US-Behörden "zwitschern" auch
Als die Polizei in Milwaukee kürzlich schnell die Nachricht von einem Mord verbreiten wollte, brauchte sie dafür nur 113 Anschläge. Die Meldung wurde mit Angabe des genauen Tatorts im Kurznachrichtendienst Twitter verschickt.

Foto © APPolizei-Sprecherin von Milwaukee, Anne E. Schwartz, twittert
"Weitere Einzelheiten,
sobald wir sie haben", hieß es zum Abschluss in dem Eintrag. Die
Polizei von Milwaukee ist nur eine von einer wachsenden Zahl an
Polizei- und Feuerwehrdienststellen in den USA, die versuchen,
Dienste wie Twitter zu nutzen. Einige Behörden warnen zum Beispiel
Autofahrer vor Staus, andere geben Tipps zur Vorbeugung vor
Verbrechen oder Verhaltenshinweise bei Waldbränden, Bombendrohungen,
Schulschließungen und Evakuierungen.
Wer folgt?
Bei Twitter entscheidet über die Reichweite vor allem die Zahl der
sogenannten Follower, das sind diejenigen, die die Nachrichten eines
bestimmten Anbieters abonniert haben. Und öffentliche Behörden liegen
da noch weiter hinter Promis wie Lance Armstrong und Demi Moore, die
mehr als 500.000 Anhänger haben. Die Polizei von Milwaukee kommt nur
auf rund 900. Aber prinzipiell kann jeder Nutzer von Twitter die
Nachrichten sehen. Die Sprecherin der Polizei von Milwaukee, Anne E.
Schwartz, hält den Dienst deshalb auch für sinnvoll und erklärt: "Wir
versuchen, die Menschen dort zu erreichen, wo sie ohnehin schon noch
Informationen suchen."
Lizenz zum zwitschern.
Ein Manko von Twitter ist, dass Identitäten keineswegs klar sind.
Jeder kann behaupten, eine bestimmte Polizeidienststelle zu sein. Im
März erreichten die Behörden von Texas die Schließung einer
Twitter-Adresse, die sich "Austin PD" (Polizeibehörde Austin) nannte,
450 Follower hatte und das offizielle Emblem der Stadt benutzte. Wer
dahinter steckte, ist nicht bekannt. Die Mitteilungen waren aber
immerhin so gehalten, dass sie als Scherz zu erkennen waren. Schwartz
verweist darauf, dass jeder, der Zweifel an der Echtheit hat, bei der
Polizei anrufen kann. Zudem gebe es bei den meisten Mitteilungen auch
einen Link zur offiziellen Polizei-Website.
Senden und empfangen.
Während die Polizei in Milwaukee und andernorts Twitter vor allem
nutzt, um die Menschen auf Nachrichten hinzuweisen, nimmt die
Feuerwehr in Los Angeles auch Meldungen über Twitter entgegen.
Sprecher Brian Humphrey erklärt, er habe Twitter 2007 während des
Waldbrands im Griffith Park genutzt, um nach Begriffen wie "LA" und
"Feuer" zu suchen, um in Echtzeit Informationen über neue Brände und
die Richtung der Feuer zu bekommen. Dies gab er dann an die
Feuerwehrmänner vor Ort weiter.
Nur "ergänzend".
Er wisse um die Risiken bei Twitter, sagt Humphrey. Aber die
Behörde nutze ja auch weiter die traditionellen Medien und andere
Wege, um ihre Informationen zu verbreiten. Die Bundespolizeibehörde FBI nutzt Twitter (FBIPressOffice) seit Herbst und hat mehr als 2.000 Follower,
darunter auch mindestens 150 Behörden für öffentliche Sicherheit.
Auch Obama twittert.
Special Agent Jason Pack erklärt, Twitter werde für Stellenausschreibungen, Informationen über
Computerwürmer, Flüchtige und vermisste Kinder genutzt.
Während der
Amtseinführung von Präsident Barack Obama wurden auch Informationen
über Kontrollstellen und gesperrte U-Bahnhöfe in Washington über
Twitter verbreitet. Für Pack ist Twitter noch ein Test. Er will mit
dem Dienst vor allem die Öffentlichkeit informieren. Zu oft hänge die
Meinung vom FBI vom Fernsehen ab, sagt Pack. "Wenn wir die
Möglichkeit haben, selbst die Leute zu informieren, dann ist das eine
gute Sache."











