Der Kick beim Talk am Funk
Wer glaubt, Handy und Internet hätten den guten alten Amateurfunk abgelöst, irrt. Die analoge Technik der Funker ist in Krisenfällen unverzichtbar. Als Hobby fördert Amateurfunk die Kommunikation.

Foto © PhinoHartwig Gallhuger bildet junge angehende Amateurfunker aus
Uns genügt eine Autobatterie und ein Kleiderhaken, um eine Verbindung herstellen zu können", sagt Amateurfunker Hartwig Gallhuber. Unverzichtbar und unverwüstlich seien Amateurfunker. Analoges Funken auf Kurz- und Ultrakurzwelle gilt zwar als Oldtimer der Kommunikation, ist aber dennoch ein unverzichtbarer Faktor der Krisenbewältigung und Freizeitgestaltung. "Sie können davon ausgehen, dass es beim Erdbeben auf Haiti ohne Amateurfunker noch viel größere Probleme mit der Organisation von Hilfe gegeben hätte. Auch bei der Lawinenkatastrophe in Galtür 1999 waren es die Amateurfunker, die für Erste Hilfe und Kommunikation nach der Katastrophe gesorgt haben", sagt Gallhuber.
Tatsächlich sind bei allen Blaulichtorganisationen und in den Landesalarmzentralen Plätze für Amateurfunker reserviert, die bei Notfällen von Funkern im Dienst der guten Sache besetzt werden. Gallhuber sitzt stressfrei im Wohnzimmer, pflegt sein Hobby als Funker und fühlt sich dabei mitten in der Welt. Möglich macht das ein kleines Kästchen, das bei laienhafter Handhabung nur Pfeiftöne und Dauerrauschen auslöst. Gallhuber aber stellt in Windeseile einen Sender ein, hält die Sendetaste niedergedrückt und ruft "CQ CQ CQ hier ist OE8GGK". Der Funker lässt die Sendetaste los. Es meldet sich ein Russe aus Kiew, der über Wetter und Sonnenaktivitäten reden will. Nach wenigen Minuten ist das Gespräch beendet, nicht ohne das gegenseitige Versprechen, sich eine QSL-Karte zu schicken. "Diese Karten sind Empfangsbestätigungen, sie werden von den Landesverbänden verwaltet und von Amateurfunkern oft akribisch gesammelt", erklärt Gallhuber.
Brücke in die Welt
"Der Amateurfunk ist eine Brücke in die ganze Welt", erklärt der pensionierte Kameramann Richard Kritzer (OE8RZS) aus Spittal an der Drau. Kritzer ist der Obmann der Kärntner Amateurfunker. Und er betont den Völker verbindenden Aspekt des Funkens. Zwar wird unter Funkern das Dazwischenfunken als unhöflich registriert, aber man kann so gut wie nichts falsch machen. "Es gibt nur Übertragungsfehler, es gibt keine Kommunikationsfehler", erklärt Gallhuber den Schülern einer HTL-Klasse. Dort bildet der Lehrer angehende Funker aus. "Weil die Funksprache Englisch ist, haben die Kinder hier die Chance, ohne Hemmungen eine Fremdsprache zu nützen", ist Gallhuber überzeugt.
Der Klagenfurter Hauptschüler Andreas Krammer ist zu Besuch in der HTL: "Mir gefällt das Reden und das Zusammenbauen der Geräte." Sein Klassenkollege Christoph Melchior (13) zeigt sich von den Abhörmöglichkeiten beim Pilotenfunk begeistert, auch Thomas Hassler (14) findet seinen Kick im Talk mit wildfremden Leuten. Alle drei Schüler lernen aber, während sie am Funk hängen, ganz genau zuzuhören. "Wo hört denn noch jemand anderen Menschen genau zu, am Funk tust du es automatisch", sagt Gallhuber.
Er bereitet die Schüler auf die Österreichische Amateurfunkprüfung vor. Bestehen die Burschen, bekommen sie ihre Rufzeichen. Diese setzen sich aus den Buchstaben OE (für Österreich), der Zahl 8 (für Kärnten) und einer Kombination von drei Buchstaben zusammen. Dieses Kürzel, ein Kurzwellensender und eine entsprechende Antenne lassen den Einstieg ins Amateurfunken gelingen. Die Reichweite der abgesetzten Funksprüche ist abhängig von der Leistungsstärke des Senders. Auch Wettersituation und Sonnenaktivitäten beeinflussen die Qualität der Verbindung.
Interesse steigt
Weltweites Funken ist von Kärnten aus genauso möglich wie der regionale Funk von Wohnblock zu Wohnblock. Wie viele Kärntner sich die ganze Welt oder vielleicht doch nur ihre Freunde ins Wohnzimmer holen, ist unklar. Sicher ist aber, dass das Interesse am Funken auch unter den Jüngeren ständig steigt.
Der Amateurfunk, aus dem sich in den letzten hundert Jahren alle Sparten der modernen Kommunikation entwickelt haben, ist auch durch Handys und Internet nicht umzubringen. Die Gemeinschaft der Amateurfunker ist ein weltweites Netzwerk, das zwar nur analog, dafür aber effizient und permanent funktioniert. "Irgendwer quasselt immer irgendwo auf der Welt", sagt Gallhuber. Er selbst setzt seit Jahrzehnten sein CQ ab, Antwort hat er bis jetzt noch immer bekommen.










