Kampf der Bewegungslosigkeit
Sitzen, Kaffee, Zigaretten, Stress und wieder sitzen - das sind die Hauptbestandteile vieler österreichischer Jobs. Die Bewegung, vor allem die Freude daran, bleibt dabei meist auf der Strecke.

Foto © Fotolia: Gina Sanders
Genau dieser Antriebslosigkeit will die Initiative "Company Sport Champion" nun den Kampf ansagen. Österreichischer Betriebssportverband (ÖBSV), Casinos Austria, Coca Cola und Wirtschaftskammer (WKÖ) wollen auf diese Weise bundesweit den Stein ins Rollen bzw. das Bein zum Laufen bringen. Das Projekt wurde am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt.
Folgeerkrankungen
Dass zu wenig Bewegung schlecht ist und in weiterer Folge zu Erkrankungen führen kann, ist in Österreich Common Sense. Das Bewusstsein für Sport ist da, es gehe vielmehr um die Überwindung des inneren Schweinehundes: "Es muss uns allen klar sein, dass wir es uns nicht mehr leisten können, mit durchschnittlich 58 Jahren in Pension zu gehen. Wir werden alle länger arbeiten müssen", warnte Martin Gleitsmann, WKÖ-Abteilungsleiter für Sozialpolitik und Gesundheit. Doch die Realität sehe - leider - anders aus: "Jeder dritte Pensionsantritt erfolgt aufgrund von Invalidität, jeder siebente ist untauglich und punkto Fettleibigkeit bei den Jugendlichen sind wir europaweit im Spitzenfeld."
Die Folgen können chronische Erkrankungen sein, die sich wiederum enorm auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz auswirken können (z. B. Häufigkeit bei Krankenständen). Aus diesem Grund hat bei vielen großen Unternehmen längst ein Umdenken eingesetzt. So wird den Mitarbeitern bei den Casinos Austria sowie bei Coca Cola die Mitgliedschaft in einem Fitness-Center bezahlt, für den einzelnen fallen also nur noch die Kosten für die tatsächlich konsumierten Stunden an. "Es ist heute schon ein entscheidender Faktor, was ein Unternehmen zu bieten hat. Und da geht es nicht immer nur um Geld", so Gleitsmann.
Gesundheits-Portfolio in Betrieb
Zum Gesundheits-Portfolio solcher Betriebe gehören aber auch anonyme Burnout-Behandlungen, Massage, Ernährungscoaching, Stress-und Ressourcenmanagement oder einfach nur die Gründung von Bowling-, Tennis- oder Fußballteams. Für Chronomediziner Alfred Lohninger ist vor allem Einteilung der Schlüssel zum Erfolg. Elementare Dinge wie Schlafqualität, Bewegung, Emotion, Essen und Trinken sollten möglichst optimal ausbalanciert sein.
Ein weiteres Problem sieht Lohninger in der heutigen Leistungsgesellschaft, in der es mittlerweile notwendig geworden sei, selbst Regenerationsphasen (Stichwort: "Abschalten") zu trainieren. "Das ist eine Riesenherausforderung." Der Aufwand für die tägliche Dosis Bewegung sei übrigens verschwindend gering: Auf Rolltreppe oder Aufzug verzichten, mit dem Rad in die Arbeit fahren, in der Mittagspause einmal um den Häuserblock schlendern, einzelne Muskelpartien im Sitzen anspannen. Lohninger: "Es geht nicht darum, dem Herzinfarkt davonzulaufen, es geht darum, der Gesundheit entgegen zu gehen."















