Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 17. April 2014 17:49 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Nokia warnt vor Ladegerät für Tablet Lumia 2520 Twitter-Blockade aufgehoben Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Multimedia Nächster Artikel Nokia warnt vor Ladegerät für Tablet Lumia 2520 Twitter-Blockade aufgehoben
    Zuletzt aktualisiert: 05.04.2011 um 16:40 UhrKommentare

    Mit Larry in den Googlehupf

    Mit Larry Page übernimmt ein durchgeknallter Kindskopf die Führung des vielleicht wichtigsten Unternehmens der Welt: Google. Er lebt seine Träume aus, auch wenn diese für den Konzern zum Albtraum werden können.

    Larry Page

    Foto © ReutersLarry Page

    Als bekannt wurde, dass künftig ein Durchgeknallter die Geschicke des vielleicht größten Konzerns der Welt leiten würde, schrieb Eric Schmidt (55), seines Zeichens ein Drittel der bisherigen Führung: "Die Aufsicht eines Erwachsenen ist nicht mehr nötig". Mit Larry Page übernimmt ein 38-jähriger Kindskopf die Leitung der Konferenzen, der politischen Agenden, des wirtschaftlichen Tagesgeschäfts. Einer, der eigentlich lieber in einer Welt aus Bits und Bytes lebt, an seinem Traum vom selbst fahrenden Auto bastelt und jedes Buch der Welt digitalisieren will. Es ist, als hätte man den alten Grönemeyer-Song wörtlich genommen: Kinder an die Macht.
    Das Verrücktsein ist Pages größter Vorteil; und es ist auch sein größtes Problem.

    Page ist kein Entertainer, wohl aber ein Verschrobener. Im Gegensatz zu den exzentrischen Firmenlenkern der IT-Branche wie Steve Jobs, Bill Gates und Steve Balmer oder Mark Zuckerberg ist Larry Page ein echter Nerd. Er tritt selten öffentlich auf und wenn, hält er Vorträge in kleinem Rahmen. Bei diesen spricht er bevorzugt über komplexe technische Themen. Er hat eine brüchige Stimme und macht kleine Witze in Nebensätzen, die außer Programmierern kein Mensch versteht. Der Wikipedia-Artikel über ihn war bis vor kurzem kaum drei Absätze lang. Jener von Steve Jobs gleicht im Umfang einer wissenschaftlichen Abhandlung. Bislang hielt sich Page erfolgreich im Schatten von Google-Mitbegründer Sergey Brin und dem dritten Mann, Eric Schmidt.

    Seit Montag leitet Page nun Google, so wie er es schon vom Gründungsjahr 1998 bis 2001 getan hat. Als er mit seinem Studienkollegen Sergey Brin begann, eine leistungsfähige Suchmaschine für das Internet zu entwickeln, taten sie das der modernen Legende nach von einer Garage aus. Damals dominierte Yahoo den Markt, wo Mitarbeiter das Internet per Hand katalogisierten. Drei Jahre später hatte Google 200 Mitarbeiter und war profitabel, als Page sich entschloss, sich wie der Software-Entwicklung zu widmen, den Bits und Bytes. Das Genie des Larry Page zeigt sich im Erkennen von Trends: Hinter Google steckt eine komplexe mathematische Formel, die präziser arbeitet als die Konkurrenz. Damals wie heute. Google hatte Anfang 2010 rund 25.000 Mitarbeiter und beherrscht auch den äußert lukrativen Markt der Online-Werbung. Im Smartphone-Sektor ist man mit der Android-Plattform Marktführer. Google Maps ist der beliebteste Kartendienst der Welt. Was Page anfasst, wird zu digitalem Gold. Und realem Geld: Sein Vermögen wird auf rund zwölf Milliarden Dollar geschätzt.

    Der Riese taumelt

    Doch Google hat Probleme. Zum Comeback von Page an der Firmenspitze droht das ehemalige digitale Wunderkind zu jenem zu werden, den man in den Anfangsjahren gerne mit neuen Software-Ideen in den Wahnsinn trieb: Google fühlt sich nicht mehr an wie ein junges "Enfant Terrible" im Internet. Google fühlt sich an wie Microsoft. Man ist vom Außenseiter zum Etablierten geworden.

    Die Macht Googles ist heute so groß, das bereits Kartellverfahren gegen das Imperium laufen, wie es bei Microsoft der Fall war. Die jungen Talente mit frischen Ideen, die Google braucht wie die Luft zum Atmen, stehen heute nicht mehr Schlange vor den Firmenzentralen. Sie gehen lieber zum neuen Wunderkind der Branche. Zu Mark Zuckerberg und Facebook. Page weiß um die Probleme und setzt Gegenmaßnahmen, die seinem Ruf als "durchgeknalltem Nerd" nicht schaden werden.

