Des Auges (teurer) Apfel
Und der Apfel wurde wieder neu erfunden: Das mit Spannung erwartete iPhone 5 ist das erste Apple-Smartphone, das unter der Regie von Konzernchef Tim Cook entwickelt wurde. Patzer sollten nicht passieren - die Fans haben eine beinahe religiöse Erwartungshaltung. Ein Kommentar von Thomas Golser.

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Bei seiner Markteinführung 2007 (in Österreich musste man sein freudloses Dasein so ganz "ohne" noch bis 2008 fristen) kürte das Nachrichtenmagazin "Time" das iPhone zur "Erfindung des Jahres". Seitdem wurden etwa 250 Millionen Stück davon verkauft - und nun ist der Nachfolger des Nachfolgers des Nachfolgers des Ur-Modells da. Mit seinen viereinhalb Jahren auf dem Buckel ist das erste Modell selbstverständlich schon mobilfunktechnische Jungsteinzeit: Wagt das tatsächlich noch einer der Apple-Anhänger in der Öffentlichkeit zu verwenden? Zum Telefonieren gar? Einerlei - denn heute richtet sich der Blick all jener, denen es nach neuen Produkten aus der mit dem Kernobst-Logo gezierten Premiumklasse dürstet, andächtig und ehrerbietig auf das neue iPhone 5.
Das brandneue Flagschiff
Die "i"-Klasse hat also ein brandneues Flaggschiff, das mit Sicherheit erreichender Wahrscheinlichkeit nicht untergehen wird: Dass ein Hersteller von Unterhaltungselektronik mit dem energischen "i" vor den Produktnamen seinen Geräten immer auch so etwas wie eine eigene Persönlichkeit bescheinigt, ist fixer Bestandteil der stilbildenden Marketing-Maschinerie. "Ich gehöre Dir - und Du gehörst jetzt in die Apple-Welt". Apropos gehören: Der Wert von Apple passierte schon längst die 600-Milliarden-Dollar-Marke - während der Börsenwert von Facebook weiterhin munter auf den Grund zusteuert. Mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes geht auf das Konto des iPhone. Das ist "ifein", dürfte sich auch Apple-Chef Tim Cook denken: Aktuellen Berichten zufolge lässt er in China Geräteteile produzieren. Von abgestellten Studenten und für weniger als 200 Euro Monatslohn.
All jene, die dann ein iPhone 5 um 600 bis 700 Euro kaufen, dürfte das schlechte Gewissen trotzdem nicht unmittelbar quälen und bis in den Schlaf verfolgen. Das verträgt sich auch so gar nicht mit dem Image: Es geht abseits der technischen Vorzüge auch um das Verabreichen von Lebensgefühl, um den Anstrich von Exklusivität, will man heute in diesem Bereich Kultstatus erzeugen. Nicht mehr und im Fall von Apple auch bestimmt nicht weniger. Es geht darum, niemanden abkupfern zu lassen vom Design (irgendwo zwischen sehr edel und ziemlich nackt). Es geht darum, den Kunden die Freude zu lassen, sich im auserwählten Kreis zu fühlen (ein Trugschluss - dabei ist schließlich jeder, der zahlt). Und es geht um eine Aura von "Coolness", die Apple-Produkte verströmen (irgendwo zwischen berechtigt und eingebildet). Viele haben mit dem Kauf von neuen Smartphones bewusst gewartet, bis das neue Flagschiff aus Silicon Valley vorgestellt wird. Gewissensbisse und Sinnkrisen könnten andernfalls vorprogrammiert sein.
"Sinnstiftende" Telefone
Apropos Sinn: Für viele junge Menschen sind Smartphones sogar schon sinnstiftend, wie eine aktuelle "Jugend-Trend-Monitor-Studie" ergab. Politik und Religion interessieren nicht ansaztweise so sehr wie Betriebssystem, Bildschirmgröße und Applikationen. Umso weniger erlaubt sind also Patzer. Das neue iPhone 5 ist immerhin das erste Apple-Smartphone, das unter dem Nachfolger von Steve Jobs entwickelt wurde.
Die fast religiösen Erwartungen der Fans dürfen nicht enttäuschen werden: Die US-Bank JP Morgan rechnet schon jetzt mit derart phänomenalen iPhone-5-Verkäufen, dass diese das gesamt US-Wirtschaftswachstum ankurbeln könnten. Von wegen Fallobst.
Features
Zum Thema
Österreich-Verkaufsstart
iPhone: März 2008
iPhone 3G: Juli 2008
iPhone 3GS: Juni 2009
iPhone 4: Juli 2010
iPhone 4S: Oktober 2011
iPhone 5: September 2012










