Starköchin Sarah Wiener: "Chef ist man nicht, Chef wird man"
Ob es schick ist, kümmert sie nicht. Hauptsache, es schmeckt und ist ethisch vertretbar. Sarah Wiener kocht ihr eigenes Süppchen und ist damit höchst erfolgreich.

Foto © APAWiener "will spontan bleiben"
Fernsehköchin Sarah Wiener (46) ist trotz Gastro-Höhenflug auf dem Boden geblieben. Sie schätzt einen guten, alten Schmarren mehr als "zwei Erbsenhälften gefüllt mit Safranschaum" und ist - wie sie selbst sagt - mehr die Sozialistin unter den Köchen, die gerne ihre Geheimrezepte teilt und immer wieder selbst in die Lehre geht.
Sie haben die Schule abgebrochen und auch keine abgeschlossene Ausbildung. Was bedeutet Lernen für Sie?
SARAH WIENER: Sehr viel. Ich musste mich am Anfang meiner Karriere selbst fortbilden, mich in steuerrechtliche Dinge einarbeiten, mit der ganzen Bürokratie klar kommen. Ich stelle mich heute noch gerne Herausforderungen und will Neues lernen. Das gibt dem Leben Würze.
War die Neugierde die Triebfeder für Ihre TV-Serie "Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener", die im Herbst mit neuen Folgen herauskommt?
WIENER: Ja, ich bekomme immer nur das Ticket und die nächste Adresse in Frankreich. Ich will dabei als Lehrling auftreten, nicht als Profi. Das finde ich auch angemessen, weil ich mich auf fremden Terrain bewege. Französisch habe ich auch gelernt. Das war zwar eine Überwindung, macht aber vielleicht anderen Leuten Mut. Sprache ist schließlich das Kommunikationsmittel Nummer eins.
Was können Sie jungen Köchen raten, die einmal so bekannt werden wollen wie Sie?
WIENER: Junge Menschen müssen erst einmal einen lange Atem haben, zäh sein, sich beraten lassen, ausprobieren, am Ball bleiben. Man darf nicht denken, man ist morgen Millionär. Aber, wenn man etwas aus Leidenschaft macht und gut sein will, ist die finanzielle Anerkennung zunächst nicht so wichtig. Man muss Freude an den Dingen haben und daran besser werden.
Ist Lob im Übermaß schlecht für junge Leute?
WIENER: Lob darf man einfach nicht immer für bare Münze nehmen. Man sollte selbst am Boden stehen. Immer. Auch, wenn man in den Himmel gelobt wird, man ist seine eigene Instanz und hat seine eigene Moral. Keiner kann einem Kritik oder Lob geben, wenn man sich das nicht selber geben kann, weil man eben nur selbst genau weiß, ob man es gut oder schlecht gemacht hat.
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Steckbrief
Sarah Wiener ist die Tochter des Schriftstellers Ossie Wiener und der bildenden Künstlerin Lore Heuermann. Sie wächst in Wien auf, bricht die Schule ab und trampt durch Europa, lebt von Sozial-
hilfe, macht das Catering für Filmproduktionen.
2004 spielt sie in "Abenteuer 1900 - Leben im Guthaus". Heute führt sie drei Lokale in Berlin.
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