Holpriges Börsendebüt von Facebook
Eine regelrechte Flut von Kauf- und Verkaufsaufträgen führte zum Börsenstart des Internet-Unternehmens zu technischen Problemen und einen verspäteten Handelsstart mit der Facebook-Aktie.

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Begleitet von einer technischen Panne hat das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook nur ein verhaltenes Börsendebüt an der Nasdaq hingelegt. Die Aktien des Online-Treffpunkts notierten am Freitagnachmittag mit rund 40 Dollar (31,4 Euro) gut sechs Prozent im Plus. Nach dem Start waren sie noch bis auf 45 Dollar gestiegen, zwischenzeitlich bröckelte der Kurs sogar auf den Ausgabepreis von 38 Dollar ab. Viele Experten hatten im Vorfeld ein weitaus deutlicheres Kursplus bei dem weltgrößten Börsengang eines Technologie-Unternehmens vorhergesagt, es hatte aber auch mahnende Stimmen gegeben.
Eine regelrechte Flut von Kauf- und Verkaufsaufträgen führte zum Auftakt zu technischen Problemen und einen verspäteten Handelsstart mit der Facebook-Aktie. Die Nasdaq prüft die Verzögerung, die bei einigen Börsianern Ängste auslöste. Den Gang an die Börse hatte Firmengründer und -Chef Mark Zuckerberg zuvor in der Zentrale im kalifornischen Silicon Valley unter dem Applaus seiner Mitarbeiter mit der traditionellen Startglocke eingeläutet.
Börsendebüt belastete Wall Street
"Wir sehen da draußen einige unglückliche Leute. Sie hatten darauf gehofft, dass Facebook sich deutlich besser schlägt. Ich wette, da sind viele enttäuscht", sagte Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial. Das holprige Börsendebüt belastete die Wall Street. Alle Indizes notierten im Minus. "Wir stehen nach diesem wenig erstaunlichen Handelsstart etwas unter Druck. Der Börsengang konnte nicht wie von einigen Händlern erhofft den Gesamtmarkt beflügeln", sagte Frank Davis von LEK Securities in New York. Andere Unternehmen aus dem Bereich soziale Medien standen ebenfalls auf den Verkaufslisten der Börsianer. Die Anteilsscheine des Karrierenetzwerks LinkedIn verbilligten sich um 2,6 Prozent, die Dividendenpapiere des Schnäppchenportals Groupon um 5,6 Prozent. Die Aktien des Internetspiele-Anbieters Zynga brachen sogar neun Prozent ein.
Wegen der hohen Nachfrage hatte Facebook nur zwei Tage vor dem Handelsstart 25 Prozent mehr Aktien für den IPO bereitgestellt als ursprünglich geplant. Auch die Preisspanne war von 34 bis 38 Dollar von zuvor 28 bis 35 Dollar je Papier angehoben worden. Mit einer Marktkapitalisierung von 104 Milliarden Dollar war Facebook mit dem Glockenschlag so viel Wert wie die deutschen Traditionskonzerne Daimler, BMW und Lufthansa zusammen. Der Weg zu den ganz großen Namen der Technologiebranche ist aber noch weit. Apple etwa, das zu den teuersten Unternehmen der Welt zählt, ist an der Börse derzeit etwa 500 Milliarden Dollar wert.
Wie groß das Kursplus am Ende des ersten Tages ausfallen musste, um als Erfolg zu gelten, darüber waren die Meinungen der Analysten und Experten weit auseinandergegangen. "Ein Sprung von 15 bis 20 Prozent ist im Bereich des Möglichen", sagte Finanzprofessor Tim Loughran. Andere hielten Kursaufschläge von mindestens 30 Prozent für erreichbar. Einer Morningstar-Umfrage zufolge sahen Analysten den Schlusskurs am ersten Handelstag bei 50 Dollar.
Historischer Börsengang
Doch eins war schon vor dem Debüt der Aktie klar: Der Facebook-Börsengang ist der mit Abstand größte IPO eines Technologieunternehmens aller Zeiten. Insgesamt 18,4 Milliarden Dollar werden erlöst, wenn auch eine Mehrzuteilungsoption vollständig ausgeübt wird. Zum Vergleich: Der US-Internetgigant Google sammelte beim Börsendebüt 2004 nur knapp zwei Milliarden Dollar ein. Der Ausgabepreis der Google-Aktien lag bei 85 Dollar, am ersten Tag kletterte das Papier auf 100 Dollar. Heute liegt der Kurs bei rund 626 Dollar.
Von den Einnahmen des Börsengangs fließen dem acht Jahre alten Unternehmen selbst nur etwas mehr als die Hälfte zu. Der Rest geht an Geldgeber, die das Potenzial des Online-Treffpunkts früh erkannt haben. Der 28 Jahre alte Gründer Zuckerberg bleibt auch nach dem IPO Mehrheitseigner.
900 Millionen User
Mehr als 900 Millionen Menschen weltweit haben ein Facebook-Konto, organisieren ihre Kontakte über das soziale Netzwerk, posten Fotos und teilen Musik mit Freunden. Kritiker bemängeln, dass noch immer nicht klar ist, wie das kalifornische Unternehmen seine Popularität bei den Nutzern in Umsatz- und Gewinnwachstum ummünzen will. Im ersten Quartal diesen Jahres sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 205 Millionen Dollar. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar zurück.
Anzeigen sind die wichtigste Einnahmequelle für Facebook. Problematisch für die Silicon-Valley-Firma ist, dass immer mehr Anhänger über mobile Zugänge wie Smartphones und Tablets das Netzwerk besuchen. In diesen Fällen kann Facebook weniger für Anzeigen verlangen, zudem schalten bisher weniger Konzerne auf mobilen Geräten Werbung.











