"Reparatur" fürs Bildungssystem
Die Volkshochschule bietet seit zehn Jahren Grundkurse in Lesen, Schreiben und Rechnen. Trotzdem verlassen jährlich 420 Schüler das Schulsystem ohne einen Abschluss.

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Da läuft etwas schief: "420 Schüler verlassen jährlich das Schulsystem ohne einen Abschluss. Diese beträchtliche Zahl an Schulabbrechern birgt sozialen Sprengstoff", sagen Gerwin Müller und Beate Gfrerer. Der Geschäftsführer und die Pädagogische Leiterin der Kärntner Volkshochschulen (VHS) zogen am Donnerstag Bilanz über zehn Jahre "Grundbildung" - und kritisierten gleichzeitig das Schulsystem.
Dieses würde nämlich zu viele Abgänger produzieren, die sich mangels Grundfähigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen nicht im Leben zurechtfinden. Rund 15 Prozent der Kärntner haben laut der VHS große Schwierigkeiten mit dem Sinn erfassenden Lesen von Texten oder dem Verfassen von Schriftstücken. Letzte Chance für sie ist das Angebot der VHS, diese Fähigkeiten nachzulernen. Dabei müssen Betroffene - egal ob jung oder alt - viel Mut aufbringen, um die eigenen Defizite einzugestehen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nur dann können sie die drohenden Konsequenzen wie Arbeitslosigkeit, Armut und gesundheitliche Probleme abwenden.
Seit 2001 haben rund 2500 Kärntner diesen mutigen Schritt getan und besuchten insgesamt rund 300 - kostenlose - Grundbildungskurse für Lesen, Schreiben, Rechnen und PC-Kenntnisse. Weil die Kurse in kleinen Gruppen bis sechs Personen ablaufen, können die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer besser berücksichtigt werden als in der Schule. In den letzten zehn Jahren kostete das Programm 3,5 Millionen Euro. Die Mittel kamen von Bund, Land und EU.
Negative Schulerfahrungen
Trotz der Erfolge, die die Abgänger der VHS verzeichnen, wünschen sich die Verantwortlichen bessere Vernetzung mit dem Schulsystem. "Wir können nicht die Reparaturwerkstatt der Schule sein", sagt Gfrerer. Sie fordert verstärkte Bewusstseinsbildung in der Lehrerausbildung, weil viele der Klienten der VHS ihre Probleme mit den Grundkompetenzen wegen negativer Schulerfahrungen hätten.
Für eine positive Schulerfahrung der anderen Art sorgt die VHS Ende Juni, wenn sie mit 26 Schulklassen einen Weltrekordversuch der intellektuellen Art startet: Die Schüler werden das größte "menschliche Alphabet" aller Zeiten darstellen. Der "Alphabetter-Day" findet am 29. Juni in Villach statt, teilnehmen werden neben Schulklassen aus Kärnten auch solche aus Italien und Slowenien. "Wir wollen den Alpen-Adria-Gedanken leben."
Features
Zahlen und Fakten
2500 Kärntner haben seit 2001 in 300 Grundbildungskursen ihre Lese-, Schreib-, Rechen- und PC-Kenntnisse verbessert oder den HS-Abschluss nachgeholt.
420 Schüler verlassen laut Volkshochschule jedes Jahr das Schulsystem ohne Schulabschluss. Die Folgen sind Arbeitslosigkeit, Armut oder immer öfter auch gesundheitliche und psychische Probleme.
3.500.000 Euro hat die Volkshochschule bisher für die Grundbildungskurse ausgegeben. Die Kurse sind für die Teilnehmer kostenlos, finanziert wird das Projekt aus Geldern des Landes, des Bundes und der EU.













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