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Zuletzt aktualisiert: 17.09.2011 um 05:10 UhrKommentare

Immer mehr Kinder haben Angst vor Schule

Jedes sechste Kind hat Angst, morgens in die Schule zu gehen: Der Leistungsdruck zwingt Schüler oft in die Knie. Übelkeit, Schlaflosigkeit und Nervosität können auf Schulangst hinweisen.

Leistungsdruck, Überforderung und schlechte Noten führen bei Kindern oft zu Angst vor der Schule

Foto © StuhlhoferLeistungsdruck, Überforderung und schlechte Noten führen bei Kindern oft zu Angst vor der Schule

Jedes sechste Kind hat Angst, morgens in die Schule zu gehen. Ihm ist übel, Bauch oder Kopf schmerzen, es klagt über schlaflose Nächte und ist nur noch schlecht drauf. "Leider keine Seltenheit", sagt Gerald Salzmann vom Institut für Bildung und Beratung. Schulangst sei im Zunehmen begriffen.

Der Erziehungswissenschafter und Psychologe führt das auf zwei Phänomene zurück. Erstens auf die Leistungsgesellschaft, in der Eltern vermehrt Druck auf ihre Kinder ausüben und Kinder sich selbst zu stark fordern. Und zweitens auf die Risikogesellschaft, die die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes schürt. "Eltern wollen oft, dass ihre Kinder früh beste Leistungen erbringen", erklärt Salzmann und fügt hinzu: "So sollen sie für die fragwürdige und schnelllebige Zukunft bestens gerüstet werden."

Doch nicht nur der Druck von Eltern kann bei Kindern zu Schulangst führen - auch eine Überforderung bei den gestellten Aufgaben, schlechte Noten oder Mobbing unter den Schülern. "Das ist ein zentrales Problem. Manchmal führt bereits die ,falsche' Kleidung zum Ausschluss aus der Klassengemeinschaft."

Wie erkennt ein Elternteil, dass sein Kind unter Schulangst leidet? "Massive, andauernde Veränderungen im Verhalten des Kindes können darauf hinweisen", sagt Salzmann. Neben den bereits genannten Symptomen werden manche Kinder sehr aggressiv, während andere sich zurückziehen. Wenn das der Fall ist, sollte man mit seinem Kind reden und auch den Lehrer aufsuchen. "Aber man sollte den Lehrer nicht gleich mit einer Schulangst konfrontieren, sondern ihn fragen, wie er seinen Schüler im Unterricht sieht." Hilft das nichts, sollte man Experten hinzuziehen und über einen möglichen Schulwechsel nachdenken. Allerdings weist Salzmann auch daraufhin, dass nicht jede Angst vor der Schule gleich Schulangst sein muss. "Neue Mitschüler und Lehrer sind eine Herausforderung. An die muss man sich erst gewöhnen."

ESTHER FARYS

Tipps für Eltern

Gespräch: Suchen Sie das Gespräch mit Lehrpersonen, wenn Ihr Kind Schulprobleme entwickelt oder ein Verhalten zeigt, das Ihnen Sorgen bereitet.

Kinderarzt: Klären Sie unbedingt mit einem Kinderarzt mögliche organische Ursachen bei Schlaflosigkeit, Bauch-, Kopfschmerzen, Nervosität, Übelkeit, häufigen Erkältungen etc. ab.

Professionelle Fachkräfte: Ziehen Sie bei Teilleistungsschwächen nach Rücksprache mit dem Lehrer besonders ausgebildete Fachkräfte hinzu, sodass Ihr Kind optimal gefördert wird.

Entspannungsmöglichkeit: Überprüfen Sie regelmäßig den Tagesablauf Ihres Kindes und stellen Sie genügend Ausgleichs- und Entspannungsmöglichkeiten für Ihr Kind zur Verfügung. Schauen Sie, dass für Ihr Kind Aktivitäten mit Erfolgserlebnissen verbunden sind.

Lösungen besprechen: Nehmen Sie die Sorgen Ihres Kindes ernst und erarbeiten Sie mit ihm gemeinsam eine Lösung. Im Extremfall hilft womöglich nur noch ein Schulwechsel.

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