Das ist Chefsprache
Ghostwriting für den Chef: wie man den passenden Text für den Chef verfasst und warum man dabei zum Schauspieler werden sollte.

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Der Chef braucht Texte - einen für eine nette Einladung, eine Absage an den letzten Bewerber und einen PR-Text, der das neue Produkt ins rechte Licht rücken soll. Los geht's. Die Uhr tickt.
Wer angesichts der unterschiedlichen Aufgabenstellungen ins Schwitzen kommen würde, kann aufatmen, denn: "Schreiben kann man lernen", sagt Literaturmanagerin Doris Lind. "Schreiben ist wie ein Handwerk, das bestimmten Regeln folgt und umso besser gelingt, je öfter man es tut." Wie man die richtige Chefsprache findet? Die besten Tipps der Schreibtrainerin:
Wo fange ich an? Neu im Assistenzjob und gerade einmal die CI, die Identität des Unternehmens, verinnerlicht, schon wird der erste Text gebraucht. "Zuerst muss man bei sich selbst anfangen", erklärt Doris Lind. Denn: "Schreiben ist etwas zutiefst Persönliches."
Schreiben ist wie schauspielern. Beim Schreiben sollte es gelingen, ganz aus der eigenen Rolle herauszuschlüpfen und sich in die einer anderen Person hineinzuversetzen - im konkreten Fall in die der Führungskraft. "Wenn man einen Assistentinnenbrief schreibt, schlägt man einen anderen Tonfall an, als würde man für den Vorstandsvorsitzenden oder den Abteilungsleiter schreiben", merkt die Sprachtrainerin an. Andere Rollen beim Schreiben einzunehmen mache erfahrungsgemäß die größten Probleme - auch der Wechsel in eine selbstbewusstere Position.
Die eigene Schreibstimme. "Nur wenn ich selbst mein Repertoire kenne, kann ich diverse Rollen ausfüllen", betont Lind. Wenn man nicht wisse, "ob mein Gesicht komisch sein kann oder welche Mimik ich zur Verfügung habe, wird es mir in einer komischen Rolle nicht gut gehen". Wichtig sei also, abzustecken, wo man selbst sprachlich steht. Wie ein Schauspieler, der andere Personen beobachtet, um eine Rolle einzustudieren, sollte man mit dem Chef verfahren. "Ist er eine laute, extrovertierte Person, die große Worte schwingt oder ist er eher introvertiert?", zählt Lind auf. "Dann wird man in der Sprache auch zurückhaltender sein." Und man sollte Strategien entwickeln, um die Schreibstimme des Chefs und die des Unternehmens kennenzulernen.
Corporate Language. Ein Finanzdienstleistungsunternehmen würde andere Formulierungen und Wörter verwenden als eine Modeboutique für 20-Jährige, bekräftigt Lind. Wichtig ist, dafür ein Gespür zu bekommen. Was ist das für ein Unternehmen, was für ein Mensch, für den ich arbeite? Gibt es so etwas wie sprachliche Regeln, Keywords, die für das Unternehmen stehen und die man subtil in die Texte einfließen lassen kann? Ein Bereich, in dem man kostenfrei und mühelos Unternehmensidentität widerspiegeln könne, seien etwa Begrüßungs- und Abschiedsfloskeln in E-Mails oder Briefsendungen. Statt "Mit freundlichen Grüßen" könnte etwa ein Massageinstitut "gesunde Grüße" wünschen.
Den Druck nehmen. "Schreiben ist bearbeiten", sagt Lind. Wer sich verinnerlicht, dass am Basistext immer etwas geändert werden wird und der Rohtext nicht perfekt sein muss, geht die Sache ruhiger an. Die Orthografie sei ein Lernprozess, deshalb sollte man den Duden griffbereit und eine digitale Rechtschreibprüfung installiert haben. "Auch wenn der Text schon nahezu perfekt ist, optimieren kann man ihn immer", sagt die Schreibexpertin. Und: "Text ist immer Geschmacksache."
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Wissenswert
Doris Lind ist Schreibtrainerin, PR-Referentin und Literaturmanagerin. 2010 gründete sie "Literaturmanagement Lind".
Workshop. Secretary Plus lädt am 27. Juni von 17 bis 20 Uhr zum Workshop "Ghostwriting für den Chef". Themen sind u.a.: Wie schlüpft man sprachlich in die richtige Rolle? Corporate Language etc.; Anmeldung unter: graz@secretary-plus.at














