Rechtsklick: Wie Neonazis im Netz agieren
Im Zuge der Diskussion um Barbara Rosenkranz und das Verbotsgesetzt macht die rechtsextreme Szene Österreichs wieder mobil. Besonders das Internet und soziale Netzwerke werden dabei zur Verbreitung rechtsextremer Inhalte genutzt.

Foto © AP
Die "KZ Sympathisanten" und "14/88" - einfach zu finden, wenn man weiß, was man sucht. Beides sind Gruppen bzw. Profile im sozialen Netzwerk Facebook, beide haben rechtsextreme Inhalte und hunderte "Fans und Freunde", beide sind nur ein Beispiel. Ein Beispiel für mittlerweile unzählige neonazistische Seiten, die das Internet durchziehen wie braune Spinnweben. Zu finden in versteckten Nischen, aber stets wachsend.
"Jüdische Verschwörung" und "KZ-Lüge"
Doch es geht auch einfacher. Foren wie jenes von "thiazi.net", oder die rechtsextreme Webpage alpe-donau.info, kennt sogar Google. Dort wird munter über die "jüdische Verschwörung" debattiert, die "KZ-Lüge" abgehandelt und Barbara Rosenkranz die Unterstützung ausgesprochen: "Eine deutsche Mutter ist uns lieber als der alte Jude Heinz Fischer", steht auf der Startseite von alpe-donau zu lesen. Dann der Zuspruch: "Unsere Unterstützung hat sie". Profilfotos, die Adolf Hitler oder SS-Soldaten zeigen, sind im Thiazi-Forum Standard, doch auch auf Facebook häufen sich solche Vorfälle. Letztes Jahr wurden in jenem Forum Morddrohungen gegen "linke" Politiker ausgesprochen, derzeit dreht sich alles um die Frau aus den eigenen Reihen, wie ein Poster namens "Frontsoldat" schreibt: "Frau Rosenkranz ist kein Jude. Sie ist eine der letzten, die sich in der FPÖ zum Deutschtum bekennt". Auch nach ihrer ohnehin zweifelhaften Distanzierung vom Nationalsozialismus ist man im Forum stolz auf eine "echte deutsche Nationalsozialistin".
"Ein Versagen der gesamten Politik"
Die rege Aktivität am rechten Rande hat im letzten Jahrzehnt eine neue Qualität erlangt. alpe-donau.info gilt dabei als "Musterbeispiel" der braunen Szene, das auch den Generationenwechsel im Milieu verdeutlicht: Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands warnt im Zusammenhang mit der Seite vor den Versuchen der rechten Szene, mit tagesaktuellen Inhalten die Jugend anzusprechen. Anstatt der sonst üblichen, langen geschichtlichen Abhandlungen wird nun in Echtzeit auf Politik und soziale Themen reagiert. Und es scheint zu funktionieren: Beobachter wie der Grazer Pädagoge und Aktivist Joachim Hainzl stellen in letzter Zeit vermehrt fest, dass Rechtsradikalismus zu einem regelrechten Trend unter Jugendlichen wird. "Es ist ein Versagen der gesamten Politik - niemand biete Alternative Botschaften und Modelle an", so Hainzl. Wo die Politik nicht handeln will, sind dem Rechtsstaat die Hände gebunden. Webseiten wie alpe-donau werden unter dem Schutz der Anonymität aufgebaut und liegen meist auf Servern in den USA - und hier schließt sich der Kreis: In Amerika ist Wiederbetätigung nicht strafbar, wodurch die Justiz zum Zaungast eines braunen Schauspiels wird, das sich seinen Weg aus dem Untergrund bahnt.










-Anzeigen