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Zuletzt aktualisiert: 30.07.2012 um 12:10 UhrKommentare

Student vs. Facebook: Behörde bricht Kontakt ab

Knalleffekt im Verfahren zwischen einer Gruppe Wiener Studenten und Facebook: Jene irische Datenschutzbehörde, die seit fast einem Jahr mit dem Fall betraut ist, hat per SMS mitgeteilt, ab sofort nicht mehr mit Wiener Studenten zu sprechen.

Foto ©

Einen Knalleffekt von der unerfreulichen Sorte gab es im Verfahren zwischen einer Gruppe Wiener Studenten und Facebook: Wie Initiator Max Schrems am Montag in einer Pressekonferenz in Wien berichtete, habe die irische Datenschutzbehörde, die seit fast einem Jahr mit dem Fall betraut ist, per SMS mitgeteilt, ab sofort nicht mehr mit ihm zu sprechen. Schrems, fassungslos: "Ein konstruktives und faires Verfahren ist so unmöglich".

1.200 DIN-A4-Seiten

Zur Vorgeschichte: Schrems hatte bei Facebook den Ausdruck aller über ihn jemals gespeicherten Daten angefordert, worauf er als Nutzer ein Recht hat. Nach Versuchen, ihn abzuwimmeln, händigte ihm das Unternehmen schließlich 1.200 DIN-A4-Seiten aus - darunter auch viele von ihm gelöscht geglaubte Einträge oder Nachrichten. Daraufhin erstattete Schrems bei der zuständigen irischen Datenschutzbehörde Anzeige gegen Facebook wegen Verstößen gegen den Datenschutz.

Doch allmählich macht sich bei ihm und seinen Mitstreitern Resignation breit. Die Grundproblematik: Auf der einen Seite eines der mächtigsten Unternehmen auf diesem Planeten, auf der anderen Seite ein Häufchen Studenten - und in der Mitte eine Behörde, die nicht nur personell unterbesetzt und mit der Materie offenkundig überfordert ist, sondern noch dazu schlecht ausformulierte Gesetze einhalten muss bzw. sollte. So ist etwa Akteneinsicht in Irland nicht geregelt - und wurde Schrems auch prompt verweigert: "Es wird Monat für Monat absurder. Wir sind praktisch aus unserem eigenen Verfahren ausgeschlossen worden".

Finanzielle Belastung

Schrems & Co. droht die Luft auszugehen, vor allem finanziell. Denn um eine Entscheidung der irischen Datenschutzkommission vor Gericht zu bekämpfen, sind mindestens 100.000 Euro notwendig: Ein Spendenkonto wurde bereits eingerichtet, kommende Woche geht es erneut auf die grüne Insel, wo abermals Gespräche mit Anwälten geführt werden sollen. Bis dato sei jedoch keiner der IT-Advokaten bereit gewesen, die Österreicher zu vertreten. Die per SMS übermittelte "Gesprächsverweigerung" bedeutet für die Wiener Studenten einen herben Rückschlag. Schrems: "Das ist natürlich ein Skandal, weil in diesem Verfahren der Datenschutz für Millionen Facebook entschieden wird. Dieses Verhalten untergräbt jede Glaubwürdigkeit der irischen Behörde und des ganzen Verfahrens gegen Facebook. Im Prinzip ist das ein extremer Fall von Behördenwillkür". Dass er sich mit dieser Art von öffentlicher Kritik in Irland keine Freunde macht, ist Schrems klar.

"Natürlich können wir jetzt ein unbefangenes und faires Urteil in der ersten Instanz vergessen, aber wir haben ein halbes Jahr lang geschwiegen, wir mussten nun einfach an die Öffentlichkeit gehen".


Fakten

Mot seiner Initiative unter dem Titel "Europa gegen Facebook" will Schrems das soziale Netzwerk zu und verantwortungsvollerem Umgang mit den Daten seiner Nutzer und Transparenz bewegen.

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