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Zuletzt aktualisiert: 11.06.2011 um 05:10 UhrKommentare

Tausende Talente in Gefahr

Ohne eine grundlegende Reform des Schulwesens wird Österreich seine Konkurrenzfähigkeit verlieren. ÖVP-Schulexperte Bernd Schilcher klagt, dass sich das Schulsystem auf die "Verwaltung" schwacher Schüler beschränke, statt die begabten zu fördern.

Die Neue Mittelschule räumt Hindernisse auf dem Weg zu einem freieren Lernen aus dem Weg. Das kostet halt Geld

Foto © FotoliaDie Neue Mittelschule räumt Hindernisse auf dem Weg zu einem freieren Lernen aus dem Weg. Das kostet halt Geld

Wenn in Österreich die Bildungspolitik nicht bald neue Wege einschlägt, sehen Bildungsexperten schwarz für die Zukunft des Landes. Die Industriellenvereinigung (IV), die seit Jahren den schlechten Ausbildungsstand der Jugend beklagt, hatte Donnerstagabend prominente Fachleute ins Auditorium der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt eingeladen, um die Frage "Ist Österreich unbelehrbar?" zu diskutieren. Die Experten zeichneten ein düsteres Bild. Ex-Schulratspräsident und ÖVP-Schulexperte Bernd Schilcher klagte, dass sich das heimische Schulsystem auf die "Verwaltung" schwacher Schüler beschränke, statt die begabten zu fördern.

Schilcher führt das auf die theresianischen Grundfeste des heimischen Schulwesens zurück, das "militärisch inspiriert" war, was noch immer seine Auswirkungen zeige. Die Folge: "Österreich verliert jährlich tausende Talente, weil sie nicht gefördert werden." Die Schuld für die Tristesse an den heimischen Schulen weist Schilcher seinen Politiker-Kollegen zu, die "wegen der hohen Berge" nicht über den Horizont hinausblicken können.

Lehrer und Autor ("Der engagierte Lehrer und seine Feinde") Niki Glattauer verstärkte Schilchers Forderung: "Die heimischen Lehrer arbeiten mit einem antiquierten Betriebssystem. Deshalb muss man die Festplatte löschen und neu aufsetzen." Statt Ausbildungs- gebe es in Österreich aber eine Lehrer-Diskussion. Statt gebührender Tapferkeitsmedaillen bekämen die Pädagogen öffentlich Ohrfeigen.

Drastisch schildert Glattauer die Position der Pflichtschullehrer: "Wir unterrichten unsere Schüler nicht, wir haben sie. Dann müssen wir ihnen zeigen, wie man die Schuhe bindet und ihnen beibringen, sich nicht nur von Hamburgern zu ernähren."

Bildungs-"Guru" Andreas Salcher hielt fest, dass 21 Prozent der Pflichtschul-Absolventen in Österreich als "funktionelle Analphabeten" gelten, also nicht ausreichend lesen und schreiben können. Salcher: "SPÖ und ÖVP haben das Schulsystem im Würgegriff. Bis zur Putzfrau werden alle Posten nach dem Proporz-System besetzt." Die Politiker seien nicht dumm, sondern töricht: "Denn sie handeln wider besseres Wissen."

Salcher warnt: "Ein sinkendes Bildungsniveau vermindert die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den anderen Ländern. Deshalb kann es sich Österreich nicht länger leisten, so fahrlässig wie bisher mit den Begabungen seiner Kinder umzugehen." Nur ein modernes Bildungssystem könne die Zukunft sichern.

ROBERT BENEDIKT, JOCHEN BENDELE

Zahlen

50 Cent: Gerade einmal die Hälfte jedes in die Bildung investierten Euros kommt auch tatsächlich in den Klassen an, meint Reinhard Iro.

700.000.000 Euro: Diese Summe versickert laut Bernd Schilcher in der Schulverwaltung. Ihm wäre lieber, wenn das Geld in die Verbesserung des Unterrichts fließen würde.

21 Prozent funktionale Analphabeten. So groß ist der Anteil an Schülern, die längere Texte nicht verstehen können und große Mühe beim Lesen haben, meint Lehrer Niki Glattauer.

1000 Jugendliche im Schulalter wird Kärnten bis 2020 weniger haben. Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

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Kommentar

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