Deutschland: Gigantischer Datenklau bei AWD
Beim Norddeutschen Rundfunk sind 27.000 Kundendaten des Finanzdienstleisters AWD gelandet. Die Firma bestätigte den Datendiebstahl und erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

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Der deutsche Finanzdienstleister AWD hat nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks mit einem Datenskandal zu kämpfen. Dem Hörfunksender NDR Info wurden nach eigenen Angaben insgesamt 27.000 Datensätze zugespielt, die Kundennummer, Adresse, Telefonnummer, Berufsbezeichnung, Geburtstag und die Vertragsabschlüsse der einzelnen Kunden enthalten. Die angeschlagene Österreich-Tochter sei nicht betroffen.
Die "uns vom NDR zugeleiteten Daten" stammten ausschließlich von Kunden der AWD Deutschland GmbH, sagte ein Unternehmenssprecher in Deutschland zur APA. Weder die Österreich-Tochter noch AWD-Ableger in anderen Ländern seien betroffen. Die Kunden, deren Datensätze nun nach außen gelangt sind, seien alle aus einer Region in Westdeutschland - "sehr weit von Österreich entfernt".
AWD erklärte am Freitag, es seien keine sensiblen Angaben "im Sinne des Datenschutzes in den vorgelegten Daten, insbesondere keine Konto- oder Bankverbindungen der Kunden". Dies habe das Landesamt für Datenschutz bestätigt. Außerdem habe das Unternehmen bereits am Mittwoch eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Hannover erstattet, nachdem man durch den NDR von der Sache erfahren habe. Gleichzeitig sei der niedersächsische Datenschutzbeauftragte informiert und eine interne "Task-Force" eingesetzt worden. Man habe außerdem Zweifel "in Hinblick auf Authentizität von Stammdaten und Kundennummern".
Genaue Daten über Lebensversicherungen
Der NDR berichtete, aus den Daten sei unter anderem ersichtlich, welche Kunden eine Lebensversicherung abgeschlossen hätten, wie viel Geld sie angelegt hätten und wie lange die Verträge liefen. Ein großer Teil der Verträge ist demnach immer noch gültig. Wie die Informationen in Umlauf kommen konnten, sei unklar, berichte der Sender. Aus dem Umfeld des Finanzdienstleisters heiße es aber, dass nur hochrangige Mitarbeiter Zugriff auf eine derart große Menge an Datensätzen hätten.
Das Unternehmen erklärte dagegen: "Entschieden treten wir dem vom NDR erweckten Eindruck entgegen, hier handle es sich um sensible Daten im Sinne des Datenschutzes" - etwa Gesundheitsinformationen. Als Vermittler sei AWD gar nicht im Besitz solcher Daten. Außerdem seien zahlreiche der übermittelten Kundendaten veraltet oder nicht mehr existent. "Die jüngsten der uns übermittelten Daten stammen aus dem Jahr 2001, die Mehrzahl aus den 90er Jahren", hieß es in der Mitteilung weiter.
"Wir werden die Staatsanwaltschaft vollumfänglich bei ihren Ermittlungen gegen Unbekannt unterstützen, da wir ein hohes Interesse an der raschen Aufklärung haben", betonte er. Gleichzeitig habe man den NDR mit Nachdruck aufgefordert, die ihm vorliegenden Datensätze der Staatsanwaltschaft oder dem Landesdatenschutzbeauftragten für Ermittlungszwecke zur Verfügung zu stellen.
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Fakten
Die AWD-Holding gehört seit 2008 der Swiss Life, einer Lebensversicherung in der Schweiz. Im Zuge der Finanzkrise haben einige Kunden von AWD eine Sammelklage gegen den Finanzdienstleister eingebracht.










