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Zuletzt aktualisiert: 02.03.2010 um 08:14 UhrKommentare

Mit Hightech der Krise entgegen stemmen

Mit der Hoffnung auf einen Aufwärtstrend in der Hightech-Branche startete die weltgrößte IT-Messe CeBIT in Hannover: Handy-Branche, Unterhaltungselektronik und Trendsetter Apple kochen freilich ihr eigenes Süppchen.

Bunt. bunter, CeBIT: Geboten wird noch immer einiges...

Foto © ReutersBunt. bunter, CeBIT: Geboten wird noch immer einiges...

Die Zeiten, in der sich die IT-Branche auf der weltgrößten Computermesse CeBIT gegenseitig auf die Schuhe gestiegen ist, sind vorbei. Wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am (morgigen) Dienstag zu ihrem traditionellen Rundgang aufbricht, haben die zuständigen Manager der Messe AG die diesjährige Schau schon abgehakt: Die Messe wurde um einen Tag verkürzt, der weitere Einbruch bei den Besucherzahlen ist damit programmiert. 2011 aber will die Messe mit einem alten Erfolgsrezept reagieren und wieder mehr Privatleute und Endverbraucher anziehen. Diese Gruppe war einst mit einer happigen Erhöhung der Eintrittspreise vergrault worden, damit die Computermanager ungestört ihre Geschäfte machen konnten.

Trübe Aussichten

Wie bitter es um die einst größte Messe der Welt steht, zeigte sich am Montag, dem letzten Tag vor der Eröffnung: Früher mussten Hilfspolizisten den wilden Lkw-Verkehr an den Hallen regeln, damit kein Aufbau-Chaos ausbricht. In diesem Jahr gehen die Lieferwagen an den Kreuzungen nicht einmal vom Gas - es kommt sowieso niemand aus den Querstraßen. Viele der gigantischen Hallen stehen leer. Selbst vor einem der größten CeBIT-Aussteller machte die Messe-Krise nicht Halt: Die Telekom hat auf milden Druck der Veranstalter ihren angestammten Platz in Halle 26 aufgegeben und zog auf die andere Seite des Messegeländes. So kann die Halle 26 ganz abgeschlossen bleiben, es werden Heizkosten gespart.

Die 1986 gegründete Cebit ist mit 4.157 Ausstellern und 184.000 Quadratmetern inzwischen auf das Niveau des Jahres 1990 zurückgefallen. In guten Jahren, etwa 2005, waren es 6.200 Aussteller und rund 310.000 Quadratmeter. Die Besucherzahl brach auf zuletzt 400.000 ein, nach fast 800.000 in den besten Jahren. Die CeBIT hat mehrere Probleme: Die deutsche IT-Branche ist auf dem Weltmarkt abgemeldet, bei der Software hält nur noch SAP auf Weltebene mit. Auch Trends wie das Web 2.0 kommen nicht aus Deutschland. Warum aber sollte dann die Weltmesse der Industrie hier stattfinden?

Außerdem haben spezialisierte Messen der Cebit viel Geschäft weggenommen: Die Handy-Branche trifft sich zum Mobile World Congress in Barcelona, die Unterhaltungselektronik zur CES in Las Vegas, Trendsetter Apple hat eigene Veranstaltungen, die deutsche Messe für Unterhaltungselektronik ist die IFA in Berlin. Die Cebit tröstet sich damit, dass einige Weltfirmen 2010 wieder nach Hannover gekommen sind: Google, Amazon, AMD, Ericsson, Motorola oder Telefónica. Nicht gekommen sind aber: Apple, Nokia, Toshiba, Navteq und viele mehr. Und Trendsetter wie Twitter, Facebook oder Youtube haben auch kein Interesse an der Cebit.

2011 alles anders?

Im Herbst hatte der Chef des Branchenverbandes Bitkom, August-Wilhelm Scheer, nach Medienberichten ein Donnerwetter wegen des Niedergangs der Messe losgelassen. Für 2011 soll das Konzept nun völlig umgestellt werden, wie Messesprecher Hartwig von Sass erklärte. Unter dem Dach der Cebit soll es vier Plattformen geben: Eine Messe für Geschäftsleute und Profianwender, eine weitere Messe für IT im öffentlichen Dienst, eine Forschungsmesse und die "CebBIt Life" für Endverbraucher.

Insbesondere die "Cebit Life" soll wieder mehr Besucher anziehen. Das bedeutet einen glatte Rolle rückwärts, denn im Jahr 1995 etwa kamen noch 218.000 Privatbesucher auf die Messe. Doch nach Beschwerden der Aussteller über die vielen Nicht-Profis, wurde die Unterhaltungselektronik in die Sondermesse CeBIT Home ausgelagert. Diese Sondermesse wurde 2000 wieder eingestellt. Jetzt soll sie unter neuem Namen aufleben, wie es scheint.


Aderlass

Bis Samstag stellen rund 4.150 Unternehmen aus 68 Ländern ihre Produkte und Neuheiten aus. Damit verlor die CeBIT nach einem kräftigen Einbruch im Wirtschaftskrisenjahr 2009 weitere Aussteller. Im vergangenen Jahr war die Ausstellerzahl auf rund 4.300 gefallen - von mehr als 5.800 Unternehmen im Jahr 2008.

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Foto © AP

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Für Zocker

Ein Anlaufpunkt für alle Computerspieler und daran Interessierte ist in diesem Jahr die Intel Gaming Hall. Höhepunkte sind die Finals der Intel Extreme Masters und der Start der ESL Pro Series mit dem Intel Friday Night Game.

Auf 10.000 Quadratmetern stehen in Halle 23 mehr als hundert High-End-PCs. Hier kämpfen also nicht nur Gamer um Preisgelder, sondern auch Freizeitspieler dürfen sich austoben. Darüber hinaus ist auch für die World Cyber Games (WCG) Saisonauftakt auf der CeBIT. Insgesamt vier Qualifikationsturniere finden in Halle 22 statt.

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