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    Zuletzt aktualisiert: 07.08.2012 um 13:00 UhrKommentare

    Dinge, die die CIA nicht kann

    Ein Konzern will die Welt vom Bösen befreien: Google geht in die globale Politik – ein eigens gegründeter Think Tank soll Drogenbosse suchen, Regime stürzen, Waffenhandel offenlegen und Geldwäsche stoppen. Doch damit wird Google selbst zur Gefahr, warnen Kritiker. Von Sebastian Krause.

    Globaler Wafenhandel: "Aus der Dunkelheit ans Licht"

    Foto © workshop.chromeexperiments.com/projects/armsglobe/Globaler Wafenhandel: "Aus der Dunkelheit ans Licht"

    Die Welt steht vor einer Revolution. Der zweiten, die den Beinahmen "Digital" tragen wird. In der kommenden Dekade erhalten fünf Milliarden Menschen erstmals Zugang zum Internet. Erst dann entspricht der Begriff des World Wide Web erstmals der Realität. Geht es nach Google, liegt es an dem Konzern, mit Hilfe dieser Revolution die Welt zu befrieden.

    "Staatskunst des 21. Jahrhunderts" nennt der Mann, der eine "Welt ohne Angst" erschaffen will, sein Vorhaben, das auf den schlichten Namen "Google Ideas" hört. Der digitale Vordenker Jared Cohen, 30, hat gemeinsam mit Google-Gründer Eric Schmidt erschaffen, was auf den ersten Blick zu schön ist, um wahr zu sein: Eine Utopie von Frieden auf der Welt, dank dem Internet, dank Google. Drogenhändler sollen ausgeforscht werden, Kinderhandel und Geldwäsche überwacht und der Terrorismus besiegt werden. Und das alles durch den Einsatz bereits vorhandener Technologien? Google sagt ja.

    Mitte Juli lud Google Ideas deshalb zum Gipfeltreffen bei Los Angeles. Es kamen Überlebende von Kriegen, Menschenhandel und Sklaverei. Sie erzählten ihre traurigen Geschichten Politikern, Forschern, Interpol und dem "Council on Foreign Relations", einem mächtigen US-Think-Tank, der eine bestimmende Rolle in der amerikanischen Außenpolitik innehat. Man muss Google zugutehalten, dass kein anderer Konzern die Möglichkeit hat, Politiker, Fädenzieher und Opfer kurzerhand an einen Tisch zu setzen. Der Internet-Riese weiß um sein Gewicht in der modernen Welt und engagiert sich scheinbar für den noblen Zweck.

    Die Welt, eine friedliche Google

    "Google hat die Möglichkeiten, die große Probleme der Welt anzugehen", sagt Rani Hong, ein Überlebender des unmenschlichen Kinder- und Sklavenhandels in Indien. Jared Cohen befeuern solche Sätze. Das ehemalige "Wunderkind" der US-Außenpolitik wurde mit nur 24 Jahren von Condoleezza Rice ins Weiße Haus geholt. 2009 galt er als der technologische Strippenzieher der Iranischen Revolution – auf sein Ansuchen hin verzögerte Twitter eigentlich geplante Wartungsarbeiten und ermöglichte so die nahtlose Kommunikation der Revolutionäre über das Internet. Information ist Macht, sagt Cohen. "Kriminelle Netzwerke arbeiten im Dunkeln. Wir haben die Technologie, sie ans Licht der Weltöffentlichkeit zu führen", schrieb Google in einem Blog-Post.
    Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, so glauben die Internet-Pioniere des Suchmaschinen-Riesen, können nicht mehr von Regierungen alleine gemeistert werden. Es brauche Konzerne in der Politik.

    In einem ersten Schritt legte Google in einer eindrucksvoll visualisierten Grafik mithilfe von Millionen Datensätzen des Osloer "Peace Research Institute" den globalen Waffenhandel der letzten Jahre offen. Wohin exportiert etwa Österreich Waffen – alles einsehbar. Interpol will nachziehen und eine App veröffentlichen, über die sich geschmuggelte Waren leichter identifizieren lassen sollen. Nach und nach sollen die technologischen Hilfsmittel veröffentlicht werden, die die Bürger der Welt brauchen, um ihren Planeten zu befrieden. Soweit die Theorie. Doch Kritiker orten massive Probleme – Google könne selbst zur Gefahr für den Frieden werden.

    Wenn Google gegen "Mafia-Staaten" vorgehen will, wie man selbst sagt, birgt das diplomatische Risiken – und Gefahren für die Bevölkerung dieser Staaten. Schon im Iran ließ sich erahnen, wozu Regierungen – ob gewählt oder nicht – fähig sind, wenn ihnen moderne Kommunikation in die Quere kommt. Interne Mails des US-Informationsdienstes "Stratfor", die Anfang des Jahres über die Enthüllungsplattform Wikileaks an Licht kamen, sprechen eine deutliche Sprache. Vizepräsident Fred Burton wirft darin Cohen und Google vor, Regimewechsel im Nahen Osten anzustreben. Darf ein Konzern das? Und wenn ja, in welchem Interesse? Dem der USA? Seinem eigenen?

    Mensch und Maschine

    "Der Kerl ist gefährlich", warnte Burton weiter und dramatisierte: "Google macht Dinge, die nicht einmal die CIA kann". Die Grenze zwischen Politik und privaten Interessen war schon immer fließend, doch Google fügt eine neue Komponente hinzu: Die technologische Verantwortung im Informations-Zeitalter. "Es genügt nicht länger, den Menschen in den finsteren Teilen der Welt einfach nur eine Stimme zu geben", sagte Cohen im Interview mit dem britischen "Guardian". Nun sei es an der Zeit, dass Menschen und Computer gemeinsam an Lösungen arbeiten. In Nordkorea etwa, sagten Teilnehmer des Google-Gipfels, könnte der gezielte Einsatz von Technologie einen Umsturz bedeuten. Das soziale Engagement einer nicht ganz gewöhnlichen Firma kann künftig also Regime zu Fall bringen, geht es nach den Vordenkern der digitalen Weltpolitik.

    Experten sind sich zumindest in einem Punkt einig: "Die traditionelle Souveränität des Staates wird durchbrochen", sagte etwa die ehemalige US-Außenpolitikern und heutige Princeton-Professorin Anne-Marie Slaughter dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Ohne privates Geld und Intelligenz werde es künftig jedoch nicht mehr gehen, ist sie überzeugt. Cohen und Google seien auf dem richtigen Weg, der aber durch das sensible Gebiet der nationalen Sicherheiten führt. Dann fügte sie an, was unvermeidbar scheint: "Es wird Spannungen geben".

    SEBASTIAN KRAUSE

    Umsetzung

    Google versteht sich als "Lieferant der Technologien": Durch Informationen will der Konzern Regime-Kritiker, NGOs und Polizei im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und Terrorismus unterstützen.

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    Foto © workshop.chromeexperiments.com/projects/armsglobe/

    Bild vergrößernDie Waffenhandel Österreichs - von Google dargestellt als internaktive Grafik (Screenshot)Foto © workshop.chromeexperiments.com/projects/armsglobe/

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    Google-CEO Eric Schmidt: "Eine Welt ohne Angst"Foto © AP

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