Der Krieg um die Patente
In zehn Ländern und 50 Gerichtsverfahren streiten Samsung und Apple um Patente. Jetzt kommt es zum vorläufigen Höhepunkt des Milliarden-Spektakels.

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Ziehe ich meinen Finger vom oberen Ende des Bildschirms zum unteren Ende, flutscht der digitale Artikel blitzschnell nach unten und federt leicht zurück. So funktioniert's bei Apple-Produkten wie iPhone oder iPad.
Ziehe ich meinen Finger vom oberen Ende des Bildschirms zum unteren Ende, flutscht der digitale Artikel blitzschnell nach unten und beginnt am Ende blau zu glühen. So funktioniert's bei den neuesten Samsung-Produkten - weil man mit der Anwendung des "Zurückfeder-Effekts", den auch Samsung früher verwendete, Patente von Apple verletzen würde.
Mehr als 50 Verfahren in zehn Ländern listet der deutsche Patentrechtsexperte Florian Müller in seinem Weblog (fosspatents.com) auf - in jedem dieser Prozesse kämpft Apple gegen Samsung, in jedem dieser Prozesse werden andere Patente verhandelt und in jedem dieser Prozesse fließen Millionen von Euros und Dollars in die Taschen gut alimentierter Rechtsanwälte. Apple wirft Samsung seit April 2011 gerichtlich vor, dass die Koreaner Design und Innovationen für ihre Smartphones und Tablets abgekupfert hätten. Samsung antwortete mit Gegenklagen und dem Vorwurf, Apple würde selbst Patente verletzten - etwa beim UMTS-Datenfunk.
Diese Woche startet im kalifornischen San Jose, nur 15 Kilometer von Apples Hauptquartier in Cupertino entfernt, aber ein Prozess, den es in dieser Dimension noch nie gab. Apple fordert in dem Verfahren mehr als 2,5 Milliarden Dollar (2 Milliarden Euro) Schadenersatz, weil Samsung-Produkte eine "sklavische Kopie" von iPhone und iPad seien. Damit der Prozess nicht ausufert, wurde die Redezeit beider Parteien auf 25 Stunden beschränkt und nur je 125 Beweisstücke wurden zugelassen.
Apple ist der Favorit
Auch wenn die Aussichten auf ein alles entscheidendes Gerichtsurteil eher klein sind, wird der Prozess als wichtiger Wegweiser gewertet. Bisher neigten beide Parteien dazu, einstweilige Verfügungen anzustreben (etwa gegen das Galaxy Tablet 10.1) und dem Konkurrenten so kurzfristig den Imageschaden zuzufügen und den Absatz zu vermiesen - jetzt hat Apple die Gangart verschärft. Und das wertvollste Unternehmen der Welt (Börsenwert 550 Milliarden Dollar) gilt weiterhin als Favorit in dieser Auseinandersetzung.
Wie auch in einem anderen Fall. Am Montag gab die Universität Cheng Kung (Taiwan) bekannt, Apple zu klagen. Der iPhone-Sprachassistent "Siri" soll zwei von der Uni gehaltene Patente verletzen.
Apple vs. Samsung: Rivalität in Zahlen
26 Millionen iPhones hat Apple im zweiten Quartal dieses Jahres verkauft. Zu Spitzenzeiten konnte Apple bis zu 37 Millionen iPhones je Quartal absetzen. Für Herbst wird das neue iPhone 5 erwartet.
11,8 Millionen iPads hat Apple in den ersten drei Monaten dieses Jahres verkauft. Damit dominiert der Konzern den Markt für Tablet-Computer ganz klar. Der Marktanteil von Apple liegt laut ABI Research bei 65 Prozent.
7,3 Milliarden Euro Gewinn vermeldete Apple für das zweite Quartal. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von 20 Prozent. Analysten und Anleger hatten indes einen höheren Gewinn erwartet.
52 Millionen Smartphones hat Samsung im zweiten Quartal dieses Jahres laut Berechnungen von Juniper Research verkauft. Sehr stark nachgefragt werden demnach Smartphones der Modellreihe Galaxy.
3,7 Milliarden Euro Gewinn - und damit so viel wie noch nie in der Unternehmensgeschichte - konnte Samsung von April bis Juni verbuchen. Das ist ein Anstieg von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
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Smartphone-Duell: Samsung Galaxy S gegen Apples iPhone Foto © APA
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Tablet-Duell: Samsungs Galaxy Tablet gegen Apples iPadFoto © Reuters













