Handy-Ladegeräte: Eines für alle, alle für eines
14 Handyhersteller einigten sich auf Druck der EU auf ein einheitliches Ladegerät, das gestern vorgestellt wurde. Der Kabelsalat verschwindet deshalb aber noch lange nicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Meine Geduld ist zu Ende", rief 2009 der damalige EU-Industriekommissar Günter Verheugen den Handyherstellern zu und übte Druck auf sie aus, dem Kabelsalat ein Ende zu setzen und ein einheitliches Ladegerät für alle Handys zu schaffen. Nun, zwei Jahre Geduld waren gefragt, bis 14 Handyhersteller gestern dem aktuellen EU-Kommissar Antonio Tajani ihr erstes "harmonisiertes" Ladegerät präsentierten. Ein Überblick, was jetzt auf die Konsumenten zukommt.
1. Welche Hersteller setzen künftig auf das neue Ladegerät?
ANTWORT: Folgende 14 Hersteller haben sich gemeinsam bereit erklärt, mitzumachen: Apple, Atmel, Emblaze, Huawei, LGE, Motorola, NEC, Nokia, Qualmcomm, RIM (Blackberry), Samsung, Sony Ericsson, TCT (Alcatel) und Texas Instruments.
2. Ist das einheitliche Ladegerät für alle Handys dieser Hersteller nutzbar?
ANTWORT: Nein! Anfangs wird es nur mit Smartphones, also Handys mit Internet-Datenübertragung, kompatibel sein. Diese setzen sich derzeit im Verkauf immer stärker durch.
3. Wann kommt das neue Ladegerät in den Handel?
ANTWORT: Erich Kurz, Obmann Telekommunikation in der Wirtschaftskammer, sagte im ORF, dass die ersten Ladegeräte "in vier bis sechs Wochen" verfügbar seien. Allerdings: Wirklich nutzbar sind sie für aktuelle Handys noch nicht, den neuen Stecker wird erst die nächste Smartphone-Generation unterstützen.
4. Welche vereinheitlichte Technik steckt im Ladegerät?
ANTWORT: Die 14 Hersteller einigten sich mit der EU-Kommission auf einen Micro-USB-Stecker. Über diese Schnittstelle können Daten übertragen und das Handy aufgeladen werden. Hersteller, die bei ihren Handys die bisherige Schnittstelle behalten wollen, dürfen einen USB-Adapter mitliefern.
5. Mein Handy hat schon jetzt einen Micro-USB-Anschluss. Kann ich den neuen Einheitslader dafür verwenden?
ANTWORT: Unbedingt beim Hersteller nachfragen! Eine falsche Stromversorgung kann das Handy beschädigen.
6. Ändert die neue Regelung etwas beim Handypreis?
ANTWORT: Laut EU werden sich Handys verbilligen, weil künftig keine Ladegeräte mehr mitausgeliefert werden. Dass es insgesamt billiger wird, ist anzuzweifeln. Erstens können Handys nicht weniger als null Euro kosten, zweitens muss man sich das Ladegerät dann selbst kaufen.
7. Warum übt die EU Druck aus? Was geschieht weiter?
ANTWORT: Die EU will mit dem Einheitsladegerät 50.000 Tonnen Elektroschrott einsparen. Sie will daher künftig auch Herstellern von Mp3-Playern, Tablets oder Notebooks ein Einheitsladegerät verpassen.










