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Zuletzt aktualisiert: 28.07.2010 um 14:42 UhrKommentare

US-Bauern entdecken Facebook und Twitter

Videos von gequälten Nutztieren lösen bei YouTube stets einen Schwall der Empörung aus. In den USA wollen Bauern die sozialen Medien nicht mehr den Tierschutzorganisationen überlassen. Sie bloggen, twittern und laden eigene Videos hoch.

Twitter, Facebook und Co erobern die US-Bauernhöfe

Foto © AP, APA, MontageTwitter, Facebook und Co erobern die US-Bauernhöfe

In ihren Beträgen verteidigen die Bauern ihre Arbeit und erklären, dass sie der Missbrauch von Tieren genauso schockiert. Sie erzählen via Smartphone ihre Geschichten, tauschen sich aus und können manchmal auch die Isolation auf ihrer Farm durchbrechen.

"Es gibt so viel negative Publicity, und niemand hat unsere Botschaft übermittelt", sagt der Milchbauer Ray Prock aus Kalifornien. In seinem Blog schreibt er über die vielen Themen, die einem Bauern Sorgen bereiten können: Probleme mit dem Dünger, Laktose-Intoleranz der Tiere oder rätselhafte Krankheitssymptome. Prock reagierte auch auf das Video einer Tierschutzorganisation, das bei YouTube zeigte, wie Kühe mit Mistkabeln gestochen wurden. "Jeder Bauer, den ich kenne und der sich um seine Tiere sorgt, hat schon einmal ihr Wohlergehen über das eigene oder die Zeit mit der Familie gestellt", erklärt er in seinem Blog. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern auf einer 97 Hektar großen Farm, Onkel und Großvater helfen bei der Versorgung der 450 Milchkühe. "Hier lebt meine Familie", sagt er. "Ich sorge mich um die Luft, das Wasser, die Umwelt, die Kühe. Das möchte ich den Menschen gerne zeigen."

Günstige Medien

Tierschutzgruppen wandten sich den neuen Medien zu, weil sie nicht genug Geld hatten, um den Werbespots der Vermarktungsgesellschaften etwas entgegenzusetzen, wie Nathan Runkle von der Organisation Mercy For Animals erklärt. Er findet, die Bauern sollten sich lieber auf Reformen bei der Tierhaltung konzentrieren, denn dann müsse auch keine schlechte Publicity bekämpft werden.

Die Bauern führen an, die Videos seien schockierend, aber nicht repräsentativ für alle Bauern mit Tierhaltung. Sie befürchten, dass die Amerikaner das nicht glauben, weil sie wenig Kontakt zu Bauern haben und nicht wissen, wir ihre Nahrungsmittel produziert werden. Die einzige Informationsquelle ist oft das Internet, wo die Bauern bisher selten vertreten sind. "Wir waren nicht Teil des Gesprächs", sagt Prock. "Und wenn wir unsere Geschichte nicht erzählen, tut das jemand anders. Und der erzählt sie so, wie er es will."

Das soll sich ändern. Prock hat bei Twitter schon fast 11.000 Follower, die seine Mitteilungen lesen. Gemeinsam mit anderen Bauern startete er AgChat, eine Stiftung, die mehr Farmern Zugang zu YouTube, MySpace, Facebook und Twitter verschaffen will. Ein erstes Seminar zu sozialen Netzwerken im Internet soll im August stattfinden. Bald soll es auch Stipendien für Bauern geben, die bisher noch nicht über Smartphone, Laptop und Breitbandanschluss verfügen.

Langsam ans Thema heranführen

Die 20-jährige Studentin Kelly Rivard bloggt auf ihrer Seite Midwestern Gold über Landwirtschaft. Das Interesse war so groß, dass sie im August in Chicago einen Schnellkurs zu sozialen Netzwerken gibt. "Ich möchte sie langsam an das Thema heranführen, auch wenn sie vielleicht noch nicht sofort mitmachen", erklärt sie. Der Agrarwissenschafter Matthew Fidelibus nutzt Twitter, um wichtige Informationen schnell an die Bauern weiterzugeben, wenn zum Beispiel in einer bestimmten Region die Gefahr für Mehltau besonders groß ist. Die Bauern können dann schnell reagieren.

Facebook treibt die Interaktion noch weiter. Dort können Bauern ein Foto zeigen, beispielsweise von einem ihnen unbekannten Schädling, und erhalten schnell Ratschläge von Experten. Die Seiten seien ideal, leicht zu verstehen, schnell und kostenlos, erklärt Fidelibus.

Auch die Vermarktungsorganisationen sind in die sozialen Medien eingestiegen. Sie geben Seminare darüber, wie das Internet effektiv eingesetzt werden kann. "Wir sagen ihnen, dass man das alles von seinem Telefon im Melkraum aus machen kann", erklärt Jolene Griffin von der Organisation Dairy Management. "Es gibt so viele Programme, aber wir ermutigen sie, eines auszusuchen und erst einmal auszuprobieren."

Juliana Barbassa/AP

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