marktes ausmachen - dabei ist das erfolgreiche Macbook Air von Apple eingerechnet. Erst mit sinkenden Preisen werde die Nachfrage anziehen.
IFA-Trend
Vernetzt im Auto: Der Autokonzern Ford war schon vergangenes Jahr auf der IFA dabei und kommt jetzt wieder. Die Vision ist, dass sich das Auto mehr als bisher in den digitalen Lebensstil einfügt. Es soll nicht nur die Musik aus dem Smartphone oder anhand von Karten die Strecke berechnen, sondern den Weg sich mit Hilfe des Internets an die aktuelle Verkehrs- und Wetterlage anpassen.
Sony zeigt auf der IFA ein Kombi-Gerät: Das Vaio Duo 11 lässt sich "im Handumdrehen von einem leistungsfähigen Ultrabook in ein praktisches Tablet verwandeln". Der fliegende Wechsel zwischen Tastatur- und Tablet-Modus hat aber seinen Preis: Das 18 Millimeter dünne Gerät mit einem Gewicht von 1,3 Kilogramm und 11,6 Zoll großem Touch-Bildschirm gibt es ab 1200 Euro; die Markteinführung ist für Ende Oktober geplant, wenn auch Windows 8 da ist.
Der koreanische iPad-Herausforderer Samsung, der in Kalifornien gerade eine bittere juristische Niederlage im Patentstreit mit Apple hinnehmen musste, geht jetzt neue Wege mit Windows 8. Auf der IFA präsentierte der Hersteller ein klassisches Tablet, das Ativ Tab sowie ein Hybrid-Tablet, den Ativ Smart PC, mit abnehmbarer, magnetisch haftender Tastatur und zusätzlicher, drucksensitiver Stiftbedienung.
IFA-Trend
Vernetzt im Auto: Der Autokonzern Ford war schon vergangenes Jahr auf der IFA dabei und kommt jetzt wieder. Die Vision ist, dass sich das Auto mehr als bisher in den digitalen Lebensstil einfügt. Es soll nicht nur die Musik aus dem Smartphone oder anhand von Karten die Strecke berechnen, sondern den Weg sich mit Hilfe des Internets an die aktuelle Verkehrs- und Wetterlage anpassen.
Auch Toshiba stellte am Donnerstag einen tragbaren Computer mit Windows 8 vor, der sich über den Touchscreen wie auch über die herausschiebbare Tastatur bedienen lässt: Das Satellite U920t hat einen 12,5 Zoll großen Bildschirm und wiegt 1,45 Kilogramm; es soll rund 950 Euro kosten.
Der Hersteller Asus zeigt auf der IFA sein bereits auf der Computex im heimischen Taiwan vorgestelltes Tablet 810 mit Windows 8 und Intel-Prozessor sowie das Tablet 600 mit der speziellen RT-Version von Windows für Prozessoren der ARM-Plattform, hier für den Nvidia-Prozessor Tegra 3. Beide Geräte folgen dem Transformer-Konzept von Asus mit ansteckbarer Tastatur, mit dem das Unternehmen schon früh auf den Hybrid-Trend setzte. "Es gibt viele Anwender, die das Tablet nicht nur fürs Konsumieren von Inhalten, sondern auch fürs produktive Arbeiten nutzen wollen", erklärt dazu Asus-Produktmanager Jörg Wissing.
Kleiner, teurer, besser
"Ob sich Windows 8 im nächsten Jahr bei Tablet-Computern an Android vorbeischieben kann, muss man abwarten, weil Android doch sehr gut akzeptiert ist", sagt Asus-Manager Wissing. Die Entwicklung wird wohl auch vom Preis der Windows-8-Tablets beeinflusst. Alle Tablet-Hersteller kalkulierten ihre Preise sehr knapp, erklärt Wissing. Das sei bei der Erschließung eines Zukunftsmarktes aber auch üblich, da alle Hersteller daran interessiert seien, sich frühzeitig eine gute Position zu sichern.
IFA-Trends
OLED-Displays Die Elektronik-Konzerne haben jahrelang an der Technik geforscht. Die OLED-Displays (Organic Light-Emitting Diode) haben kontrastreiche Farben und sind noch deutlich dünner als aktuelle LCD-Bildschirme. Weil sie aber auch deutlich teurer waren, kamen sie bisher vor allem in Handys zum Einsatz.
Allerdings sind die neuen Hybrid-Geräte deutlich teurer als klassische Tablet. "Das ist leider kein Massenmarkt-Preis, wodurch der Absatz sicher nicht ins Unendliche gehen wird", sagt Marktbeobachterin Zimmermann. Spannend dürfte die Preisgestaltung für das Surface von Microsoft werden: Sollten die Vermutungen eines Preisrahmens von 200 bis 300 Euro zutreffen, sagt Zimmermann, würden "diese Hybride sicher sehr guten Absatz finden".
Wie schon im vergangenen Jahr schauen die Hersteller auf der IFA gebannt auf den nicht anwesenden Tablet-Marktführer Apple: Von den Kaliforniern wird im Herbst eine kleinere iPad-Variante erwartet.
Features
Fotoserie
Windows auf Retina-Mac
Die amerikanische Softwarefirma Parallels hat auf der IFA in Berlin eine neue Version ihrer Virtualisierungssoftware für den Mac vorgestellt.
Der Parallels Desktop 8 ermöglicht die Installation von Windows 8 auf den Computern von Apple und zeigt die Windows-Oberfläche auf den neuen MacBooks dann auch mit der hohen Auflösung der sogenannten Retina-Technik an. "Das kann man so auf keinem Windows-PC und auf keinem Windows-Tablet darstellen, sagte Parallels-Manager John Uppendahl.
Fakten
Sie ist eine der ältesten deutschen Industriemessen: die IFA in Berlin. Was 1924 bescheiden als Funkausstellung begann, gilt heute flächenmäßig als weltgrößter Branchentreff der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik.
Die 52. Auflage geht offiziell am 31. August an den Start. Eine Ausstellerzahl haben die Veranstalter noch nicht bekanntgegeben, im vergangenen Jahr waren es 1.441, auf einer Fläche von 140.200 Quadratmetern.













