Die größten Burn-out-Fallen für Chefs
Demotivation, sozialer Stress, Selbstausbeutung - was Führungskräfte aus der Bahn wirft, erklärt Burn-out-Experte Markus Väth.

Foto © CorbisSelbstausbeutung führt oft zur Führungsposition, sie wird als Erfolgsstrategie erlebt und weiter verfolgt
Führungskräfte haben in der Regel ein Sandwichproblem, sagt Unternehmensberater Markus Väth und erklärt weiter: "Sie bekommen Order und Ziele von oben, die sie durchsetzen sollen. Gleichzeitig müssen sie auch den Alltag ihrer Mitarbeiter steuern und begleiten."
So säßen sie in der Falle. Ein Gleichgewicht zwischen den Vorgaben der Geschäftsführung, eigenen Vorstellungen und den Ansprüchen ihrer Mitarbeiter zu finden, sei ein schwieriges Unterfangen, sagt Väth und zählt die größten Burn-out-Fallen für Chefs auf:
Demotivation. Führungskräfte würden oft darunter leiden, dass sie nicht selbst gestalten könnten. Das Tagesgeschäft sei so voll mit Terminen, Gesprächen und Facharbeit, sagt Väth, dass kein Platz mehr für sorgfältige Planung und zum Nachdenken bliebe. "Chefs sehen sich oft als Getriebene, die eigene Impulse an dritter Stelle der Prioritätenskala gar nicht mehr umsetzen können", so Väth. Die intrinsische Motivation leide, "die unabhängig von Bezahlung, Belohnung und Statussymbolen sprudelt".
Trichter-Syndrom. Unangenehme Dinge, Entlassungen, unrealistische Zielforderungen würden in der Hierarchie so lange nach unten durchgereicht, bis sie bei jenen hängen bleiben, die sich nicht wehren können (etwa überzogene Vertriebsziele, die Außendienstler an der Front ausbaden müssen) oder wollen (etwa die neu berufene Teamleiterin).
Dinge, die "nur für ein paar Wochen" zu machen sind, sollte man sich gar nicht umhängen lassen oder den Zeitraum genau definieren. Die neue Teamleiterin werde nämlich als so pflichtbewusst eingeschätzt, dass sie es nicht wagen würde, die Überlastung infrage zu stellen.
Eigene Anfälligkeit. "Viele Chefs sind durch Selbstausbeutung, unzählige Überstunden und hohe Eigeninitiative in die Position gekommen", sagt Väth. Es sei normal, dass sie Selbstausbeutung als Erfolgsstrategie erleben, die Geld, Verantwortung und Status beschert. Daher seien viele Chefs "betriebsblind", was ihr eigenes Burn-out und das ihrer Mitarbeiter anginge.
ZITIERT
Es würde Unternehmen guttun, ihre Führungskräfte in moderner Kommunikation zu schulen, damit der Stress abnimmt."
Markus Väth
Sozialer Stress. Väth: "Führungskräfte tragen in mehrfacher Hinsicht eine besondere Kommunikationslast." Neue Ansprechpartner bedeuten wechselnde Kommunikationsmuster, intensive soziale Kompetenz bis hin zu Stress und Desocializing-Syndrom. In abgemilderter Form treffe das durchaus auch auf Führungskräfte zu, die eine hohe Sozial- und Selbstkompetenz benötigen, erklärt Väth. "Umso verwunderlicher, dass viele Firmen davon ausgehen, eine Führungskraft erledige die diffizile Aufgabe der Menschenführung quasi nebenbei", setzt Väth nach.
Information-Overload. Führungskräfte seien meist im Alter von 40 plus. Diese Generation bestehe nicht aus den "Digital Natives", die mit Facebook und Co. aufgewachsen sind, sondern aus "Digital Immigrants", die sich moderne Kommunikationsformen erst erarbeiten müssten.
"Es würde Unternehmen guttun, gerade ihre Führungskräfte in modernen Kommunikationstechniken zu schulen, damit deren Stress abnimmt", rät Väth.
Features
BUCHTIPP
Markus Väth ist Experte für strukturelles und individuelles Burn-out. "Feierabend hab ich, wenn ich tot bin" , Gabal, 20,50 Euro.













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