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    Zuletzt aktualisiert: 07.05.2012 um 21:05 UhrKommentare

    Gefangen im sozialen Netzwerk

    Gedanken-Tauschbörse, Bühne für Selbstdarsteller und alles fast gratis - das ist Facebook. Immer wieder geraten jedoch Politiker in die Bredouille, die über Facebook ihr Image glänzen lassen wollen.

    Facebook zwischen Chance und Risiko

    Foto © FotoliaFacebook zwischen Chance und Risiko

    Gedanken-Tauschbörse, Bühne für Selbstdarsteller und alles fast gratis - das ist Facebook. Politiker ordnen ihren Auftritt den Zielen unter, die sie verfolgen. Sie wollen "gut" und wählbar erscheinen - zulasten der Lebendigkeit. Wie die Pest hassen sie Fehler, die sie blitzschnell beseitigen, wenn sie sie entdecken. Erstaunlich, dass es dennoch zu vielen Flops kommt.

    Die Grünen EU-Abgeordnete Eva Lichtenberger stellte eine Scherz-Landkarte auf ihre Facebook-Seite, in der statt Kärnten "NAZIS" steht. Landesrat Harald Dobernig gratuliert jemandem via Facebook zum Geburtstag, der zuvor tödlich verunglückt war. Der St. Veiter FPK-Gemeinderat Arno Kampl sagt über angebliche Schläger aus Ex-Jugoslawien: "Mit diesem Gesindel gehört gnadenlos aufgeräumt." Die steirische FP-Nationalratsabgeordnete Susanne Winter sieht keinen Grund, Facebook-Freunde wie das Hess- und Hitler-affine "Nationale Versandhaus" "auf politische Einstellung zu prüfen". Die Klagenfurter FPK-Gemeinderätin Sandra Wassermann, die immer einspringt, wenn ihr Chef Christian Scheider in Erklärungsnot gerät und den Fekter-Fauxpas Scheider-Mitarbeitern anlastet, muss sich auf ihrer eigenen Facebook-Seite von "Freunden" ausspotten lassen: "ja, ja! gutes personal ist Teuer und bei der Finanzsituation . . ." Und SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann fand vor allem nennenswerten Zuspruch, weil Mitarbeiter und Sympathisanten serienweise Faymann-Fans gespielt haben.

    "Ausrutschen"

    "Es werden noch viele Politiker auf Facebook ausrutschen", prophezeit Social-Media-Experte Ed Wohlfahrt. "Nicht alle Facebook-Freunde sind wirkliche Freunde und wir dürfen davon ausgehen, dass Politiker intensiv auch daraufhin beobachtet werden, ob sie Fehler machen." Nicht wenige vermeintliche Fans und Followers "warten nur auf irgendeinen Blödsinn von Politikern, den sie verbreiten können".

    Für Krisenmanager Wohlfahrt gibt es nur einen Weg, der Facebook-Fehler-Falle zu entkommen: "Der Politiker muss dazu stehen und sagen, er habe etwas Dummes gemacht; es tue ihm leid, wenn er jemanden verletzt habe und es sei Vorsorge getroffen worden, dass so etwas nicht mehr vorkomme." Leugnen oder gar lügen sei das Falscheste, und sollte man andere als Sündenböcke vorschieben, müsse man damit rechnen, "dass über so einen Fall sogar Leute aus dem eigenen Team brechen könnten".

    Häufiger Krisenauslöser ist der Irrglaube, man bewege sich in einer solidarischen Community. Das trifft auch normale User, deren intim-vertrauliche Meldungen plötzlich öffentlich sind.

    Dass man auch ohne Facebook im medialen Fettnäpfchen landen kann, belegt FPÖ-Bundespressesprecher Karl Heinz Grünsteidl mit der legendären Aussendung vom 27. 1. 2007 um 1:04 Uhr. Nach schrägen Philosophie-Betrachtungen und verblüffender Nabelschau schrieb er allen Redaktionen: "Falls irgendeine faszinierende reiche Frau sich für mich interessiert, bitte hurtig melden!"

    Das war wohl nichts! Er ist immer noch Pressesprecher . . .

    JOCHEN BENDELE

    Online-Fallen

    Glückwunsch für Toten: Landesrat Harald Dobernig bzw. sein Team gratulierte auf Facebook einem toten Unfallopfer zum Geburtstag.

    Gnadenlos zu "Gesindel": Auf ein unbelegtes Posting, von einer "Horde Jugos" geschlagen worden zu sein, reagierte Gemeinderat Arno Kampl (FPK) extrem.

    NAZI-Land Kärnten: Die Grünen EU-Abgeordnete Eva Lichtenberger hielt den Namen NAZI für Kärnten auf einer Spaßkarte auf ihrer Facebook-Seite für angemessen.

    "National" - na und?: Ein Facebook-Freund von FPÖ-Abgeordneter Susanne Winter warb mit Hess-Zitat für Hitlers "Mein Kampf". Sie sah keinen Grund zu prüfen.

    Erfundene Freunde: Wie gern hätten SP-Kanzler Werner Faymann und sein Team viele Facebook-Freunde gehabt. War aber nicht so, also sprangen Mitarbeiter ein.

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