Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
22. Mai 2013 17:23 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
 
Teilzeit vor der Pension Jeder Dritte liest Job-Mails im Bett Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Meine Karriere Nächster Artikel Teilzeit vor der Pension Jeder Dritte liest Job-Mails im Bett
Zuletzt aktualisiert: 15.09.2012 um 20:16 UhrKommentare

"Frauen müssen aus der Dazuverdienerrolle herauskommen"

In unserem vierten Sommerinterview mit Politikerinnen aus dem Bezirk Leoben spricht SP-Landtagsabgeordnete Helga Ahrer über Seilschaften, Bekanntheit und ihre Vermittlerrolle.

Foto © Andrea Walenta

Frau Ahrer, Sie sind seit 2010 SP-Landtagsabgeordnete und seit Kurzem ÖGB-Frauenvorsitzende der Steiermark. Wie sehen Sie, als Gewerkschafterin, die Rolle der Frau in der Politik?

HELGA AHRER: Die Rolle der Frau in der Politik ist nach wie vor schwierig, weil der Zugang ein anderer ist. Frau wird immer auf das Frausein reduziert. Das ist im Beruf und in der Politik so. Als ich zur ÖGB-Frauenvorsitzenden gewählt wurde, wurde ich gefragt: Wie schaffen sie das zeitlich? Haben sie eh kein Kind? Ein Mann wird das nie gefragt, ich habe es jedenfalls noch nie erlebt. Ich stehe nach wie vor mitten im Berufsleben bei den ÖBB. Da war es auch immer so. Und solange das so ist, wird sich nichts ändern. Das ist ein gesellschaftspolitisches Problem, weil Frauen noch immer auf Haushalt, Herd und Kinder reduziert werden.

Was können Sie dazu beitragen, dass sich dieser Zugang ändert?

AHRER: Es ist auch eines meiner Vorhaben, diesen Zugang zu ändern. Ich möchte das Selbstbewusstsein der Frauen stärken. Wir haben die höchste Arbeitslosigkeit bei Frauen über 50 Jahren, weil sie lange zu Hause bei den Kindern geblieben sind. Die Frauen müssen aus der Dazuverdienerrolle herauskommen. Zwei Drittel der Mindestpensionisten sind Frauen. Sie verzichten auf Karriereschritte und werden auch oft übersehen. Ein Beispiel dafür aus dem Handel: Filialleiter ist meist ein Mann, die Frauen sind teilzeitbeschäftigt.

Wie wollen Sie das Selbstbewusstsein der Frauen stärken?

AHRER: Es hapert schon bei der Bildung. Ich möchte Seminare anbieten und Offensiven starten, um in der Entwicklung etwas auf die Beine zu stellen, denn es scheitert meist an kleinen Dingen. Bis 2015 werden in Österreich 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätze in technischen Bereichen fehlen. Wir müssen schon im Kindergarten mit Projekten beginnen und verstärkt in Schulen gehen.

Sie gelten im Bezirk Leoben nach wie vor als die große Unbekannte in der politischen Landschaft. Haben Sie damit zu kämpfen? Ist es als Unbekannte schwieriger, etwas umzusetzen?

AHRER: Ja, ich bin eher unbekannt, obwohl ich sofort klare Zeichen gesetzt habe. Ich bin vehement gegen das Sparpaket des Landes aufgestanden, und es würde ohne meinen Einsatz keine AK-Pendlerinnenbeihilfe geben, die 70 Prozent der Frauen beziehen. Um etwas umsetzen zu können, ist Bekanntheit nicht notwendig. Mir ist Sachpolitik wichtig. Für mich ist nicht maßgebend, dass ich drei Mal wöchentlich aus der Zeitung lache. Taten sind für mich das Maß. Trotzdem muss man auch an seiner Bekanntheit arbeiten. In Eisenbahnerkreisen bin ich bekannt, denn ich bin auch Verkehrssprecherin. Mir ist es wichtig, an der Basis mit Leuten zu arbeiten, deshalb bin ich auch sehr oft in verschiedenen Betrieben unterwegs und stelle mich gerne Diskussionen. Es wird ohnehin viel zu wenig miteinander geredet. Für große Auftritte bin ich aber eher nicht.

Sie sind auch als Mediatorin nach dem Zivilmediationsgesetz des Justizministeriums tätig. Wie sehen Sie diese Aufgabe?

AHRER: Ich vermittle hier meist in arbeitsrechtlichen Dingen und bin auch auf der Kommunikationsschiene unterwegs. Dabei geht es oft darum, Machtverhältnisse zu klären. Etwa, wenn Frauen gegenüber Männern auf einer niedrigeren Stufe stehen. Beispielsweise bei der Bezahlung. Führungskräfte sollen auch soziale Kompetenzen mitbringen, aber nur ein Prozent besucht auf der Uni einen Lehrgang für soziale Kompetenz. Ich möchte aber auf keinen Fall Männer an den Pranger stellen. Bei Männern funktionieren die Netzwerke durch Seilschaften einfach besser. Das gelingt den Frauen nicht so. Daran müssen wir arbeiten.

Sie sind nach wie vor bei den ÖBB beschäftigt und bezeichnen sich als gelernte Eisenbahnerin. Sie haben als Reinigungsfrau begonnen, waren beim Verschub, Zugbegleiterin und sind jetzt Qualitätscoach für die Infrastruktur auf Bahnhöfen und in Zügen. Nun ist die Zukunft der Erzbergbahn und der Bahnstrecke gefährdet. Was können Sie tun?

AHRER: Es wäre sehr schade, wenn dieses Gut, die Erzbergbahn, verloren ginge. Ich setze mich auch bei den ÖBB ein, dass sie vom hohen Preis abgehen. Aber ohne vereinte Kräfte wird es nicht gehen.

INTERVIEW:ANDREA WALENTA





Die besten Forschungsprojekte

contrastwerkstatt - Fotolia

Die Kleine Zeitung präsentiert in Kooperation mit den fünf steirischen Universitäten, den beiden Fachhochschulen, den zwei Pädagogischen Hochschulen und Joanneum Research die besten steirischen Forschungsprojekte.



Lebe deinen Plan!

Alles zur Lehre

Kleine Zeitung

Das Lehrlings-Special der Kleinen Zeitung bietet einen Überblick über den aktuellen Markt und Ereignisse. Außerdem gibt's hier Tipps, Tricks und Hinweise für den Weg zur perfekten Lehrstelle.

KLEINE.tv

Fischer: "Medien sind einfach spannend"

Der Studiengang Journalismus und PR feiert Donnerstag und Freitag sein 1...Bewertet mit 1 Stern

 

Online-Anzeigen-Tool

Inserieren Sie jetzt in nur 6 Schritten Ihre Zeilenanzeige in der Kleinen Zeitung Weiter



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang