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Zuletzt aktualisiert: 06.08.2012 um 17:00 UhrKommentare

Der Mensch in der Rechnerwolke

Der querköpfige Apple-Co-Gründer Wozniak lässt die Digital Natives in ihrer allumfassenden "Cloud" aufschrecken: "Ich habe wirklich Bedenken, dass alles in die Wolke verlagert wird. Ich denke, das wird schrecklich". Begibt sich der Mensch tatsächlich in eine digitale "Giftwolke" und findet es gut? Von Thomas Golser.

Foto © Alpha Spirit - Fotolia.com

Die digitalen Eingeborenen könnten nun möglicherweise wirklich irrtiert sein: Steve Wozniak, streitbarer und gewichtiger Co-Gründer des US-Elektronikriesen Apple, hat selbst massive Probleme mit der "Rechnerwolke", die sich breit macht. "Furchtbare Probleme" beim Auslagern von Daten ins Internet, seien zu erwarten: "Ich habe wirklich Bedenken, dass alles in die Cloud verlagert wird. Ich denke, das wird schrecklich. Ich denke, wir werden in den kommenden fünf Jahren furchtbare Probleme damit haben".

"Wir geben es weg"

Woher rührt nun die Skepsis, die gerade aus dem Mund von Wozniak besonderes Gewicht bekommt? "Je mehr wir in das Web übertragen, in die Wolke, desto weniger Kontrolle haben wir darüber - wir geben es weg", meint der IT-Veteran. Wie immer muss sich der User den Endnutzervereinbarungen unterordnen - und hier wird Wozniak angst und bange. Dass die "Festplatte für immer und überall" wenigstens im Augenblick noch ein juristisches Tohuwabohu ist und zur Rechtsfalle werden kann, bestätigten ihm zahlreiche Datenschützer: Die Wolkendecke mag zwar technischen geschlossen sein, die juristische Einschätzungen fallen allerdings alles andere als einheitlich aus.

Wozniak macht damit auf eine hochkomplexe Materie aufmerksam - nach seinem Dafürhalten gehen die möglichen Nachteile angesichts des praktischen Nutzens unter. Mit Kritik hielt der Apple-Co-Gründer ohnehin noch nie lange hinter dem Berg: "Siri war vor dem Kauf durch Apple besser", ließ er erst vor wenigen Monaten jener Firma ausrichten lassen, die auch er selbst seinerzeit aus der Taufe gehoben hatte. Im Gegenzug zur Kritik an der Sprachassistentin lobte er dann die Android-Sprachsteuerung. Zum Thema Cloud und Sicherheit versuchte die angesagte Marke zu beruhigen und hielt fest: "Wir sichern Ihre Inhalte, indem sie verschlüsselt über das Internet gesendet, in verschlüsseltem Format gesichert und sichere Token zur Authentifizierung verwendet werden".

Die "private" Wolke

In welchem Ausmaß sich die klar ausgesprochenen Befürchtungen von Wozniak trotzdem bewahrheiten könnten und werden, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt kaum abschätzen. Tatsache ist: Die Bereitstellung von IT-Diensten aller Art über das Internet bzw. automatischer Datentransfer boomt. Die weltweit angelegte Wolkenformation scheint sich so oder so nicht mehr zu verziehen - ganz im Gegenteil: Mit fantasievollen Namen wollen die Anbieter den Konsumenten auf ihre eigene Wolke Sieben mitnehmen. Bedarf und Nachfrage scheint in allen Bereichen vorhanden: "Public Clouds" bieten Leistungen für alle an, "Private Clouds" zielen auf den eigenen, unternehmensinternen Nutzerbedarf ab - daneben gibt es auch verschiedene Mischformen ("Hybrid Clouds").

Während Apple wenig verwunderlich auf seine "iCloud" setzt, will Microsoft mit "SkyDrive" durchstarten - daneben haben natürlich auch Google ("Google Drive") und IBM ("SmartCloud") längst das entsprechende Angebot parat. Unzählige andere folgten - wer mehr als fünf Gigabyte will (und das wollen sehr viele), wird zur Kasse gebeten. Erst vor kurzem kündigte auch das weltgrößte Online-Warenhaus Amazon an, sein eigenes digitales Musik-Angebot zu präsentieren, mit dem man Musik-Dateien auf Computern finden, neue Versionen erschaffen und in einer Cloud speichern könne. Bis zu 250.000 Titel lagern dann - weltweit jederzeit abrufbar - in der unendlichen Wolke.

THOMAS GOLSER

"Cloud Computing"

Beim "Cloud Computing", dem Rechnen in der Wolke, sind Dateien und Programme nicht mehr auf einem lokalen Computer installiert. Sie werden stattdessen ins Internet ausgelagert und laufen auf riesigen Servern. In der Regel bieten die Online-Speicher fünf Gigabyte freien Speicher, wer mehr Platz benötigt, zahlt dafür: Es gibt viele Anbieter, die "Clouds" mit mehr Kapazität gegen Gebühr zur Verfügung stellen.

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