Zwischen Überschwang und Ernsthaftigkeit
Jung, dynamisch und dennoch oft in festgefahrenen Schienen unterwegs. Stärken und Schwächen der beiden Stockerlplätze beim Job & Karriere Award 2010.

Foto © kleine OnlineDiakonie Kärnten und dm
DM
Eine lebendige Bildsprache, ein Textfluß, der an einen Rap erinnert und eine klare Aussage: Du bist jung und willst mehr, komm zu DM. Der Konzern versucht mit seinem Jobinserat eine Zielgruppe direkt anzusprechen und schafft dies erstaunlich gut. Die Wahl der Farbe und und die Bildkomposition scheinen den Betrachter mitten ins Geschehen zu holen – anzuspringen, beinahe so, als ob die jungen Frauen auf dem Foto Außenstehenden zeigen möchten, wie viel Spaß die Arbeit machen kann. Dafür heimste das Unternehmen beim diesjährigen Job und Karriereaward der Kleinen Zeitung den ersten Platz ein.
Der Handel bzw. die Kosmetikbranche haben diese positive Art von Mitarbeiterwerbung nötig. Neben den langen Öffnungszeiten, sind auch die Gehaltsaussichten nicht gerade rosig. Doch die Botschaft, die das Inserat vermittelt, scheint in diesem Kontext schwierig: eine Lehre hat eher mit harter Arbeit zu tun, als mit einem netten Nachmittag mit Freunden auf der Couch – so wie es uns das Siegerbild zu vermitteln versucht. Zudem pocht die Darstellung auf traditionelle Geschlechterrollen. Schade, gerade in dieser, von Frauen dominierten Branche, hätte man sich eine Einbeziehung beider Geschlechter gewünscht.
Diakonie Kärnten
Die Diakonie Kärnten schreitet bei ihrer Mitarbeiterfindung nüchterner zu Werke. Das Foto hinter dem Anzeigentext spielt mit Emotionen und macht betroffen; sowohl durch die dunkle Farbwahl, als auch durch die Bildkomposition. Dabei bereitet das Szenario, das einen behinderten Menschen und vermutlich seinen Betreuer zeigt, den zukünftigen Kollegen auf einen oft schwierigen Alltag bei der Arbeit mit gehandicapten Menschen vor. Die Diakonie konnte mit dieser Werbung den zweiten Platz für sich beanspruchen.
Der Institution ist es mit diesem Inserat gelungen, den weiblich geprägten Pflegeberuf aufzubrechen: Das Geschlecht der Person auf dem Foto ist nicht zu identifizieren und der Text ist ebenfalls geschlechtsneutral formuliert. Damit zeigt die Diakonie ein Bewusstsein für gesellschaftliche Vorgänge und ein ehrliches Interesse daran – auch wenn sie mit ihrem Inserat einen Hauch zu dick aufgetragen hat. Die Botschaft wäre ebenso ohne das demonstrative Wort "love“ auf dem T-shirt des Betreuers deutlich geworden.













