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Zuletzt aktualisiert: 22.05.2012 um 19:22 UhrKommentare

Mildes Strafmaß für Mobbing eines schwulen Studenten

Ein Student filmte heimlich seinen homosexuellen Mitbewohner und stellte das Video ins Internet. Das Opfer nahm sich das Leben, der Täter erhielt jetzt sein Strafmaß: nur 30 Tage Haft.

30 Tage Haft dafür, dass er einen Kommilitonen mit Cyber-Mobbing in den Tod trieb

Foto © Reuters30 Tage Haft dafür, dass er einen Kommilitonen mit Cyber-Mobbing in den Tod trieb

Dharun Ravi filmte seinen Zimmergenossen Tyler Clementi mit einem Liebhaber und stellte ihn öffentlich bloß. Das Opfer nahm sich daraufhin das Leben. Der Teenager stürzte sich von der George-Washington-Brücke zwischen New Jersey und New York in den Tod.

Der Selbstmord des homosexuellen Studenten löste weltweit Erschütterung aus, da der junge Mann aus Scham über sein ungewolltes Outing im Internet nicht mehr weiterleben wollte.

Diesen Montag ist der Täter dafür in den USA verurteilt worden - und bekam lediglich 30 Tage Haft.

Der mittlerweile 20-jährige Angeklagte habe ein Verbrechen aufgrund von Vorurteilen begangen, zitierte der TV-Sender MSNBC den Richter. Das Gericht im Bundesstaat New Jersey hatte den Mann bereits im März verurteilt. Nun verhängte es das Strafmaß.

"Ich habe von Ihnen keine einzige Entschuldigung gehört", sagte Richter Glenn Berman nach Informationen des TV-Senders zu Dharun Ravi. Seine Tat zeuge von einer "kolossalen Insensibilität". Nach seiner Haftstrafe muss der Verurteilte Gemeindearbeit mit Menschen leisten, die Opfer von diskriminierenden Verbrechen sind. Das Gericht verurteilte ihn außerdem zu einer Entschädigungssumme von rund 11.000 Dollar sowie drei Jahren auf Bewährung.

Cyber-Mobbing

Der in Indien geborene und in den USA aufgewachsene Ravi hatte sich mit seinem Opfer ein Zimmer an der Rutgers Universität in New Jersey geteilt.

Als sein Kommilitone im September 2010 Besuch von einem anderen Mann empfing, schaltete der Angeklagte seine Webcam an, bevor er den Raum verließ. Er filmte seinen Mitbewohner dabei, wie er seinen Besucher küsste. Anschließend ermunterte er über soziale Medien andere Studenten, sich den Film auf seinem Computer anzusehen. Das Opfer konnte die Cyber-Mobbing-Attacke nicht ertragen. "Ich springe jetzt, sorry" postete der Jugendliche noch auf seinem Facebook-Profil.

Mit dem Strafmaß blieben die Richter weit unter der Erwartung. Der Angeklagte musste mit einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren oder seiner Ausweisung nach Indien rechnen.

Der Vorfall hatte in den USA viel Aufsehen erregt. Im Bundesstaat New Jersey wurde vergangenes Jahr ein Anti-Mobbing-Gesetz verabschiedet. Danach können Opfer von Diffamierungen per Handy oder im Internet ihre Peiniger direkt in der Schule oder bei der Polizei anzeigen.


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