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Zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 um 22:42 UhrKommentare

"Ein Google- Tablet ist möglich"

Steve Rogers, Europa-Direktor von Google, im Gespräch über den Ruf des Internet-Konzerns als Datenkrake, die Konkurrenz zu Microsoft bis hin zu den Ereignissen in China.

Steve Rogers, Google-Europachef seit August 2008

Foto © Erwin ScheriauSteve Rogers, Google-Europachef seit August 2008

Wo, außer im Kleingedruckten, erfährt der Nutzer, was Google mit seinen Daten macht?

STEVE ROGERS: Wenn Sie einen Account bei Google haben, können Sie im Dashboard (google.com/dashboard, Anm.) alles nachverfolgen. Sie können sehen, welche Daten für welchen Dienst wir gespeichert haben. Dort sehen Sie auch, wonach Sie schon gesucht haben und wie lange was gespeichert wird. Auch Löschungen sind dort möglich.

Kann man sich darauf verlassen, dass das auch alles stimmt?

ROGERS: Ja, absolut.

Google hat einiges getan. Warum werden Sie den Ruf der "Datenkrake" nicht und nicht los?

ROGERS: Das wird schwer werden, diesen Ruf loszuwerden. Wenn eine Firma größer wird, wird sie als undurchsichtig gesehen. Wir versuchen aber so transparent wie möglich zu sein.

Es gibt auch Ängste, dass Dritte an diese Daten kommen. Das war eine der Befürchtungen bei den chinesischen Hacker-Attacken unlängst. Wie begegnet man dem?

ROGERS: Bitte um Verständnis, dazu darf ich nichts sagen.

Oder lassen Sie mich anders fragen: War es nur ein öffentlichkeitswirksames Statement, dass Sie China verlassen wollen, oder war da wirklich mehr?

ROGERS: Es war wirklich etwas, aber ich darf das nicht weiter kommentieren.

Steve Jobs meinte unlängst, dass das "Tu nichts Schlechtes"-Mantra von Google "Bullshit" sei.

ROGERS: Überhaupt nicht! Das ist absolut unser Leitsatz. Ich bin noch nicht lange bei Google und bin überrascht, wie das bis ins Mark dieser Firma stimmt.

Die Liebe zwischen Apple und Google scheint nicht mehr heiß zu sein. Kann das etwas mit Googles Android-Handy-Betriebssystem zu tun haben?

ROGERS: (lacht) Interessante Frage. Klar sind Android und das Nexus One Konkurrenten von Apple. Aber gleichzeitig arbeiten wir mit Apple sehr eng zusammen. Das ist normal im Geschäft.

Wenn man sich die Betriebssysteme von Google anschaut, die Google in der letzten Zeit vorgestellt hat, drängt sich eine Frage auf: Was ist wichtiger - der Verkauf von Anzeigen oder Microsoft im Kerngeschäft anzugreifen?

ROGERS: Das Wichtigste überhaupt ist es, wirklich praktische Dienste für unsere Nutzer zu erstellen. Wenn diese direkt mit Microsoft konkurrieren, soll es so sein. Aber es ist keine Absicht von Google dahinter, Microsoft weh zu tun.

Einige Apple-Fans sind vom iPad enttäuscht. Könnte es ein Tablet von Google geben? Apple verkauft nun auch keine Zeitungen. Wann beginnt Google damit?

ROGERS: Ob Google so etwas verkaufen wird, ist offen. Ein Tablet mit Google-Betriebssystem ist absolut möglich. Es gibt keinen Grund, warum jemand so etwas nicht entwickeln könnte.

Wann haben Sie das letzte Mal auf eine Anzeige geklickt?

ROGERS: Das war gestern.

Was war's?

ROGERS: Es hatte mit meinem Schiurlaub in Tirol zu tun.

Verstehen Sie die Nutzer, die nie auf Anzeigen klicken oder die nicht einmal mehr sehen?

ROGERS: (lacht) Ich kann Ihnen nur raten, öfters draufzuklicken.

INTERVIEW: GEORG HOLZER

Zur Person

Steve Rogers, geboren am 20. Jänner 1961 in Longfield (GB). Nach dem Studium an der Coventry University war Rogers von 1989 bis 1996 bei Philips in Wien tätig. Später Entwicklungschef bei der BBC, seit August 2008 Google-Europachef.

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