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Zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 um 05:12 UhrKommentare

Die Lehre wird in Kärnten wieder modern

Die Lehrlinge, die in der Kärntner Industrie unterkommen wollen, sind immer besser ausgebildet. Ungewöhnlich, aber nachvollziehbar: Immer mehr Kärntner starten nach der Matura eine Lehre.

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Noch vor wenigen Jahren galt es als nachhaltige Drohung in Elternhaus und Klassenzimmer: "Wennst die Schule nicht schaffst, dann musst eben lernen gehen!" Das Image der Lehre galt als mehr als verbesserungswürdig. Wer die Matura schaffte, ging studieren, auf die Pädak - oder sah sich nach einem Bank- oder Versicherungs-Job um.

In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten wie diesen wendet sich das Blatt, wie die Kärntner Industrie jetzt erforscht hat. Die Industriellenvereinigung als Standesvertretung erstellte erstmals ein "Lehrlings-Barometer". Eigentlich, um zu sehen, wie viele sich für einen Job in der Industrie interessieren und wie sie herkommen.

Die Befragung von Kärntner Unternehmen mit insgesamt 11.500 Beschäftigten ergab dann erstaunlicherweise, dass immer mehr Bewerber aus höheren Schulen kommen. "Ein Drittel der angehenden Lehrlinge in der Kärntner Industrie kommen aus höheren Schulen", weiß Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung (IV). Konkret haben 36 Prozent schon die Matura, wenn sie eine Lehre beginnen wollen. Ein überraschender Trend: nach der Matura wird nicht studiert, sondern eine Lehre angehängt. Was auf den ersten Blick unlogisch erscheint, hat gute Gründe: Eine Lehre ist eine fundierte Berufsausbildung, mit der Matura jedoch ist keine unmittelbare berufliche Qualifikation verbunden. Außerdem dürfen Maturanten eine verkürzte Lehre machen: Sie dauert dann zwei statt wie üblich drei Jahre. Mit einer Lehre in der Tasche kann man einen Familienbetrieb übernehmen oder - sich selbstständig machen.

Angesichts ihrer Ausbildung ist es nicht verwunderlich, dass jene Kärntner Jugendlichen, die sich für eine Lehre bewerben, auch gut qualifiziert sind. Sie bringen laut Industriellenvereinigung sogar "gutes handwerkliches Geschick" mit, können logisch denken und sind passabel in Deutsch und Mathe. Einzig in Englisch hapert's, führt IV-Präsident Otmar Petschnig an.

Obwohl kärntenweit derzeit zwei Bewerber auf eine Lehrstelle kommen, konnte die Industrie zuletzt unter durchschnittlich acht Bewerbern pro Lehrplatz wählen." Ein bemerkenswerter Überhang - und das, obwohl die Zahl der Volksschüler im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts um fast ein Drittel zurückging.

Gute Bewerber

"Unsere Ergebnisse belegen, dass man das Vorurteil des schlechten Images der Lehre wohl endgültig ad acta legen kann", sagt Petschnig erfreut. Er führt die guten Bewerber freilich auf die attraktiven Lehrplätze in der Industrie zurück.

Aber auch die Branche selbst hält große Stücke auf diese Art der Ausbildung. Auf die Frage, welche Absolventen zur Deckung des Fachkräftebedarfs am wichtigsten sind, nennen derzeit 70 Prozent der produzierenden Unternehmen die Lehrlingsausbildung. Erst dahinter liegen HTL, Uni, Fachhochschule. Am begehrtesten sind übrigens Elektrotechniker, Bauingenieure und Maschinenbauer.

EVA GABRIEL

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Grafik © IV Kärnten

Grafik vergrößernLehrlingssituation in KärntenGrafik © IV Kärnten

In die Hände gespuckt

Obwohl die Industrie derzeit mit ihren Lehr-Bewerbern zufrieden ist, finden viele keinen Platz. 150 bis 200 offene Lehrstellen fehlen in Kärnten über alle Branchen gerechnet im Jahresdurchschnitt.

Nachfrage und Angebot passen nach wie vor nicht zusammen. Die meisten jungen Männer wollen Kfz-Mechaniker werden. Bei den Frauen sind Lehrberufe im Büro, im Einzelhandel und im Friseurstudio am beliebtesten.

Zurzeit raufen sich statistisch in Kärnten zwei Jugendliche um eine Lehrstelle.

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