Gib ihm Saures!
"Meinen Sie tatsächlich, Ihre Killerphrase bringt uns hier weiter?" Kampfrhetorik ist die Kunst, schlagfertig zu kontern, wenn verbal kräftig ausgeteilt wird. Der Trainings-Knigge für den Kollegenfall.

Foto © FotoliaLernbar: Wie man sich vor verbalen Attacken schützen und die Kommunikation an sich reißen kann
Da ist sie wieder, die Wut im Bauch. Gerade hat ihn der Kollege gesagt - den einen Satz, der einen sprachlos werden lässt: "Sie haben ja keine Ahnung, wovon Sie da reden!" Jetzt wendet er sich ab, um auf den Chef einzureden und die gemeinsamen Ideen als seine zu verkaufen. Und wieder ist eine Gelegenheit vertan - warum fallen einem die besten Sätze immer erst später ein? Die gute Nachricht: Schlagfertigkeit kann man trainieren. Wie man sich gegen Killerphrasen wappnet, erklärt der Rhetorik-Profi:
Hintergrund. Wichtig ist es, zu durchschauen, was hinter verbalen Angriffen steckt. Sie haben immer Methode. Mit den Attacken unter die Gürtellinie zielen manche Kollegen auf die wunden Punkte des Gegenübers, wollen es aus dem emotionalen Gleichgewicht bringen und so die Kommunikation an sich reißen.
Vermeiden. Was in dieser Situation nicht gut ankommt: Ärger demonstrieren, schmollen, den Raum verlassen, laut werden oder den Chef am Ärmel zupfen, um ihn wieder auf seine Seite zu bringen. Wenn man geschickt kontert, kann das einen so großen Eindruck auf den Kollegen machen, dass er davon absehen wird, einen weiter anzugreifen. Wertvoll ist aber, dass man sich mit dieser Reaktion auf das gleiche Level stellt. In manchen Situationen kann schon der mit Schmollmund gesagte Satz "Das war jetzt richtig gemein" die Situation entspannen.
Beispiel
Die Idee hatten viele vor mir, sagen Sie? Und Sie haben vermutlich schon alle vor mir verhindert.
Üben. Wenn es richtig zur Sache geht - ein paar Killerphrasen-Klassiker und mögliche Entgegnungen: Den Angriff "In Ihrem Alter!" blockt man mit " . . .da wären Sie wohl auch noch/schon gern?" ab. Auf "Sie sind inkompetent" ist mit diesen Antworten die Kommunikation schnell wieder zurückzuholen: "Nach diesem wirklich schlagenden Argument wieder zurück zum Thema" oder "Schließen Sie bitte nicht von sich auf andere".
Auf "Die Idee hatten viele vor Ihnen" passt etwa: "Und Sie haben schon alle vor mir verhindert?" Und auf "Sie schon wieder" kontert man mit "Ich schätze Ihre schnelle Auffassungsgabe". Mit Fragen wie "Warum sagen Sie das jetzt?" oder "Meinen Sie tatsächlich, Ihre Killerphrase bringt uns hier weiter?" spielt man den Ball zurück und verschafft sich Zeit. Wer es schafft, ignoriert eine Killerphrase und redet weiter, als wäre nichts gewesen. Dabei die Augen fest auf den Gesprächspartner richten. Eine Abwandlung davon ist: "Danke, das ist interessant, aber kommen wir wieder zurück zum Thema".
Notieren. Wie man Killerphrasen am besten beikommt? Indem man jene aufschreibt, von denen man weiß, dass sie einen treffen, über die man sich schon geärgert hat und die einem persönlich stark zusetzen. Dann überlegen, welchen wunden Punkt die Phrase trifft und ein paar Antworten darauf niederschreiben, quasi als Rettungspaket für den Ernstfall.
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Wissenswert
Kampfrhetorik-Kurse. Das Wifi St. Pölten hat im Herbst einen zweitägigen Kurs zum Thema Kampfrhetorik im Programm: 16 Einheiten von 22. bis 23. Oktober, 9 bis 17 Uhr, mit Albert Ganser. Inhalte sind unter anderem: Selbstbewusstsein trainieren, die Zunge "schärfen", Vielredner stoppen lernen, Killerphrasen prompt kontern und unbequeme Fragen für eigene Themen nutzen. Kosten: 310 Euro.














