Eine Panne hätte Hackern fast Kontrolle über das Internet erlaubt
Eine durch Zufall entdeckte Panne im Internet hätte es Hackern fast ermöglicht, die weitgehend Kontrolle über das weltweite Datennetz zu übernehmen.

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Nach sechs Monaten Arbeit
im Geheimen stellten große Hardware- und Softwarefirmen am Dienstag
ein sogenanntes Patch, ein Korrekturprogramm, bereit. Auf den Fehler
war der Sicherheitsspezialist Dan Kaminsky von der Firma IOActive
gestoßen, als er etwas völlig anderes suchte. Wären auch Hacker
darauf gestoßen, hätten sie Internetdomains auf andere Seiten
umleiten sowie E-Mails und vertrauliche Daten abfangen können.
Herzstück des Web.
Die Panne, die Kaminski ausfindig gemacht hatte, lag im Herzstück
des Internets, dem Domain Name System (DNS). Das ist dafür zuständig,
lesbare Domainnamen wie www.google.de den dahinterstehenden
Internetseiten zuzuordnen. Dazu ordnet es den Domainnamen einen
Nummerncode - die IP-Adresse - zu. Das gleiche geschieht im
Hintergrund beim Verschicken von E-Mails. Damit ist das DNS das
Telefonbuch des Internet: Hätten sich nun Kriminelle dort eingehackt,
hätten sie die Zuordnung jedes einzelnen Domainnamens zu seiner
IP-Adresse ändern - und das Internet beherrschen können.
Leichtes Spiel.
Im harmlosen Fall wären die Leser einer Internetseite auf
irgendeiner ganz anderen Seite gelandet. Hacker hätten aber auch
gezielt Internetseiten nachbauen können, um die Nutzer zu täuschen.
Damit hätten etwa Bankkunden beim Onlinebanking auf ganz anderen
Internetseiten landen können - ohne es zu merken, denn der korrekte
Domainname der Bank hätte weiter in der Adresszeile gestanden.
Kriminelle hätten so persönliche Daten abfangen können, etwa die
Kontonummer, die Geheimzahl und Transaktionsnummern für das
Onlinebanking. Solche sogenannten Phishing-Attacken gibt es auch so
im Internet - doch die Panne hätte es den Hackern um einiges
einfacher gemacht.
Warnung an Konzerne.
Auch die Seiten von E-Mail-Anbietern hätten die Hacker nachbauen
können, um so Benutzernamen und Passwörter auszuspähen. Doch selbst,
wenn der eigene E-Mail-Anbieter nicht betroffen gewesen wäre, hätten
Mails abgefangen werden können: Auch beim Versenden von Nachrichten
wird die Adresse des Empfängers einer IP-Nummer zugeordnet.
Angreifbar wären zudem große Netzwerke von Unternehmen, Behörden und
Universitäten gewesen.
Nach seiner Entdeckung kontaktierte Kaminsky Konzerne wie die
Softwareriesen Microsoft und Sun oder den Internet- und
Netzwerkspezialisten Cisco. Diese stellten ein Team aus 16 Forschern
zusammen, um geheim eine Lösung zu suchen. Das Ergebnis war das
Patch, das seit Dienstag zur Verfügung steht und das alle beteiligten
Firmen gleichzeitig freigaben. Gleichzeitig veröffentlichte auch die
in den USA von Firmen und dem Staat gegründete
Sicherheitspartnerschaft CERT eine Warnung.
"Keine Panik".
"Die Menschen sollten besorgt sein, aber nicht in Panik
ausbrechen", sagte Kaminsky am Dienstag in einer Telefonkonferenz.
Bei den meisten Computerbesitzern sollte das Patch automatisch über
die regelmäßigen Sicherheitsupdates installiert werden. Wer auf
seinem Computer, etwa unter Windows, die automatischen Updates
deaktiviert hat, sollte allerdings ein manuelles Update durchführen,
um das Reparaturprogramm zu installieren, sagte Daniel Bachfeld von
der Computerzeitschrift "c't".
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Ist das Reparaturprogramm installiert, sollte das Problem behoben sein: Hacker können es nach Angaben Kaminskys nicht auf den ursprünglichen Fehler schließen. Die technischen Details der Panne sollen noch einen Monat geheim gehalten werden










