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Zuletzt aktualisiert: 30.04.2007 um 13:03 Uhr

Stress durch Unterforderung

Müde, ausgebrannt, unzufrieden, depressiv - die Ursache kann nicht nur Überlastung am Arbeitsplatz, sondern auch Unterforderung sein.

Foto © APA

War das heute wieder ein anstrengender Arbeitstag! Sie haben am Vormittag im Internet gesurft, nach Mittag eine lange Kaffeepause gemacht und den Nachmittag mit der Gestaltung einer privaten Einladung zugebracht. Willkommen im Boreout!

Depressiver Zustand. Nach dem vielzitierten Burnout haben ist nun die Begrifflichkeit des Boreout hinzugekommen, womit Ausgebranntsein aus Langeweile gemeint ist. Beim Boreout geht es nicht um die Überforderung im Job oder auch im Privatleben, das zum Burneout führt, sondern ganz im Gegenteil, um die Unterforderung am Arbeitsplatz. Schließlich fühlen sich die Betroffenen beider Phänomene müde, ausgebrannt, unzufrieden und oftmals in einem depressiven Zustand wieder.

Verwandtschaft. Die Autoren Philippe Rothlin und Peter R. Werder haben in ihrem neuem Sachbuch die "Diagnose Boreout" genauer unter die Lupe genommen und nehmen Skeptikern dieses Phänomens gleich ein entscheidendes Argument aus der Hand: "Der Boreout ist zwar mit der Faulheit verwandt, aber er ist in seiner Ausprägung und in seinen Ursachen nicht mit ihr vergleichbar." Rohtlin und Werder sind sich sicher: "Es gibt äußere Umstände, die einen Arbeitnehmer faul oder träge werden lassen." Arbeitnehmer, die an Boreout leiden, sind demnach also faul gemacht worden, sind sich die beiden sicher. Langeweile und Desinteresse zeigt sich im Verhalten eines an Unterforderung leidenden Arbeitnehmers. Denn wer sich unterfordert fühlt, dem ist meist auch langweilig und dies führt bei vielen Menschen schließlich zum völligen Desinteresse - also der fehlenden Identifikation mit der Arbeit.

Umfragen. Zahlreiche anonymisierte Umfragen in Unternehmen haben ergeben, dass gerade die unterforderten Mitarbeiter die Unzufriedensten sind, weil sie schlichtweg gerne mehr leisten würden. Und wer sich unzufrieden fühlt, der ist nicht mehr motiviert. Rothlin und Werde wissen: "Zu diesem Zeitpunkt entwickeln die meisten Menschen Boreout-Strategien, denn wer sich bei der Arbeit langweilt, kann das ja nicht so einfach zur Schau stellen." Für sie gilt: Ausgelastet zu erscheinen, obwohl man gänzlich die Lust an der Arbeit verloren hat. Manche Mitarbeiter hasten in einem solchen Zustand immer wieder aufgeregt die Gänge auf und ab, andere wiederum simulieren mit angestrengtem Blick auf den Computerbildschirm intensives Nachdenken oder tippen hektisch irgendetwas in dieTastatur.

Ausgelaugt sein. Endlich zu Hause angekommen, macht sich der Boreout-Zustand ebenfalls noch bemerkbar: Müde, matt und ausgelaugt kann nur noch das Fernsehen vom unangenehmen Zustand ablenken. Andere Menschen sind beispielsweise überaus gereizt, weil sie das Gefühl der Unzufriedenheit mit vorherrschenden Arbeitssituation vor der eigenen Haustüre nicht einfach abgeschüttelt können.

Falsche Berufswahl. Die schlechte Nachricht: Boreout macht vor keine Berufsgruppe wirklich halt und hat auch nichts mit schlechter Qualifikation oder Ausbildung zu tun. Ausschlaggebend kann etwa die falsche Berufswahl sein. Wer ausschließlich nach den Kriterien Sicherheit, hohe Entlohnung oder den standesgemäßen Kriterien der Eltern seinen berufliche Zukunft und Tätigkeit auserkoren hat, kann leicht in den Boreout-Zustand schlittern.

Lust an der Arbeit. Hat man den Traumjob gefunden, befindet sich damit aber im falschen Unternehmen, ist dies ebenfalls ein möglicher Auslöser des krankmachenden Zustands der Unterforderung. Denn wenn der Chef lieber alles selber erledigt, die übertragenen Aufgaben fad und die Aussicht auf einen Aufstieg gering ist, dann ist bald die Motivation und Lust an der Arbeit dahin.

Selbstmotivation. Sabine Oberreither, Trainerin für Motivation am Arbeitsplatz und systemischer Coach plädiert für die Selbstmotivation, da "Motivation selten von außen kommt. Wer sich im Job unterfordert fühlt, der soll sich überlegen, was müsste anders sein, damit es mir wieder gut geht. Hat man nicht die Möglichkeit oder Angst den Job zu kündigen, liegt der Versuch nahe, die Abteilung zu wechseln." Oberreither schlägt vor, mit dem Vorgesetzten ein Gespräch zu führen und mit Fingerspitzengefühl und konkreten Vorschlägen auf die Problematik hinzuweisen.

Prävention. Umgekehrt könnten Führungskräfte in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen präventiv dem Boreout bei Mitarbeitern vorbeugen. "Unterforderung resultiert auch aus dem Gefühl heraus, keine sinnstiftende Arbeit zu haben und nicht gebraucht zu werden - das ist ein Stressfaktor, ähnlich wie durch Überforderung verursacht", meint Oberreither. Der Rat der Buchautor: "Arbeiten Sie an Ihrer Einstellung zur Arbeit - aber kündigen Sie, wenn Sie vor lauter Sinnlosigkeit Ihrer Arbeit endgültig genug haben." Eine vernünftige Gewichtung der eigenen Arbeit zwischen Sinn, Zeit und Geld kann bei der Entscheidung hilfreich sein.

GABRIELE RABL

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