    Page will die Schlagkraft erhöhen. Der Konzern ist zu groß geworden, zu ungelenk, um mit den rasenden Entwicklungen des Internets Schritt zu halten. Firmeninternen Kreisen zufolge will sich Page mit allen Projekten im Hause Google vertraut machen. Dazu beauftragte er jeden einzelnen Abteilungsleiter, ihm eine Mail zu schicken. Darin soll erklärt werden, woran gerade gearbeitet wird und warum. Page will dazu nicht mehr als 60 Worte bekommen. Zudem sollen sich die obersten Führungskräfte jeden Tag an einem öffentlichen Ort innerhalb des Google-Hauptquartiers treffen, um dort zu arbeiten. Damit jeder Angestellte mit ihnen sprechen kann.

    "Weil sonst keiner dran glaubt"

    Page hat es sich ausgesucht, dass Unternehmen zu leiten. Auch wenn er dann politische Entscheidungen treffen muss, in der realen Welt, nicht der der Bits und Bytes. Vor Studenten sagte Page einmal, es sei leichter, an "zu ehrgeizigen Projekten" zu arbeiten. "Ich weiß, es klingt durchgeknallt. Aber es gibt dort keinen Wettbewerb, weil kein anderer so verrückt ist, das zu tun". Eine Linie, die selbst bei Google nicht nur Freunde hat. Eric Schmidt, seinerzeit für die wirtschaftliche Führung des Unternehmens geholt, zieht sich in den Aufsichtsrat zurück. Gerüchten zufolge hat er es nicht verkraftet, dass sich Page aus China zurückziehen will, dem künftig größten Markt der Welt. Es ist ein Prozess gegen die dortige Zensur und auch ein wirtschaftlicher Einschnitt, wie ihn sich eben nur Page und Google leisten können. Für Schmidt soll es eine persönliche Niederlage gewesen sein. Als bekannt wurde, dass Page die Führung übernimmt, kündigte kurzerhand auch Produktchef Jonathan Rosenberg. Mitgründer Sergey Brin will künftig nur noch an "Spezialprojekten" arbeiten.

    Larry Page kann sich nun ausleben, an der Spitze eines Weltkonzerns. Er wolle ihn wieder führen wie ein Start-Up-Unternehmen, gab er an. Viele Projekte sollen ausgegliedert werden und deren Leiter dürfen selbstständig Entscheidungen treffen, das funktionierte schon bei Android und YouTube. Andere wird Page einstellen, fürchten Viele im Hause Google. "Google Health", die digitale Krankenakte, soll etwa auf der Abschussliste stehen. Sicher scheint nur, dass Page seine Träume nicht aufgeben wird: Die umstrittene Digitalisierung jedes Buches soll weiter vorangetrieben werden. Und dann wäre da ja noch die Sache mit dem fahrerlosen Auto. Weil sonst keiner so verrückt ist, daran zu glauben.

    SEBASTIAN KRAUSE

    Abschiedsgeschenk

    Zum Abschied bekommt Google-Chef Eric Schmidt ein dickes Geschenk: Der Internetkonzern überreicht Schmidt ein 100 Millionen Dollar schweres Paket, prall gefüllt mit Aktien und Aktienoptionen. Nach US-Medienberichten vom Wochenende ist es das erste Mal in seinen zehn Jahren als Firmenlenker, dass Schmidt eine solche Prämie erhält.

    Foto

    Foto © APA

    Bild vergrößernFührungstrio: Page, Brin und SchmidtFoto © APA

    Fakten

    Im lebenswichtigen Kerngeschäft Internet-Suche wachsen die Gefahren. Google ist zwar weiterhin die unangefochtene Nummer eins unter den Suchmaschinen. Doch gerade diese Stärke nutzte der Erzrivale Microsoft jüngst, um den Druck bei EU-Wettbewerbshütern zu verstärken, pünktlich als "Antrittsgeschenk" für Page.

    Reaktion

    "Schmidt war der Prinzregent, der solange regiert, bis der junge König in den Thron einnehmen kann", meinte der amerikanische Journalismus-Professor und Google-Experte Jeff Jarvis. "Wir wussten, dass dies passieren wird. Wir hatten es nur vergessen."

    Mehr Multimedia

    Mehr aus dem Web

      Apps für alle

      Montage

      Nach iPhone- und iPad-App steht jetzt die Android-App der Kleinen Zeitung bereit: Für fabelhaft komfortablen Lesespaß, jederzeit und überall.

      Apps, Apps, Apps

       




      Fotoserien

      Merkel meets Technik - Highlight der CeBIT 

      Merkel meets Technik - Highlight der CeBIT

       

      Facebook & Co

      Foto: KLZ/rare (Fotolia.com)

      Immer vernetzt: Die Kleine Zeitung gibt es auch auf Facebook und Twitter - werden Sie Fan!

       

      Newsletter

       

      Immer informiert

      RSS-Feeds

      Immer aktuell: Die wichtigsten News direkt abonnieren.

      Mobil informiert

      Immer dabei: Die Kleine Zeitung gibt es auch auf dem Handy.

       


      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang