Flucht in die Bildungskarenz
Die Bildungskarenz soll Beschäftigten die Möglichkeit geben, etwas dazuzulernen und das finanziell einigermaßen abgesichert. Viele nützen die Möglichkeit aber einfach, um eine Auszeit vom Job zu nehmen.

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Die einen sitzen in Kursen und büffeln fleißig, andere lassen es sich gut gehen, machen den Segelschein, lernen malen oder eine Sportart oder genießen das Leben anderweitig. 8300 Frauen und Männer konsumieren derzeit in Österreich eine Bildungskarenz. Die Kritik an diesem Instrument wird schärfer.
Im Verlauf der Wirtschaftskrise war die Bildungskarenz 2008 und 2009 wie die Kurzarbeit ein Instrument, um Arbeitslosigkeit nicht entstehen zu lassen, heißt es im AMS. Auffällig ist, dass die Zahlen nach wie vor steigen, auch wenn Förderungen ausgelaufen sind, betont Rolf Gleißner, Experte für Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer. Die Bildungskarenz habe 2011 rund 76 Millionen Euro gekostet. Die Daten aus der Steiermark untermauern diese Aussage. Waren heuer im Jänner 1131 Personen in Bildungskarenz, stieg die Zahl zuletzt, wenn auch nur gering, auf 1153. In Bearbeitung waren seit Jahresbeginn 740 Neuanträge.
Im steirischen AMS wurden im Vorjahr knapp elf Millionen Euro für die Bildungskarenz aufgewendet, bis Ende Juli sind es im laufenden Jahr 7,35 Millionen. Wer in Bildungskarenz ist, erhält ein Weiterbildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes.
Freie Entscheidung
Welche Ausbildung man in der Bildungskarenz absolviert, ist jedem selbst überlassen. Es gibt keine Bindung an bestimmte Ziele. Kurs oder Schulung müssen mindestens 20 Wochenstunden dauern. Als Nachweis wird eine Kursbestätigung akzeptiert, Kontrolle gibt es vom Gesetz her keine, ein Ausbildungserfolg muss nicht nachgewiesen werden. Renate F., bildungskarenziert, sagt unverblümt: "Ich überbrücke das letzte Jahr zur Pension, bin daher, was für mich wichtig ist, nicht arbeitslos." Ein Betriebsrat eines großen Unternehmens berichtet, "bei uns wird zur Senkung von Kosten die Bildungskarenz forciert".
Gleißner hält das Modell an sich für sinnvoll, die Gelder sollten aber effizienter eingesetzt werden. Die Wirtschaftskammer, so Gleißner, habe dazu einen Plan, die Bildungskarenz soll parallel zur Arbeit, etwa bei halbierter Arbeitszeit, laufen. Das sei nahe am Job und daher sinnvoll.














