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Zuletzt aktualisiert: 19.11.2011 um 15:39 UhrKommentare

Teamplayer zum Wohl der Patienten

Ist der Pflegeberuf familienfreundlich, wie bremst man die Fluktuation in dem Bereich und wo liegen die Herausforderungen für die Zukunft? Auszüge aus der Themen-Diskussion der Kleinen Zeitung.

Foto © Corbis

Seit Oktober wird in Graz ein Kombistudium angeboten, das mit dem Bachelor der Pflegewissenschaften und dem Diplom in Gesundheits- und Krankenpflege abschließt. Wird es gut angenommen?

NOTBURGA ERLACHER: Wir konnten nach einem Auswahlverfahren 66 Plätze besetzen und gehen davon aus, dass die Nachfrage noch steigen wird.

ZITIERT

Für uns ist es wichtig, diesen hoch qualifizierten Arbeitskräften attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten.

Sabine Marx

JOSEF SMOLLE: Das Studium ist die ideale Lösung, man hat beide Abschlüsse. Es sind hochpotente Personen, die daraus hervorgehen.

Man hört immer wieder, dass Pflegepersonal gesucht wird - wie viele Kräfte fehlen tatsächlich?

GERD HARTINGER: Der Bedarf ist enorm, innerhalb von zehn Jahren fehlen laut Studien rund 13.000 Pflegekräfte. Die Zahl der über 85-Jährigen wird sich bis 2030 um das Dreifache erhöhen, die Zahl der über 60-Jährigen verdoppelt sich. Bislang konnten die Familien viel auffangen. Diese "familiäre Unterstützungsrate" halbiert sich in den nächsten 20 Jahren durch die Singularisierung der Einzelhaushalte.

ERLACHER: Wir haben vor fünf Jahren eine Bedarfsstudie gemacht, die gezeigt hat, dass in der Steiermark 400 bis 500 Pflegehelfer und 600 an Diplompersonal pro Jahr benötigt werden. Mit den Ausbildungserweiterungen haben wir das annähernd erreicht.

Welche Maßnahmen ergreifen sie, um der hohen Fluktuation im Pflegebereich vorzubeugen?

ZITIERT

Der Pflegeberuf ist eigentlich sehr attraktiv und wird von der Bevölkerung sehr wertgeschätzt.

Gerd Hartinger

SABINE MARX: Die Fluktuation in unserem Unternehmen ist zurückgegangen. Da die Führungskräfte die Schlüsselpersonen bei der Arbeit sind, haben wir eine Fortbildung für sie gestartet. Wie erkenne ich die Möglichkeiten und Potenziale von Mitarbeitern, wie motiviere ich sie...?

ERLACHER: Der Pflegeberuf ist heute viel familienfreundlicher geworden. Wiedereinstieg und Teilzeitmodelle in jeder Form sind möglich.

Wie wichtig ist einer Klinik eigentlich Employer Branding?

MARX: Für uns ist es wichtig, diesen hoch qualifizierten Arbeitskräften attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten, um sie langfristig im Beruf zu halten. Dazu gehören professionelle Supervision, betriebliche Gesundheitsförderung und ständige Förderung durch Ausbildungsangebote.

HARTINGER: Wir haben festgestellt, dass wir sehr viel für die Mitarbeiter tun, aber noch wenig dafür, das auch zu kommunizieren. Wir müssen das interne und externe Marketing noch ausbauen. Der Pflegeberuf ist eigentlich sehr attraktiv und wird von der Bevölkerung sehr wertgeschätzt.

SMOLLE: Was auch für die Zufriedenheit der Patienten wichtig ist - die Beurteilung, ob sie glauben, eine Einrichtung sei kompetent oder nicht, hängt nicht nur davon ab, wie die Bediensteten mit den Patienten umgehen, sondern sehr wie die Mitarbeiter untereinander miteinander umgehen.

Welche Qualifikationen sind in Zukunft gefragt?

ZITIERT

Der Pflegeberuf ist heute viel familienfreundlicher geworden. Teilzeitmodelle in jeder Form sind möglich.

Notburga Erlacher

CHRISTIAN LAGGER: Die Herausforderungen der Zukunft im Krankenhaus und im Gesundheitsbereich werden von allen Berufsgruppen deutlich mehr als bisher ein fächer- und disziplinenübergreifendes Denken und Handeln erfordern. Wir brauchen Menschen, die im ärztlichen und pflegerischen Bereich flexible, lösungsorientierte Teamplayer zum Wohle der Patienten sind. Alle Formen der Aus- und Weiterbildung in Gesundheitsberufen sollten für Interdisziplinarität fit machen.

SMOLLE: Die Zukunft des Gesundheitswesens wird darin liegen, dass in kleinen überschaubaren berufsgruppenübergreifenden Teams in hoher Selbstverantwortung gearbeitet wird. Das ist auch letztlich im Interesse der Motivation der Mitarbeiter so.

INTERVIEW: BIRGIT PICHLER

DIE DISKUTANTEN

Notburga Erlacher, Wissenschaftliche Oberrätin, Amt der Stmk. Landesregierung FA 8A Sanitätsrecht und Krankenanstalten

Gerd Hartinger, Geschäftsführer Geriatrische Gesundheitszentren Graz

Christian Lagger, Geschäftsführer Krankenhaus der Elisabethinen Graz

Sabine Marx, Pflegedirektorin Privatklinik Graz-Ragnitz

Joesf Smolle, Rektor der Medizinischen Universität Graz





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