Sie feilen am Werkstück und an der Persönlichkeit
Englischkurse, Persönlichkeitstraining, internationale Austauschprogramme - Firmen wie Magna lassen sich immer mehr einfallen, um der Jugend zu gefallen.

Foto © FotoliaSujetbild
Früher, ja früher da war vieles anders. Wobei früher nicht vor hundert Jahren sondern eher vor einigen Jahren meint. Noch vor einigen Jahren kamen beim Autozulieferer Magna auf jede offene Lehrstelle bis zu zehn Bewerber. "Mittlerweile liegt das Verhältnis bei drei, maximal vier Bewerbungen je Lehrstelle", so Christian Krenn, Lehrlingsbeauftragter bei Magna Heavy Stamping in Albersdorf. Eine Entwicklung, mit der viele steirische Industriebetriebe zu kämpfen haben. Doch abfinden will man sich damit nicht. "Wir müssen einfach noch mehr anbieten", so Johann Sommer, seit 13 Jahren Lehrlingsausbildner im Magna-Reich.
Künftig erhalten die Magna-Lehrlinge auch ein Persönlichkeitstraining und absolvieren Kurse etwa im Konfliktmanagement. Zum bewährten Standardprogramm des weltweit tätigen Autozuliefer-Imperiums zählen auch Prämiensysteme für erfolgreiche Lehrlinge sowie eigene professionelle Englischkurse über die gesamte Lehrzeit hinweg. "Die Lehrer kommen aus englischsprachigen Ländern und reden auch nur Englisch mit uns. Da sind wir gefordert, drauflos zu sprechen", so Michael Potnik, Zerspanungstechniker im 2. Lehrjahr. Das ist laut Ausbildner Sommer das wichtigste: "Grammatik können viele, aber reden trauen sich einige nicht."
Fachenglisch fürs Leben
"Wir lernen auch die ganzen Fachbegriffe, die wir im Beruf brauchen", ergänzt Magna-Lehrling Joachim Marx. Dass sie Englisch wirklich fürs tägliche Leben brauchen, das sei ihnen jetzt viel klarer als noch zu Schulzeiten. Schließlich liebäugeln sowohl Potnik (er stammt quasi aus einer Magna-Dynastie, auch Vater und Brüder haben bei Magna gelernt) als auch Marx damit, später einmal für Magna im Ausland tätig zu sein. So wie es manche ihrer Vorgänger gemacht haben: "Ein junger Facharbeiter und früherer Lehrling von uns ist derzeit in Mexiko und spielt dort bei der Übertragung von Montagelinien von den USA nach Mexiko eine zentrale Rolle", so Sabine Marterer, Personalmanagerin bei Magna Powertrain in Lannach.
Die Internationalität des Unternehmens spiegelt sich auch in einem eigenen Austauschprogramm für Lehrlinge wider. "Wir haben hier eine Kooperation mit Daimler Benz in Bremen", so Sommer. Für sechs Wochen arbeiten zehn Magna-Lehrlinge in den dortigen Produktionshallen. "Das fördert auch die Selbstständigkeit, unsere Jungen reisen auf eigene Faust an und behaupten sich dort sehr gut." Zum Abschluss präsentieren die Lehrlinge ihre Eindrücke vor dem Magna-Vorstand. "Das sind unbezahlbare Erfahrungen für die Jugendlichen. Wir bauen diesen internationalen Austausch auch sukzessive aus", so Sommer.
Eine Schlüsselrolle in der Persönlichkeitsbildung nehmen bei Magna mittlerweile die so genannten "Basics" ein. "Es sind die einfachsten Dinge, wir lernen den jungen Menschen das Lernen, das können sie vielfach nicht mehr. Am Computer sind sie alle perfekt, aber wenn es darum geht, in der früh zu grüßen, da gibt's bei manchen schon Defizite. Doch an diesen sozialen Umgangsformen arbeiten wir hier intensiv", so Sommer.
Features
Zum Thema
Fakten
Jetzt bewerben! Die Kleine Zeitung vermittelt 700 Lehrstellen in der steirischen Industrie und zeigt die Chancen auf, die Jugendliche dort haben.







