Der Kampf der Giganten geht in die Verlängerung
Nach dem vorläufigen Urteil im Patentestreit verliert Samsung an einem Tag zwölf Milliarden Dollar an Börsenwert. Ein Ende der weltweiten Streitigkeiten ist nicht in Sicht. Google warnte Samsung sogar einst - Produkte stehen nun vor einem Verkaufsstop.

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Google hatte es kommen sehen. Schon im Februar 2010 richtete der Software-Riese einen internen Appell an die Designer des südkoreanischen Handybauers und Google-Partners Samsung: Man möge doch seine Produkte optisch etwas deutlicher von Apples Tablets und Smartphones abheben. Samsung hörte nicht und bekam Ende letzter Woche die Rechnung präsentiert. In Kalifornien wurde der Konzern schuldig gesprochen, Patentrechte von Apple verletzt zu haben. Eine Milliarde Dollar sollen die Koreaner als Entschädigung zahlen - obwohl sie das Urteil sofort anfochten, reagierten die Börsen am ersten Handelstag nach dem Urteil gestern kompromisslos. Die Samsung-Aktie verlor acht Prozentpunkte - der Börsenwert des Unternehmens sank um zwölf Milliarden Dollar (zehn Milliarden Euro). Und Apple? Dessen Aktie erreichte mit mehr als 680 Dollar pro Stück ein Allzeithoch.
Noch einmal kräftig steigen könnte der Wert, wenn die amerikanische Richterin Lucy Koh das Urteil bestätigt und, wie kolportiert, am 20. September eine einstweilige Verfügung ausspricht, die einen Verkaufsstopp von Samsung-Produkten in den USA zur Folge hat. Während manche Experten mit einer folgenden Marktbeherrschung Apples rechnen, schreibt der deutsche Patentrechtexperte Florian Müller in seinem Weblog, dass eine Bestätigung des Urteils nicht gleichbedeutend mit dem kompletten Ausstieg Samsungs aus dem US-Markt ist. "Sie werden gemeinsam mit Google neue Produkte machen, ohne Apple-Patente zu verletzen. Die Resultate sind dann wohl weniger attraktiv, aber markttauglich."
Streit auf vier Kontinenten
Insgesamt kämpfen Apple und Samsung seit April 2011 in zehn unterschiedlichen Ländern auf vier Kontinenten juristisch gegeneinander - und stehen sich dabei in mehr als 50 Verfahren gegenüber. Erfolge konnte Samsung dabei nur in Korea und den Niederlanden verbuchen. Im Streit um die Patente sind die beiden Giganten aber nicht alleine - auch Kodak, Research in Motion (RIM), HTC, Nokia oder Motorola klagen munter drauf los. Sogar Juristen, für viele Betrachter die Nutznießer dieser Klagsexzesse, reagieren mittlerweiel verärgert auf manch eine Patentschlacht.
Der renommierte US-Richter Richard Posner etwa wies Patentklagen von Apple und Motorola ab - mit dem Hinweis, die Anträge seien "dumm und lächerlich" und die Ankläger verhielten sich wie wilde Tiere im ständigen Überlebenskampf. Zudem fragte sich der Richter, ob Patente im Mobilfunk überhaupt noch zu rechtfertigen sind. Eine berechtigte Fragen, gehen doch Experten wie Florian Müller davon aus, dass man Technik- und Designelemente eines einzelnen Smartphone-Modells mit 100.000 Patenten schützen kann. Und jedes dieser Patente kann freilich potenziell eingeklagt werden.
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Bild vergrößernBeweismaterial vor Gericht: Apple- und Samsung-Podukte im Lauf der ZeitFoto © Reuters










