Schluss mit Etikettenschwindel
Wie viel Steiermark ist drinnen, wo Steiermark draufsteht? Mit einer völlig neuen Methode zweier Steirer können Konsumenten schon bald per Handy die Herkunfts-Angaben auf Lebensmitteln überprüfen.

Foto © Erwin ScheriauIn Zukunft sollen Konsumenten die Herkunfts-Angaben auf Lebensmittel überprüfen können
G'schmackig klingen sie ja, die Angaben auf dem Lebensmittel-Etikett. Doch nicht zuletzt die jüngste Auseinandersetzung rund um chinesische Kerne im steirischen Kürbiskernöl machte deutlich: Nur weil "echt steirisch" oder "Spezialität aus der Heimat" die Verpackung ziert, heißt das noch lange nicht, dass der Inhalt auch zur Gänze aus der Steiermark kommt. Sehr zum Leidwesen der Konsumenten, die beim täglichen Einkauf mit Herkunftsangaben und Gütesiegel-Wildwuchs schlichtweg überfordert sind.
Zwei Steirer wollen da jetzt kräftig gegensteuern. Jörg Moser, Stratege beim Unternehmen "infood" und Hermann Katz, Systemanalytiker bei Joanneum Research, arbeiten seit einem Jahr mit Hochdruck an einem völlig neuen Messsystem.
Mit Hilfe eines Handys mit Internet- und Fotofunktion sowie einer gewaltigen Datenbank im Hintergrund soll es dem Konsumenten nun endlich - und einfach - möglich sein, die Herkunfts-Angaben auf Lebensmitteln zu überprüfen. "Uns geht es dabei nicht darum, zu beurteilen, wie gut oder wie schlecht ein Produkt ist", erklärt Moser, "wir wollen den Leuten lediglich dabei helfen, herauszufinden, wie glaubhaft die Angaben auf den Etiketten sind. Wenn also irgendwo steht ,Enthält chinesische Kerne' und es stimmt, dann bekommt dieses Produkt beim Herkunfts-Check 100 Prozent."
Erste Interessenten
Geht es nach den beiden ambitionierten Steirern, soll besagter Herkunfts-Check bereits ab Frühjahr 2010 zu verwenden sein. Das 240.000 Euro schwere Projekt wird sich anfangs zwar auf die Produkte einiger steirischer Leitbetriebe beschränken, "wir gehen aber davon aus, dass der Druck der Konsumenten bald so groß sein wird, dass es sich kein Lebensmittelproduzent mehr leisten kann, auf die entsprechende Codierung zu verzichten", träumt Katz vom Durchbruch an den Regalen. Denn: "Die technischen Voraussetzungen so etwas umzusetzen, sind längst vorhanden."
Die beiden Visionäre, die schon seit Jahren mit Handelsketten an der komplexen Materie Herkunfts-Überprüfung arbeiten, sind deshalb so überzeugt von der Idee, "weil die Produzenten immer stärker merken, dass Herkunft einen Mehrwert haben kann", so Katz. "Mit unserem System können sie diesen Mehrwert auch beweisen." Und der Wahrheit an den Regalen einen großen Schritt näher kommen.










