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Zuletzt aktualisiert: 16.02.2012 um 08:31 UhrKommentare

"Digitaler Lynchmob" auf Facebook

Zehntausende fordern in einer Facebook-Gruppe die Hinrichtung des saudi-arabischen Journalisten Hamza Kashgari, weil er den Propheten Mohammed beleidigt haben soll.

Foto © Reuters

Zehntausende fordern in einer Facebook-Gruppe die Bestrafung des saudi-arabischen Journalisten Hamza Kashgari, weil er den Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Sie wollen ein Exempel statuieren und verlangen die Hinrichtung des 23-Jährigen. Kaum einer stellt sich dem Hass entgegen, berichtet "Spiegel Online" am Donnerstag und spricht von "digitalem Lynchmob".

Mehr als 25.000 Menschen sind bisher der Facebook-Gruppe "Das saudische Volk will die Bestrafung von Hamza Kashgari" beigetreten. Die meisten User, die sich auf der Pinnwand der Gruppe äußern, fordern den Tod des 23-jährigen Journalisten, weil er ihrer Meinung nach den Propheten Mohammed beleidigt und sich damit der Blasphemie schuldig gemacht haben soll.

Fiktives Gespräch mit Propheten

Kashgari hatte vor zehn Tagen auf Twitter ein fiktives Gespräch mit dem Propheten geführt. Darin hatte er unter anderem erklärt, dass er nicht für Mohammed beten werde und bestimmte Dinge an ihm hasse. Außerdem schrieb er: "An Deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor Dir verbeugen und nicht Deine Hand küssen." In der Folge brach im arabischsprachigen Internet ein Sturm der Wut und Entrüstung über die Tweets des jungen Mannes aus.

Als Kashgari erkannt hatte, welche Gefahr vom Zorn seiner Glaubensbrüder und Glaubenschwestern ausging, floh er nach Malaysia. Offenbar wollte er von dort aus nach Neuseeland weiterfliegen. Die Behörden in Kuala Lumpur nahmen ihn jedoch bald nach der Ankunft fest und lieferten ihn an Saudi-Arabien aus, wo er in der Zwischenzeit mit Haftbefehl gesucht wurde.

Der Haftbefehl für Kashgari sei eine klare Verletzung der Menschenrechte und der Religions- und Meinungsfreiheit, kritisierte Alev Korun, Menschenrechtssprecherin der Grünen."Trotz mehrerer Warnungen, mit so einem Regime, in dem die Religionsfreiheit täglich mit den Füßen getreten wird, kein gemeinsames 'interreligiöses Dialogzentrum' aufzubauen", habe Außenminister Michael Spindelegger (V) nur Beschwichtigungspolitik gemacht und behauptet, selbstverständlich werde man sich für Menschenrechte in Saudi-Arbaien einsetzen. "Wo bleibt jetzt der Aufschrei von Spindelegger angesichts der Verhaftung des Twitterers?", fragte Korun.

Christian Solidarity International (CSI)-Österreich schrieb in einem Offenen Brief an Facebook: "Dass Facebook hier eine Plattform für die Verachtung des grundlegendsten Menschenrechts auf Religionsfreiheit bietet, ist ungeheuerlich." CSI fordert die "sofortige Schließung dieser infamen Seite." Facebook mache sich mit dieser Seite "zum Handlanger islamischer Gewalt und Scharia-Auslegung wider die Menschlichkeit."


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