Brigitte Ederer: "Inszenierung gehört zum Leben"
Die mächtigste Frau Österreichs, aber noch lange nicht eitel: Brigitte Ederer über Karriere, Frust und Hausverstand und ihre mangelnde Begeisterung an einem Eigengarten.

Foto © Reuters
Sie sind auf Ihrer Karriereleiter ganz nach oben geklettert. Welchen Herausforderungen bietet die Zukunft noch für Sie?
BRIGITTE EDERER: An der Spitze von Siemens Österreich zu stehen und für so viele Menschenschicksale verantwortlich zu sein, fordert mich täglich zu großer Disziplin heraus. Später einmal würde ich gerne eine weise alte Frau sein, die nicht verbittert ist und auf ein erfülltes Leben zurückblickt.
Klingt ein bisschen nach Gartenidylle. Bedeutet das später einmal Zufriedenheit im Lehnstuhl?
EDERER: Ich habe und will keinen Garten, aber es hat schon mit Zurücklehnen und Zufriedenheit zu tun. Ich glaube, gegen Verbitterung anzukämpfen, ist eine große Aufgabe, die einem das Leben stellt. Wenn man im Leben auch Frustrationen und Enttäuschungen ausgesetzt ist, kann schnell Verbitterung entstehen. Rund zu laufen, heißt letztendlich, zufrieden zu sein. Das würde ich gern erreichen.
Als Sie von der WU Wien zur Managerin des Jahres 2006 gewählt wurden, haben Sie in Ihrer Rede auf den Hausverstand verwiesen. Wie wichtig ist er im täglichen Business?
EDERER: Man muss immer versuchen, mit dem Hausverstand an die Dinge heranzugehen. Und den Mut haben nachzufragen - so lange, bis der Verantwortliche in der Lage ist, alles plausibel zu erklären. Wenn er das nicht kann, dann ist die Sache oder der Verantwortliche nicht wirklich gut. Es gibt keine Ideen, die jemand, der sie wirklich versteht, nicht erklären kann. Ich bin überzeugt, dass zum Beispiel Herr Zeilinger einem die Quantenphysik ganz einfach erklären kann.
Siemens Österreich ist Part eines Weltkonzerns. Können Sie dennoch Ihre eigenen Ideen verwirklichen oder wünschen Sie sich manchmal ein bisschen mehr Eigenständigkeit?
EDERER: Der Eigentümer hat manchmal andere Vorstellungen. Somit besteht immer ein natürliches Spannungsverhältnis. Trotzdem sind wir sehr gut unterwegs. Wir bewähren uns mit eigenen Elektronikfertigungen auf dem Weltmarkt und geben rund 570 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus. So konnten wir unter anderem Weltkompetenzzentren des Unternehmens nach Österreich holen - etwa die für Maut und Biometrie. Mit der Zuständigkeit für Zentral- und Osteuropa betreuen wir einen größeren Wirtschaftsraum und haben somit auch mehr Eigenständigkeit.
Mit der Verantwortung für rund 31.400 Mitarbeiter in Zentral- und Osteuropa wird Internationalität von Ihnen verlangt. Müssen Mitarbeiter, um heutzutage voranzukommen, über globales Wissen verfügen?
EDERER: Ich glaube, es gibt heute keinen Job mit einem gewissen Rang, in dem man es sich leisten kann, nicht international interessiert zu sein. Ich kann es mir zum Beispiel nicht leisten, über Wahlen im Ausland nicht informiert zu sein. Über den französischen Wahlkampf weiß ich genau Bescheid. Schade nur, dass Frankreich im Moment eine Art Nabelschau betreibt und sich nicht um internationale Dinge kümmert, sondern ausschließlich um französische Angelegenheiten.
Features
Fakten
Brigitte Ederer wurde am 27. Februar 1956 in Wien geboren. Sie ist mit Hannes Swoboda verheiratet.
Werdegang. 1980 Abschluss des Studiums der Volkswirtschaft, 1992 Staatssekretärin, seit 2005 Generaldirektorin und Vorstandsvorsitzende der Siemens AG Österreich.
Unternehmen. Rund 31.400 Mitarbeiter, Umsatz 2006 x,x Mrd. Euro.














