Lernjahre und Lehrjahre im Vergleich
Tatort Familientreffen: Eine junge Juristin und ihr Cousin, ein gelernter Spengler, machen den Gehalts-Check. Das Ergebnis: Handwerk hat immer noch goldenen Boden!

Foto © ISTOCKMartina, die frisch gebackene Juristin, steht mit 25 Jahren am Anfang ihrer Karriere
Martina und Peter: Schon als kleine Kinder – Cousine und Cousin – sind die beiden unzertrennlich und erleben allerlei Spannendes, klettern gemeinsam auf Bäume und bauen Sandburgen. Dann kommt der Kindergarten, später die Schule. Schließlich schlagen Martina und Peter verschiedene Richtungen ein: Mit 15 Jahren beginnt Peter seine dreijährige Spenglerlehre, Martina nimmt die Oberstufe in Angriff. Während der Schülerin die nahende Matura als Lohn erst einmal genügen muss, erhält ihr Cousin, der Lehrling, pro Monat eine Entschädigung von 496 Euro (alle Angaben brutto). Als er volljährig wird, sind es schon 895 Euro, die Peter pro Monat zur Verfügung hat. Martina besteht die Matura, Peter seine Lehrabschlussprüfung (LAP).
Sie feiern ihre Erfolge im Kreise ihrer Familie und ziehen Bilanz: Der angehende Facharbeiter hat gegenüber der Maturantin einen Gehaltsvorsprung von rund 25.000 Euro angehäuft. Und wie geht?s weiter? Peter leistet seinen Präsenzdienst ab, Martina sammelt ein Jahr Erfahrung im Ausland. Peter wird danach Facharbeiter, Martina nimmt ihr Studium der Rechtswissenschaften auf. Beide arbeiten fleißig – Peter im Job, Martina im Studium. Sie beendet ihr Studium in Mindestzeit und wird mit 24 Jahren Magistra. In der Zwischenzeit hat Peter monatlich etwa 2500 Euro verdient und seiner Cousine bis zu ihrem Ausbildungsende nach rund fünf Jahren im Job rund 155.000 Euro Einkommen voraus. Er bereitet sich auf die Spengler-Meisterprüfung vor, nach der er mit bis zu 3000 Euro pro Monat rechnen kann. Martina beginnt ihr Gerichtsjahr – und verdient 1300Euromonatlich.UntermStrichhat Spengler Peter im Alter von 25 Jahren einen Gehaltsvorsprung von mehr als 200.000 Euro herausgearbeitet. Es dauert einige Jahre, bis Martina das als Juristin aufholen kann.
Features
Foto

Der Spengler Peter hat mit 25 gut lachen: Er hat bereits satte 211.000 Euro verdientFoto © ISTOCK
Foto

Karl-Heinz Snobe, Geschäftsführer des AMS-Steiermark,Foto © AMS
Kommentar
Man muss halt auch zugreifen
Während unsere Betriebe
die Qualität von Bewerbern
beklagen und händeringend
nach geeigneten
Lehrlingen suchen, bleibt
ein großes Potenzial für
unseren Arbeitsmarkt immer
noch größtenteils ungenutzt:
Arbeitssuchende
mit Migrationshintergrund.
Gleichzeitig entscheiden
sich immer mehr Jugendliche
für das weiterführende
Schulwesen, obwohl sie im
System der Lehre vielleicht
sogar die besseren Karrierechancen
hätten.
Ein Appell an die Wirtschaft
muss lauten, bei unseren
vorhandenen Potenzialen
besser zuzugreifen.
Im vergangenen Jahr waren
mehr als 15 Prozent der Migranten
in der Steiermark
arbeitslos. Bei Personen
ohne Migrationshintergrund
lag die Quote bei 6,6
Prozent. Das AMS versucht
mit speziellenMaßnahmen,
dieses Potenzial zu heben.
Was aber nur Sinn macht,
wenn es auch genutzt wird.
Auf deranderen Seite wird
es zunehmend wichtiger,
Bildungswege wie Lehre
und Schule auf Augenhöhe
miteinander zu vergleichen.
GefragtsindalsoauchEltern
und Lehrer, die den erfolgreichen
Berufseinstieg bzw.
realistische Karrierechancen
vor gesellschaftlich
längst überholte Vorurteile
stellen.









