Facebook schielt auf Kinder unter 13
Facebook will sich Kindern unter 13 Jahren öffnen. Jugendschützer warnen: Ohne Aufsicht könnte die Plattform für Kinder gefährlich werden.

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Schon gewusst? Wer Mitglied bei Facebook werden will, muss mindestens 13 Jahre alt sein. Diese im US-Recht verankerte Altersgrenze betrifft derzeit gut 900 Millionen Nutzer des sozialen Netzwerks. Allerdings: Sehr betroffen dürften sie sich nicht fühlen. Allein in den USA tummeln sich auf der Plattform 7,5 Millionen Kinder, die beim Alter geschwindelt haben. Für Österreich zeigte eine Studie des Jugendforschungsinstituts 2011: Auch bei uns ist ein Drittel der 11- bis 14-Jährigen bei Facebook.
Nun will das Unternehmen die Altersgrenze offiziell senken: Laut "Wall Street Journal" testet Facebook die Möglichkeit, die Konten von Kindern mit denen ihrer Eltern zu verknüpfen - diese entscheiden dann, mit wem sich der Nachwuchs anfreundet und welche Apps er nutzen darf. Offizieller Grund: Wenn ohnehin so viele Kinder auf Facebook unterwegs sind, sorgt die neue Anwendung wenigstens für mehr Sicherheit durch elterliche Kontrolle. Bernhard Jungwirth von der Infostelle saferinternet.at sieht dahinter "klare wirtschaftliche Interessen, es geht um die Steigerung der Nutzerzahlen und um Zuwächse im Gaming-Bereich." Ähnliches vermutet das "Wall Street Journal": Facebook wolle so bei Eltern für die Apps und Spiele der lieben Kleinen kassieren. Weit hergeholt scheint das nicht: Jüngst hat Facebook vor verlangsamten Umsatzsteigerungen gewarnt, weil viele User die werbefreien Tablet- & Smartphone-Apps bevorzugen - angeblich ist das sogar mit schuld an der miesen Performance der Facebook-Aktie.
Medienerziehung
Eine spielfreudige neue Zielgruppe ist da willkommen, auch wenn Facebook mit kreideweicher Stimme verkündet, man sei "in einem laufenden Dialog mit Beteiligten, Regulierern und anderen politischen Entscheidungsträgern darüber, wie wir Eltern am besten dabei unterstützen können, ihre Kinder in einer sich wandelnden Online-Umgebung zu schützen."
Gerade die Sicherheitsfrage beunruhigt Eltern und Experten. "Kinder können Gefahren in Sachen Datenschutz kognitiv nicht nachvollziehen und sind deutlich eher bereit, Dinge von sich hochzuladen, die bis zum Ende des Internets gespeichert bleiben", stellt Jugendforscher Philipp Ikrath fest. Der Wiener Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmidt warnt vor pädosexuellen Übergriffen und Cybermobbing: "Präventiv hilft da nur konsequente Medienerziehung." Auch Ikrath hält nichts von Generalverboten. Man müsse Kindern "trotz allem zutrauen, verantwortungsvolle und autonome Entscheidungen im Umgang mit dem Web zu treffen - in ihrer Selbstwahrnehmung werden sie ja schon mit 11, 12 Jahren zu Jugendlichen. Die wollen nicht als Kinder behandelt werden." Zumal auch ihre Medienkompetenz häufig die der Eltern übersteigt; und "Sperren oder Filter lassen sich am Handy, in der Schule, bei Freunden leicht umgehen", weiß Web-Aufklärer Jungwirth.
Statt Kindern soziale Netzwerke zu verbieten, rät er zur gemeinsamen Bewusstseinsbildung über deren Vorzüge und Gefahren: "Sich von den Kindern erklären zu lassen, wieso ihnen Facebook so wichtig ist, schafft eine Vertrauensbasis, auf der man auch über Datenschutz und Privatsphäre reden kann", sagt er. Das wäre übrigens auch ein Thema für Facebook selbst. "Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre oder die Meldefunktion bei Belästigungen sind nach unseren Tests noch stark verbesserungsfähig", sagt Jungwirth. Wollte Facebook Verantwortung im Umgang zeigen: Hier täte sich ein weites Betätigungsfeld auf.










