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Zuletzt aktualisiert: 24.03.2012 um 15:46 UhrKommentare

Der Mut zum Absprung

Raus aus der Komfortzone, mit einem Sprung ins kalte Wasser: Warum Toni Innauer Unternehmer wird - und was er alles anpackt.

Toni Innauer

Foto © GEPAToni Innauer

Warum verlässt man seine Komfortzone - in Ihrem Fall einen Job beim ÖSV, der als sicher gilt und auf Sie zugeschnitten war? Für viele wäre das schon der Lebenstraum schlechthin.

TONI INNAUER: Für mich war es Zeit, den Mut für den Absprung zu sammeln und den Nachfolgern ein schönes Erbe zu überlassen. Nur so konnte etwas Neues auch für mich entstehen. Man muss mein Leben geführt haben oder es gut einschätzen können, dann versteht man, dass man auch von diesem Traumjob irgendwann genug haben kann.

Inwieweit war der ehrgeizige, angreifende Sportler die Triebfeder, inwieweit der logische, hinterfragende Innauer?

INNAUER: Mein Ehrgeiz und die großen motivierenden Visionen waren nach dem mehrfachen Erreichen unserer Managementziele in sportlicher, struktureller und sportpolitischer Dimension gestillt.

Und jetzt erfinden Sie sich neu?

INNAUER: Spitzensport hat mich vielschichtig beschäftigt und geprägt, das kann und will ich nicht mehr ablegen. Das Interessante ist die Transformation der Erfahrung, nicht der Neuanfang.

Was gab den Ausschlag, Unternehmer zu werden? Die Verwirklichung einer große Idee, die lange reifte, oder der Reiz eines Spontanentschlusses zum Absprung?

INNAUER: Im Zusammenspiel meiner Tätigkeiten nach dem Ausstieg konnte ich ein Muster erahnen, das sich am besten mit der Gründung einer Firma umsetzen, bündeln und ausbauen lässt. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner und einem Coach bin ich mehrtägig in Klausur gegangen, um die Visionen auf die Umsetzung hin abzuklopfen.

Wie wichtig war das Wort Selbstbestimmung für Ihren Entschluss, Unternehmer zu werden?

INNAUER: Meine Zeit, meinen Einsatz und die Projekte weitgehend selbst einteilen und auswählen zu können, ist mir sehr wichtig. Dafür ist auch Disziplin notwendig, das ist der Deal.

Ihr Schatten als Sportikone ist lang. Wie können sich Ihre Partner und Kollegen neben Ihnen als Chef verwirklichen?

INNAUER: Auch im Skiverband war das anfänglich ein Thema, aber die Guten, wie etwa Alex Pointner oder Christian Uhl, haben sehr schnell gemerkt, dass ich ihnen genug Platz lasse, wenn es einen Grundkonsens über Werte und Zusammenhänge gibt. Es ist sehr motivierend, wenn Mitarbeiter und Kollegen ihre Originalität und ihren Mut in eine gemeinsame Sache legen.

Sie werden im Bereich Vorträge, Seminare, Coaching, Consulting und Eventmarketing tätig sein: Was unterscheidet Sie vom Rest? Der Faktor Innauer?

INNAUER: Im Bereich unserer Akademie und von Beratungen im sportaffinen Bereich zählt das stark und wir wollen das nicht verstecken. Innauer+(f)acts soll aber nicht darauf reduziert werden, dann hätte ich keine Firma mit meinem Partner und dessen ergänzenden Stärken gründen müssen. Die Praxis und nicht unsere Ankündigungen werden zeigen, wo wir mithalten können und wo wir besonders gut sind.

Wie fühlt sich der Unterschied zwischen Angestellt- und Selbstständigsein an? Meidet man das Risiko, weil es kein Fangnetz gibt?

INNAUER: Gefühlsmäßig habe ich die letzten dreißig Jahre immer ohne Fangnetz geturnt, das bin ich gewöhnt.

INTERVIEW: BIRGIT PICHLER

Zur Person

Toni Innauer (geboren 1. 4. 1958) hat im Sport Geschichte geschrieben: Er war Olympiasieger und Weltmeister im Skispringen. Als erster Skispringer der Geschichte erhielt er fünfmal die Idealnote 20, er stellte auch zweimal Skiflug-Weltrekorde auf. Nach seiner Sportlaufbahn studierte er Philosophie/Psychologie und hatte später als Skisprung-Trainer und Rennsportdirektor große Erfolge.

Zum Unternehmen

Innauer+(f)acts. In der Akademie kann man Vorträge, Seminare, Coaching oder Workshops buchen, z. B.: Strategien, Methoden, Tricks aus dem Spitzensport fürs Berufsleben mit Toni Innauer und Christian Uhl (Sportpsychologe). Weiters: Consulting/Sportmarketing sowie Events/Eventmarketing (mit W. Schwarzmann).

Seminar: "Gewinnen mit Augenmaß", entwickelt von Psychoanalytiker Christoph Fischer und Toni Innauer. Themen: Übertraining-/Burnoutprophylaxe, Eigenleistung statt Erfolgssucht, Kooperation und Konkurrenzfähigkeit.
29. 4. bis 1. 5. 2012
Seehotel Grundlsee
Tel.: (0 512) 319 030
info@innauerfacts.at



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