Steve Jobs schreckte monatelang vor Krebs-OP zurück
Erst neun Monate nach der Diagnose Bauchspeichelkrebs im Oktober 2003 hat sich Steve Jobs für eine Operation entschieden. Vorher kämpfte er mit Fruchtsäften, Pflanzenpräparaten und Akupunktur gegen den Krebs.

Foto © APSteve Jobs
Apple-Gründer Steve Jobs kämpfte anfangs monatelang mit Fruchtsäften, Pflanzenpräparaten und Akupunktur gegen den Krebs. Erst neun Monate nach der Diagnose im Oktober 2003 habe er sich für eine Operation entschieden, heißt es in einer autorisierten Biografie des kürzlich verstorbenen Technik-Visionärs, aus der die "New York Times" am Freitag im Voraus berichtete. Nach seinem Entschluss für eine medizinische Behandlung habe sich Jobs jedoch intensiv mit Therapiemöglichkeiten beschäftigt und über jeden einzelnen Schritt selbst entschieden.
40 Interviews mit Jobs
Für das Buch "Steve Jobs. Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers" hatte Autor Walter Isaacson in einem Zeitraum von zwei Jahren mehr als 40 Interviews mit Jobs geführt. Auch Freunde, Familienmitglieder und Ärzte hätten offen über die Krankheit des Apple-Gründers gesprochen, berichtete die "New York Times". Das Buch erscheint am Montag in den USA, die deutsche Version am Donnerstag.
Jobs habe gegen den Protest seiner Familie neun Monate lang auf einen Eingriff verzichtet und sich für eine alternative Behandlung entschieden, sagte der Isaacson in einem Interview des US-Fernsehsenders CBS, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll. Als sich Jobs schließlich für die OP entschieden habe, seien die Tumorzellen auch im Gewebe rund um die Bauspeicheldrüse gewesen. Der Manager litt an einer sehr seltenen Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Nach den Worten Isaacsons spielte Jobs auch den Ernst der Lage herunter und sprach von einer Heilung, obwohl er heimlich weiter behandelt wurde. Jobs habe es sehr bereut, sich erst später für eine Operation entschieden zu haben, sagte der Autor.
Der Manager nahm sich wegen seiner angegriffenen Gesundheit wiederholt Auszeiten als Apple-Chef. Im August 2004 erklärte er, dass er sich wegen eines Bauchspieldrüsentumors habe operieren lassen. Im Jahr 2009 folgte eine Lebertransplantation. Auf welche OP sich Isaacson bezog, war unklar. Jobs starb am 5. Oktober an den Folgen seiner Krebserkrankung.
Jobs' Abneigung gegen eine Operation erklärte seine Frau Laurene Powell laut "New York Times" damit, dass ihr Mann nicht dafür bereit gewesen sein, "seinen Körper öffnen zu lassen": "Es ist schwierig, jemanden dazu zu drängen, das zu tun." Auch Freunde und Familie hätten den Manager zu Operation und Chemotherapie gedrängt.
Nach seiner Entscheidung für eine klassische Behandlung habe sich der als detailversessen geltende Jobs "mit Leidenschaft und Neugier" in die Materie eingearbeitet, schreibt die Zeitung. Er probierte auch neue Behandlungsmethoden aus, um den Bauchspeicheldrüsenkrebs zu besiegen. So ließ er die DNS des Tumors entschlüsseln, damit die Ärzte die Medikamente genau auf das Geschwür zuschneiden konnten. 100.000 Dollar (72.427 Euro) soll allein die Sequenzierung des Erbguts gekostet haben, die nach Angaben von Isaacson bisher erst 20 Menschen weltweit vornehmen lassen hätten.
Jobs glaubte an die Erfolgsaussichten dieser Therapie: Er werde entweder einer der ersten sein, die so dem Krebs entkämen, oder einer der letzten, der daran sterbe, sagte er seinem Biografen.
Features
Biografie
Walter Isaacson: Steve Jobs. Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers, C. Bertelsmann Verlag, München, 704 Seiten, ISBN 978-3570101247, ab 27. Oktober)












