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Zuletzt aktualisiert: 25.03.2012 um 18:18 UhrKommentare

Apples Augenweide

Das neue iPad ist schneller, hat eine gute Kamera und mehr Speicher. Doch alles dreht sich um einen sensationellen Bildschirm: Er macht das iPad unverschämt scharf - obwohl es dicker geworden ist. Von Sebastian Krause.

Alles eine Frage der Auflösung: iPad 2 und das neue iPad im Vergleich

Foto © Alles eine Frage der Auflösung: iPad 2 und das neue iPad im Vergleich

Das Problem ist neu. Wie, geneigter Leser, beschreibt man etwas in einem Medium korrekt, das man nicht zeigen kann? Wenn in diesem Test über Apples neue Wunderflunder vom Herzstück gesprochen wird, geht es stets um das Display. Und das, sind wir ehrlich, müssen Sie sich in all seiner Pracht, nun ja, vorstellen. Ganz einfach deshalb, weil, egal wo Sie diesen Testbericht lesen, auf dem Handy, dem PC, wo auch immer, Ihr Display zu schlecht ist, um Screenshots des Tablet-Monitors gerecht zu werden.

Das iPad ist seit Freitag in Österreich erhältlich und es heißt auch genau so: iPad, "neu" ist nur eine Beifügung, man sagt es dazu, auch bei Apple, stellt sich die Nummer "3" nur vor, so wie Sie sich den Display vorstellen müssen. Die Versionsnummer wurde gestrichen, ähnlich dem iPod spricht man jetzt einfach von der aktuellen Generation. Wie immer, wenn Apple ein Stück wohlgeformtes Metall mit Technik vollstopft, war der Hype in den letzten Wochen gigantisch. Und das, obwohl die Gerüchteküche immer präziser kocht: Die Änderungen des neuen Tablet waren allesamt bekannt - bessere Grafik, mehr Arbeitsspeicher, neue Kamera, LTE. Und, genau, das Display. Und genau darum geht es beim neuen iPad.

Foto

Foto © Screenshot

Foto vergrößernIn voller Pracht: Das Retina-DisplayFoto © Screenshot

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die dritte Generation nicht vom Vorgänger. Zwar fällt die aktuelle Version 0,6 Millimeter dicker aus und ist wenige Gramm schwerer, doch mit bloßem Auge lässt sich praktisch kein Unterschied feststellen. Bis man das Gerät einschaltet. Die Auflösung des neuen Display wurde in der Horizontalen und der Vertikalen verdoppelt und hat nun 2048 mal 1536 Pixel. Ein Full-HD-Fernseher hat zum Vergleich 1920 mal 1080 Bildpunkte - und ist um ein Vielfaches größer.

Der Unterschied fällt sofort ins Auge. Text, Fotos, Filme und Spiele - das neue iPad erreicht einen ungeahnten Detailreichtum, bei zudem satten Farben und klaren Kontrasten. Wirklich ausspielen kann Apple diesen Trumpf aber nur, wenn die Auflösung auch von Apps unterstützt wird. Zum Start des iPad standen zwar alle hauseigenen Anwendungen bereits hochaufgelöst zur Verfügung, Third-Party-Entwickler werden aber teilweise noch brauchen, um ihre Programme anzupassen. Apps wie das neue iPhoto zeigen aber das Potenzial des Display: Fotos mit bis zu 18 Megapixeln lassen sich auf dem Tablet mühelos bearbeiten - und die Schärfe ist schlicht atemberaubend.

Unter der Haube

Passend zum Display hat Apple auch die Rückkamera des Tablets verbessert, ihr stehen nun 5 Megapixel zu Verfügung und auch HD-Videos mit 1080p lassen sich aufzeichnen. Die Frontkamera blieb unverändert - hier steht weiterhin nur eine magere VGA-Linse zur Verfügung, die aber für die gedachten Videokonferenzen ohnehin ausreichend ist.

Unter der Haube werkt der bekannte Dual-Core Chip mit einem Gigahertz Taktrate. Deutlich nachgebessert hat Apple bei der Grafik: Um den neuen Display anzutreiben, setzt man auf einen Quad-Core-Prozessor, unterstützt von einem Gigabyte Arbeitsspeicher. Im täglichen Gebrauch ist das iPad damit eine Spur schneller als sein Vorgänger, bei überraschend gleichbleibender Akku-Leistung. Im Test spielte das iPad einmal aufgeladen über 9 Stunden Video ab - das Aufladen des Geräts dauert jedoch deutlich länger als beim Vorgänger.

Ohne Wirkung in Österreich bleibt das Upgrade auf den Mobilfunkstandard LTE, auch gerne "4G" genannt. Aufgrund verschiedener Frequenzen lässt sich das schnelle Internetmodul nur in den USA nutzen. Immerhin unterstützt das neue iPad den auch hierzulande gebräuchlichen HSPA+ - Standard, der aus dem UMTS-Netz mehr Leistung heraus kitzelt.

Macworld-Test des neuen iPad.

In Sachen Preis und Ausführung beließ es Apple bei Bewährtem: Für die WLAN-Version mit 16 Gigabyte Speicher zahlt man 479 Euro, die "kleinste" UMTS-Version kostet 599 Euro. Eine 128-Gigabyte-Version gibt es entgegen der Gerüchteküche auch dieses Mal nicht, wer also die gesamte Filmbibliothek mit sich herumtragen will, wird noch ein Jahr warten müssen. Das iOS-Betriebssystem werkelt gewohnt unauffällig vor sich hin, die Oberfläche in ihrem dezenten Grau ist zwar weiterhin elegant anzusehen, doch in manchen Ecken hat sich etwas Staub angesammelt. Besonders die Abwesenheit eines Start-Bildschirms lässt Apples mobiles Zugpferd neben der aktuellen Android-Version etwas verblassen.

Fazit

Wer mit dem iPad 2 bisher zufrieden ist und auf grafisch imposante Anwendungen verzichten kann, dem bietet Apple wenig Anreiz, zum neuen iPad zu greifen. Tablet-Einsteigern bleibt schlicht nichts anderes übrig - kein anderer Hersteller vermag es momentan, solch leistungsfähige und durchdachte Tablet-Computer zu bauen wie Apple. Android-Tablets fehlt es oft noch an guter Software, Microsoft will im Herbst mit Windows 8 in die Schlacht ziehen. Abwarten könnte sich lohnen, doch das neue iPad setzt die Latte noch einmal höher.

SEBASTIAN KRAUSE

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