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Zuletzt aktualisiert: 09.08.2012 um 10:36 UhrKommentare

Nackt, schlafend und im Internet

Besonders fieses Cyber-Mobbing: Schürzenjäger veröffentlichen Fotos ihrer Eroberungen bei Twitter - meist halbnackt, schlafend und vor allen Dingen ahnungslos.

Primär junge Männer schießen Fotos von ihren Eroberungen und stellen sie ins Internet. Doch die Netzgemeinde reagiert: Mit Spaßfotos und Racheaktionen von Frauen

Foto © TWITTER Primär junge Männer schießen Fotos von ihren Eroberungen und stellen sie ins Internet. Doch die Netzgemeinde reagiert: Mit Spaßfotos und Racheaktionen von Frauen

Die Nacht war heiß, der Alkohol in ordentlichen Mengen durch das Blut geschossen und am Ende kam es so, wie es kommen musste. Zwei zerzauste Gestalten lagern auf durchgewühlten Leintüchern nebeneinander in der Morgendämmerung. Das Ende eines normalen One-Night-Stands, den man gewöhnlich vertraulich behandelt. Nur diesmal hat sich der eine der beiden Liebhaber leise von seinem Lager erhoben, das Handy entsprechend positioniert, den Daumen zur Siegerpose gehoben und klick gemacht. Wenig später findet sich das wenig vorteilhafte Bild als Trophäe im Internet - mit dem entsprechenden Eintrag: "Mission erfüllt" und garniert mit gehässigen Kommentaren. Ohne das Wissen der Abgebildeten.

So geht es seit Wochen um beim Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Stichwort "Bed of shame" - abgeleitet vom "Walk of Shame". So bezeichnet man im Englischen die Situation nach einer spontanen Liebesnacht, wenn man mit Kleidung vom Vortag und ungeduscht zur Arbeit gehen muss.

Losgetreten wurde der testosterongeschwängerter Wettbewerb vom Briten Gary Beadle. Der Reality-TV-Star lässt sich für die MTV-Serie "Geordie Shore" beim Arbeiten, Feiern, Flirten und Aufreißen filmen. An einem Sonntag veröffentlichte er dann ein Foto von sich und einer nackten Frau neben sich bei Twitter. Eine Heerschar junger Erwachsener folgten seinem Beispiel und veröffentlichten Fotos von ahnungslosen Gespielinnen. Eine Welle von besonders fiesem Cyber-Mobbing begann sich im Internet zu verbreiten.

Beadle hat sich mittlerweile für die Folgen seines zweifelhaften Trendsettings entschuldigt und seine Nachahmer aufgefordert, Fotos aus dem Netz zu nehmen. Dem Engländer folgen auf Twitter immerhin 600.000 Nutzer. Doch das Netz vergisst nie und so tauchen die Nacktbilder inzwischen bei mehreren Internetseiten auf und deren Betreiber fordern auf, weitere Bilder hochzuladen und auch zu bewerten.

Die Meinungen über die Aktionen sind zweigeteilt. Während einige die Bilder hämisch kommentieren und der Ansicht sind, die abgebildeten Frauen und Männer hätten diese Abbildung verdient, empfinden andere Abscheu. Immerhin: "Bed of Shame" hat im Internet eine breite Debatte über Persönlichkeitsrechte und Cyber-Mobbing entbrannt.

Die Netzgemeinde reagiert aber auch auf ihre Weise: Mit Persiflagen, in denen sich Personen etwa mit ihren Hunden oder Lego-Figuren im Bett ablichten, protestieren Nutzer gegen die Plattformen wie Bedofshame.net. Zudem nehmen Frauen inzwischen offensichtlich Rache und posten Bilder von einem schlafenden Mann - wenn dieser auch meistens nicht nackt ist.

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